Kleine, geile Firmen #23 – MÖBELDESIGNER ACCIDENTAL CONCRETE

In seiner kleinen Werkstatt im Berliner Funkhaus in Oberschöneweide fertigt Jonas Lampenfassungen und Möbel aus Beton, die er online verkauft oder auf Wunsch anfertigt. Letztes Jahr hat er sich mit seiner Firma ACCIDENTAL CONCRETE selbstständig gemacht. Uns gefällt so viel Liebe zur Kreativität ausgesprochen gut, weshalb wir Jonas' Unternehmen offiziell zu einer "Kleinen, geilen Firma" küren und ihn glatt mal in seinem Studio besucht haben. Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Vodafone entstanden.

Was macht ACCIDENTAL CONCRETE ganz genau?
Ich mache individuelle (Licht-)Objekte und Möbel, vorwiegend aus Beton und Holz. Ich entwerfe und plane aber auch architektonische und räumliche Konzepte.

Was macht ACCIDENTAL CONCRETE ganz genau nicht?
Trends folgen.

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Was hast Du davor gemacht?
Bevor ich mich meinem eigenen Projekt gewidmet habe, habe ich als Architekt in einigen großen Büros in Amsterdam und Rotterdam gearbeitet.

Was hat Dich schließlich dazu gebracht, Dich selbstständig zu machen?
Als Architekt sitzt du viele Stunden am Tag nur hinter deinem Monitor. Ich bin handwerklich aktiv aufgewachsen und auch das Studium hat mir viele Möglichkeiten gegeben, mich auszuleben. Nach einigen Jahren im Büro hat es mir einfach wieder in den Fingern gejuckt.

Verständlich, aber Beton ist doch eher eine ungewöhnliche Wahl. Wie kam's dazu, dass Du jetzt ausgerechnet mit diesem Material arbeitest?
Geboren wurde die Idee noch während meines Architekturstudiums an der UdK, wo wir die Möglichkeit hatten, uns im Modellbau auszuleben. Mich fasziniert, ein Objekt von zwei Seiten zu betrachten. Die Schalung, das Negativ und in der Folge das Objekt, das Positiv. Beton reagiert sehr sensibel auf Oberflächen und formt einen genauen Abdruck dessen, was ihn in Form zwingt. Man hat somit einen präzisen Einfluss auf Haptik und Aussehen. Häufig entstehen dabei unvorhersehbare Besonderheiten. Jedes Objekt ist somit individuell.

Woher hast Du gelernt, wie man mit Beton arbeitet?
Learning by doing. Ich habe viel rumprobiert und viele Fehler gemacht, aus denen ich lerne. Jedes neue Projekt hat wieder neue Herausforderungen.

Wie sieht Dein wichtigstes Arbeitsutensil aus?
Accidental Concrete, KGF, FirmaIch arbeite viel mit Holz. Mein Akkuschrauber ist, glaube ich, das Werkzeug, welches ich am Tag am häufigsten in die Hand nehme.

Erinnerst Du Dich noch, was das erste Teil war, das Du aus Beton gebaut hast?
Eine Lampe, die ich auf meinem Balkon gegossen habe.

Und was hast Du zuletzt entworfen?
Mich fasziniert, Objekte zu entwerfen, für welche man Beton als Werkstoff nicht unbedingt erwarten würde. Für ein Restaurant in Neukölln habe ich einen Beton-Kronleuchter mit einem handgefertigten Neonring gebaut. Die Kombination ist unkonventionell und sieht fantastisch aus.

Wie lange arbeitest Du an einem Produkt, beispielsweise an einer Lampe?
Das Wichtigste im Entstehungsprozess eines Betonobjektes ist die Schalung. Sie bestimmt, wie das Endprodukt ausschaut. Für individuelle Objekte bedarf es häufig einer aufwendigen Schalung. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Auch macht es einen Unterschied, ob die Schalung wiederverwendbar sein soll oder einmalig nutzbar. Das Gießen ist letztlich der kleinere Aufwand. Ein Objekt sollte aber bis zu vier Tage trocknen.

Vier Tage? Macht Dich dieses Warten nicht manchmal fertig?
Anfangs war ich sehr ungeduldig. Mittlerweile gibt es mir den Raum, an mehreren Sachen gleichzeitig zu arbeiten und mich auf unterschiedliche Dinge zu konzentrieren.

Gibt es so etwas wie einen typischen Arbeitstag bei Dir?
Sport am Morgen. Meetings und Termine möglichst vormittags und dann ins Studio. Ich mag es, den Abend frei zu haben, um uneingeschränkt lange arbeiten zu können. Viele Sachen dauern häufig länger, als man denkt, und Zeitdruck ist nicht mein Freund.

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Wie viel kosten Deine fertigen Arbeiten eigentlich im Schnitt?
Das ist abhängig von Größe und Aufwand.

Aber wie entscheidet man – gerade wenn man gerade erst sein Business gestartet hat –, wie viel Geld man für seine Arbeiten nimmt?
Ich stelle mir selbst die Frage: Was wäre mein persönliches Limit? Aber irgendwie wollen ja auch Grundkosten für Material, Miete und Werkzeug gedeckt werden.

Welche Probleme hattest Du am Anfang, als Du Deine Firma gegründet hast und wie hast Du diese gelöst?
Ehrlich gesagt, bin ich noch im Gründungsprozess und viele Probleme wollen noch gelöst werden. Heute wäre ich froh, hätte ich mal einige Semester BWL studiert. Wirtschaft und Ökonomie sind mir ziemlich fremd, da muss ich mich nun erst einarbeiten. Schritt für Schritt.

Kannst Du denn schon von Deiner kleinen Firma leben?
Das ist noch ein langer Weg...

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Okay, andere Frage: Was ist das Beste daran, Berlin als Standort zu haben?
Mhm, schwer für mich, das unvoreingenommen zu beurteilen. Ich bin in Berlin aufgewachsen und weiß, wie es hier beispielsweise vor 13–14 Jahren aussah. Viel hat sich verändert, was mich persönlich immer weiter aus der Stadt heraustreibt.

Aber?
Nun wohne ich in Treptow, einer der schönsten Wohngegenden Berlins und habe ein Studio in Oberschöneweide. Ein faszinierender Ort direkt an der Spree mit vielen Qualitäten, die ich vor Jahren so nie entdeckt hätte. Berlin ist offen für Unkonventionelles und nach wie vor noch bezahlbar. Nur so habe ich die Möglichkeit, das zu tun, was mich glücklich macht.

Welche wichtige Lektion hast Du letzten Monat gelernt?
Die Lektion des letzten Monats kommt aus den letzten Jahren: Aus Fehlern lernt man, Mut zur Veränderung und back to basic.

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Die Fragen hat uns Jonas beantwortet. Vielen Dank! Letztes Mal waren wir zu Besuch im Aufbau Haus beim METROLIT VERLAG. Den “kleinen, geilen Firmen”-Floh hat uns übrigens dieser Song ins Ohr gesetzt.


Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Vodafone entstanden. Auf featured.de erfahrt ihr, warum Jonas noch keinen eigenen Laden hat, warum ein eigener Instagram-Account für seine Firma wichtig ist und welche Seiten im Netz ihn bei seiner Arbeit inspirieren.

Fotos: Milena Zwerenz
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