Wie schon ein einziges Konzert mit 2G-Regel die Normalität zurückbringt

© Thomas Hauser

Letzten Donnerstag spielte die Dark-Wave-Band Lebanon Hanover knappe anderthalb Stunden ein Konzert im Festsaal Kreuzberg – und ich war zusammen mit einem Freund dort und habe die Musik und den ein oder anderen Drink (vielleicht auch den ein oder anderen zu viel...just saying) genossen. Danke, dass ihr euch mit mir über meinen Alkoholkonsum freut – war geil, aber brandheiße News sind das nun bestimmt nicht. Normalerweise. Außerdem ist das hier keine News, sondern eine Meinung. *Klugscheißmodus aus.

Weshalb ich trotzdem darüber schreibe, ist schnell erklärt: Es ist für mich das allererste Konzert seit Dezember 2019 (wie viele Tage das genau insgesamt sind, interessiert keine*n – der Gig damals war auch kacke) gewesen, bei dem ich unbeschwert, eng vor der Bühne gedrängt, ohne Maske und Abstandsregeln das Tanzbein geschwungen habe. Soweit das bei einem Dark-Wave-Konzert möglich ist. Die Musikrichtung ist eben nicht jedermanns Sache. Meine schon.

2G macht's möglich

In Berlin gilt seit dem 04. September die 2G-Regel für Konzerte und Tanzveranstaltungen. Bedeutet: Vollständig geimpften und nachweislich genesenen Personen ist der Zugang und somit die Teilnahme an solchen Events gestattet – so eben auch bei besagtem Konzert im Festsaal Kreuzberg. Weitere Einschränkungen: Nö, gibt's nicht.

Vor Ort gestaltete sich das Ganze problemlos: mit Maske anstehen, Tickets & den Geimpft-Genesen-Nachweis vorzeigen, dann noch in die Corona-App einchecken – that's it. Direkt dahinter, nur wenige Schritte in der Location, kommt uns der erste fröhlich grinsende Konzertgänger entgegen. Ohne Maske, dafür mit nem Arsch voll Bier in der Hand. Beeindruckend – er könnte wohl auch auf einem dieser unsäglichen Volksfeste Maßkrüge an den Tisch bringen, ohne einen Tropfen des güldenen Hopfengetränkes zu verschütten. Chapeau!

@Thomas Hauser

Hemmungen? Nö!

Naja und dann steht man da halt so normal wie gewohnt mit einem Drink in der Hand vor der Bühne, wartet darauf, dass es losgeht und macht das, was man sonst immer macht: Menschen gucken! Die Kolleg*innen einschlägiger Musikgazetten sind schnell erkannt (Wer sonst läuft mit einem "The Libertines" oder – besonders gewagt – "AnnenMayKantereit"- Jutebeutel auf einem Dark-Wave-Konzert rum?). Bei welchen Barkeeper*innen wir schnell Nachschub bekommen, ist ebenfalls ausgecheckt. Wir sind halt Profis, trotz der langen Corona-Konzertpause.

Und ehrlicherweise haben wir schon nach wenigen Minuten vergessen, dass wir auf Konzertvergnügen dieser Art rund anderthalb Jahre verzichten mussten. Auch das Gefühl, ohne Maske im Menschengedränge zu stehen (wenige Minuten vor Beginn füllt sich der Raum zusehends, einige haben auch schon leicht einen im Kahn...), ist kein schlechtes. Es wird eng. Es wird warm. Es entsteht langsam Unruhe im Publikum, weil die Band auf sich warten lässt. Es gibt Biernachschub, der Kumpel ist nochmals zur Bar. Es geht los. Dark Wave, keine Musik, zu der die Fetzen fliegen. Scheißegal. Hauptsache wieder ungetrübtes, unmaskiertes Konzertvergnügen.

"Nächste Woche spielt Die Höchste Eisenbahn im Festsaal – Bock?". "Klar" sage ich. Hauptsache Normalität.

Das Licht geht schneller an, als wir dachten. Der Raum leert sich, auch wir gehen und entleeren unsere Blase stilgerecht irgendwo am gegenüberliegenden Schlesischen Busch. Es ist Donnerstag, 23 Uhr, und morgen ist ein regulärer Arbeitstag für uns beide. In der Schlesischen Straße fragt mich ein Touri-Clown mit australischem Akzent, wo er Koks kaufen kann. Während ich ihm ein gepflegtes "Fuck off!" erwidere, tritt mein Kumpel mit einem Sixpack Bier aus dem Späti, die Koks-Combo macht sich vom Acker. "Nächste Woche spielt Die Höchste Eisenbahn im Festsaal – Bock?". "Klar" sage ich. Hauptsache Normalität.