ABENDBROT MIT AIDA & SARAH #21 – Fischschuppen in Friedrichshain

Nach einem Jahr London bin ich wieder zurück und ich muss zugeben, dass ich mich auf Weniges in Berlin mehr gefreut habe, als wieder für euch Abendbrot zu essen und mich wie die kleine Raupe Nimmersatt durch Berlin zu futtern. In der Zwischenzeit haben Sarahs Kolumnen mir das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Am Sonntag traf ich mit meiner Abendbrot-Schwester auf Fish and Chips – um ein Jahr Berliner Abendbrot Revue passieren zu lassen und quasi Gabel und Messer zu überreichen. Denn ab heute werde ich wieder für euch Köchen über die Schulter schauen, in Kühlschränke und Töpfe gucken und Teller leer essen.

Zum Abschied sitze ich heute mit Sarah in einer dunklen Ecke des Friedrichshainer Fischschuppens – nicht der edelste Laden, aber eine bodenständige Umgebung für ein Wiedersehen. Vor uns liegen große, frisch frittierte Stücke Fisch: dick geschnitten, außen kross, innen fluffig und alles mit hausgemachtem Ketchup und Tartarsauce serviert. Zufriedene Gesichter am Tisch. "Das ist mein alljährlicher Ausflug nach Friedrichshain", grinst mich Sarah an. Trotz all der Ausflüge in gehobenere Restaurants wie den Pauly Saal oder die Cevicheria liebt Sarah einfache, aber gute Küche. Ich mag das.

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Sarah erzählt mir von ihren schlimmsten und besten Erlebnissen. Bei ihrem Favoriten leuchten ihre Augen: die Charlottenburger Institution Rogacki, die sie bei einer ihrer ersten Abendbrote besuchte. "Die Sachen, die ich mir da gekauft habe – die waren so richtig gut!" Sie schwärmt von dem unfassbar guten Dessert im Eins44, von den wilden Leckereien im Parker Bowles und der französischen Küche in der Brasserie Lamazère. "Durch das Abendbrot und auch durch meinen Job bin ich in Kontakt mit so vielen spannenden Menschen in der Restaurantszene gekommen, das war auf jeden Fall bereichernd. Das ist eine ganz eigene Welt!"

Wenn ich mir Sarahs Geschichten anhöre, dann habe ich das Gefühl, dass sich die kulinarische Szenerie in Berlin um gefühlt hundert Grad gewandelt hat, seitdem ich vor einem Jahr nach London verschwand. Eine der treibenden Kräfte, die das neue große Berliner Fressen befeuert, ist die geradezu explodierende Expat-Szene in der Hauptstadt. Berlin und die heimische Küche waren – wie jede andere Metropole auch – schon immer geprägt von Einwanderern: Die Berliner Erfindung Döner, die großartigen Falafel- und Halloumi-Varianten, vietnamesische, thailändische und indonesische Küche allenthalben. Doch dieser neue Schub hat einen völlig neuen Typus an Köchen und Restaurantbesitzern hervorgebracht: Menschen, die Ahnung davon haben, wie sie ihre eigene Marke entwickeln, wie sie gut aussehen und vor allem spaßige Events wie den Street Food Thursday, den Bite Club oder unzählige Supper Clubs organisieren.

Wenn es etwas in London gibt, dann fantastische Street-Food-Märkte überall. Eigentlich seltsam, dass es so lange gedauert hat, bis der Street-Food-Trend auch nach Berlin geschwappt ist. In London habe ich eigentlich nur damit verbracht, mir den Bauch vollzuschlagen, und nun suche ich ganz Berlin nach anständigem Jamaican Jerk, traditionell mit den Füßen (!) hergestellte Udon und anderen Delikatessen ab. Sarahs Tipps helfen mir da auf jeden Fall auf die Sprünge. Und soweit ich das nach ein paar Wochen Berlin einschätzen kann, muss sich die Hauptstadt mit ihrer aufblühenden Food-Szene wirklich nicht verstecken. Es passiert weiterhin wahnsinnig viel und wahnsinnig schnell – und ich freue mich darauf, euch bald mehr von meinen Essens-Abenteuern zu erzählen!

Und ich hoffe natürlich auch, dass Sarah mich dann ab und zu begleiten wird. Denn ganz wollen wir hier ja nicht auf sie verzichten.

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Im letzten Abendbrot war Sarah im Eins44 in Neukölln essen. Noch mehr Abendrot findet ihr in unserer Rubrik Abendbrot.

Fotos: © Matze Hielscher
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