Nie wieder Sex – Das erwartet euch, wenn ihr Eltern seid...

© Rike Schäfer

Die Kolumne „Cool trotz Kind“ ist für alle Eltern da draußen. Und für die, die es werden wollen. Autor Clint erklärt, wie ihr auch mit Kind euer Gesicht wahren könnt. Vor euch und der Welt. In dieser Folge erfahrt ihr, wie sich euer Sexleben dank Kind verändert.

Tag für Tag erreichen mich die Zuschriften zahlreicher Eltern, die mich verzweifelt fragen: Kann man cool bleiben, auch wenn man ein Kind hat? Als Superdaddy kann ich da oft nur schmunzeln. Und ich sage ihnen: Leute, nehmt euch doch nicht so ernst. Das ist meistens schon der erste Schritt zu wahrer Coolness. Und natürlich bedeutet das auch, dass man die Sache mit dem Nachwuchs nicht immer allzu ernst nehmen sollte.

Zum Beispiel diese Panik, wenn man mit dem Kind unterwegs ist. Hab ich alles dabei? Essen, Trinken, Wechselklamotten, Wischtücher? Also zumindest für Berlin kann ich da nur sagen: Kommt wieder runter! Das gibt’s doch alles beim Späti. Dann könnt ihr auch ganz befreit vor die Tür gehen und müsst nicht so einen bescheuerten, unförmigen Rucksack aufsetzen.

Eltern mit Rucksack geht gar nicht

Und wo wir schon mal bei Gepäckstücken des Grauens sind: Wer kennt sie nicht, die KRANKENHAUSTASCHE! Gott, was sind wir im Vorfeld der Geburt gequält worden. Von der Hebamme, von anderen Eltern. Es gibt ganze Ratgeber, die sich nur damit befassen, was man in diese verschissene Tasche packen soll, bevor man damit den Weg zur Entbindung antritt. Mein Gott, die Leute haben früher im BUNKER ihr Kind gekriegt. Beim Beeren pflücken, während sie mit der anderen Hand ein Wolfsrudel auf Distanz gehalten haben. Ihr werdet den Wurf auch schaffen, ohne drei Monate vorher diese verdammte Tüte zu packen. Und falls im entscheidenden Moment doch was fehlt: Späti.

Nun zu einem anderen Thema. Die Überschrift deutet es dezent an. Ich habe bisher versucht, diese Klippe zu umschiffen. Weder breite ich mich gern über mein eigenes Sexleben aus, noch mag ich etwas aus den Schlafzimmern anderer Leute wissen. „Wieso Schlafzimmer?“, sehe ich da schon ein schlüpfriges Augenzwinkern vor mir. „Es gibt doch auch andere Orte, wo man sich austoben kann, knick knack.“ Da läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter. Man redet nicht über Sex. Man hat ihn einfach. Trotzdem schreibe ich hier eine Kolumne und kann mich nicht ewig vor diesem Punkt drücken. Also ran an den Speck.

Man redet nicht über Sex. Man hat ihn einfach.

Ich höre immer wieder mit Verwunderung von jungen Eltern, die ein Problem damit haben, intim zu werden, wenn das Baby im gleichen Zimmer schläft. Warum, frag ich da? Sind das tatsächlich Skrupel, weil das Kind was mitkriegen könnte? Erstens schläft es und zweitens kann es eh nicht interpretieren, was ihr da tut. Natürlich ist ein Dämpfen der Lautstärke hilfreich. Wenn ihr euch die Seele aus dem Leib brüllt, könnte das durchaus befremden. Reißt euch halt ein bisschen am Schlüpfer. Dann dringen zwar immer noch ein paar animalische Schwingungen zu eurem Kind durch. Aber die vermitteln ja nur, dass ihr euch lieb habt.

Der entscheidende Punkt sind hier wohl eher die Hemmungen, die einer oder beide Partner vor dem Baby haben. Man will die Bereiche nicht vermischen. Außerdem scheint es oft auch ein Problem zu sein, dass alle mütterlichen Geschlechtsmerkmale vom Kind pragmatisiert wurden. Zweckentfremdet möchte ich fast sagen. Da muss man auch erstmal wieder drauf klar kommen, dass die erogenen Zonen nicht nur zum Gebären und Säugen gedacht sind.

Da muss man auch erstmal wieder drauf klar kommen, dass die erogenen Zonen nicht nur zum Gebären und Säugen gedacht sind.

Ihr müsst es halt wollen. Aktiv werden! Keine Ahnung, schaut doch einfach im Netz. Da gibt es unzählige Erfahrungsberichte und Ratschläge, wie andere Eltern mit dieser Sache umgehen. Mir ist das alles schon wieder viel zu konkret, dafür bin ich zu prüde, da muss ich zu Asche zerfallen. Naja, ihr wisst schon.

Die Sache ist nun, dass das Kind auch irgendwann größer wird. Und dann im entscheidenden Moment schon mal ins Zimmer platzt und ein Gesicht macht nach dem Motto: „Wou wou wou, hallo? Was geht’n hier ab?“ Dem sollte man irgendwie vorbeugen. Zum Beispiel durch Tür abschließen. Obwohl das natürlich sehr plump ist. Dann kann das Kind euch zwar nicht überraschen. Aber es kriegt trotzdem mit, dass irgendwas Krasses abgehen muss.

Ich bevorzuge da Eierschalen. Oder zerknülltes Zeitungspapier. Das streue ich großflächig vor dem Schlafzimmer aus. Dann hört man sofort, wenn sich jemand unerwünscht nähert. Natürlich muss man sich in dem Fall wieder mit der Lautstärke zurück halten. Aber auf der anderen Seite steigert die Gefahr erwischt zu werden den Lustgewinn.

Grundsätzlich kann ich sagen: An vielen Tagen ist das Kind dermaßen anstrengend, dass man sowieso nichts, nichts, GAR NICHTS unternehmen will, was auch nur das kleinste Risiko in sich birgt, dass noch so ein Kleinteil auf der Bildfläche erscheint. Keinen Sex zu haben, ist nun mal das beste Verhütungsmittel.

Keinen Sex zu haben, ist nun mal das beste Verhütungsmittel

Und ansonsten muss man halt damit leben, dass das Kind oft als Cockblocker wirkt. Wenn man zum Beispiel wie ich nicht mehr mit dem anderen Elternteil zusammen ist. Kann schon schwierig sein, neue Bekanntschaften zu schließen. Weil die vielleicht nicht auf Kinder klar kommen. Oder darauf, dass man ein so inniges Verhältnis zu einem Menschen hat, von dem sie erstmal ausgeschlossen sind. Und wir reden jetzt noch gar nicht von den Schwierigkeiten, dem KIND nahe zu bringen, dass plötzlich eine neue Figur in der Serie aufgetaucht ist.

So oder so, es bleibt spannend. Wie eingangs erwähnt, ist es am besten, wenn man alles nicht ganz so ernst nimmt. Man muss sich für Sex nicht verrenken. Und man muss auch nicht unbegrenzt Rücksicht auf das Kind nehmen. Die goldene Mitte ist hier am besten. Nicht zu fassen, dass ich diesen Satz echt geschrieben habe.

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