Wie schaffe ich es, dass mein Kind macht, was ich will?

© Matze Hielscher

Wie spricht man am besten über Herausforderungen im Familienalltag? Viele Eltern treiben die gleichen Sorgen um, auf der Suche nach Lösungen lesen sie einen Ratgeber nach dem anderen. Jeder hat eine andere Vorstellung von Erziehung und nur selten werden Ängste und Sorgen offen ausgesprochen. Im Familienrat-Podcast besuchen wir die Diplompädagogin Katia Saalfrank und stellen der Expertin eure Fragen rund um Erziehung und Familienleben.

Bei Fatima* zu Hause geht es rund. Sie schreibt:

"Gestern habe ich die erste Folge von Familienrat gehört. Theoretisch klingt das gut. In der Praxis, also im aller härtesten Härtefall, funktioniert 'Katia Saalfrank' jedoch nicht. Das Prinzip von Katia Saalfrank scheint ja immer und immer wieder zu sein: 'Children first!'.

Das ist richtig. Das ist wichtig. Das ist das Beste. Aber wenn Kinder zu absoluten Biestern werden, und man zuvor alles ganz genau so abgearbeitet hat, wie Frau Saalfrank es empfiehlt, und es dann doch zum Super-GAU kommt, und man wieder in eine ausweglose Situation gerät, dann wird man sehr wütend auf diesen seelenruhigen Leitsatz: Der Kinderwille steht über allem.

Manchmal ist das Verhalten eines Kindes aber nicht zu entschuldigen, zu akzeptieren oder überhaupt zu verstehen. Wie soll man hier denn Grenzen setzen? Frau Saalfrank sagt: 'Keine Grenze setzen, sondern die Grenzen des Kindes akzeptieren'. Ich will aber, dass meine Kinder in manchen Situationen auch meine Grenzen akzeptieren. Wie schaffe ich das in einer ausweglosen Situation? 

Ich verstehe, dass ganz sehr verständnisvolle Menschen, die ein ruhiges Wesen haben, den Impuls des Zorns nicht lautstark kommunizieren möchten. Katia Saalfrank gehört sicherlich dazu. Das ist okay. Aber in ihren Ratschlägen bedenkt sie eigentlich so gut wie nie die Eltern, die das nicht so gut können, die impulsiv, laut, ungeduldig und nervös sind.

Ein Beispiel: Wir sind auf einer Familienfeier eingeladen. Wenn mein Kind nicht aus dem Bett will, dann darf es länger liegen bleiben. Zum Frühstück ein Schokololli, na gut, außnahmsweise in Ordnung. Mein Kind will kein Hemd anziehen, ok, dann darf es sich das Dino-Shirt aussuchen. Schließlich weigert sich mein Kind konsequent und will unbedingt die dreckigen Straßenschuhe anziehen, aber da reicht es mir und ich erlaube es nicht. So kommt der Konflikt ins Rollen: Ich rede ihm gut zu. Erwähne, was ich heute schon alles erlaubt habe. Werbe für Verständnis. Zeige ihm auf, warum die dreckigen Schuhe heute einfach nicht gehen. Aber dann gibt es großes Geschrei, es wird gebrüllt, geflennt, die Schuhe werden in die letze Ecke gepfeffert. Dann verliere ich die Nerven und schreie rum. Und jetzt kommt genau das, was Frau Saalfrank viel zu selten bedenkt: Ich will es aber. Warum? Weil es mir wirklich wichtig ist. Ich möchte, dass meine Kinder anerkennen, dass auch ich einen Willen habe. Nächstes Jahr wird der Fünfjährige eingeschult, und auch da wird er den Willen seiner Lehrerin akzeptieren müssen. Das Eltern-Kind-Verhältnis kann nicht immer nur auf Augenhöhe sein. Es gibt einfach rote Linien, die ich von meinen Kindern akzeptiert wissen möchte. Strafen und Androhungen lehnt Katia Saalfrank ab. Also was hätte ich in dieser Situation tun müssen? Ich bestehe unbedingt darauf, dass Frau Saalfrank meine Position bedenkt: Ich will, dass mein Kind von Zeit zu Zeit meinen Willen akzeptiert – so wie ich es im Gegenzug ganz genauso tue.

Im Übrigen habe ich sein Spiel-Parkhaus vom Balkon geworfen und seine Verabredung mit einem Freund gestrichen, damit er die Lederschuhe anzieht. Das war nicht cool von mir. Am Ende ging es uns beiden schlecht. Und wir kamen zu spät zur Feier. Also, wie geht das besser?"

Das Eltern-Kind-Verhältnis kann nicht immer nur auf Augenhöhe sein. Es gibt einfach rote Linien, die ich von meinen Kindern akzeptiert wissen möchte. 

*Name von der Redaktion geändert

Wenn ihr auch Fragen an Katia Saalfrank habt, dann schickt sie uns gerne an [email protected].

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