Frage am Freitag: Sind Kinder süß oder nervig?

"Wieso, weshalb, warum?" ist in der kollektiven Kindheitserinnerung unserer Redaktion der dauerhafte Lieblingsohrwurm gewesen, Karla Kolumna mit ihren tausend Fragen unser Vorbild. Denn ja: Wir sind wandelnde, redaktionelle Klischees, die es lieben, neugierige Fragezeichen an die Enden ihrer Sätze zu setzen. Jeden Freitag wollen wir ab jetzt ehrliche Antworten zu Themen wie „Sollten alle Menschen vegan werden?“ oder „Was passiert eigentlich in einer Krise?“ bekommen – und das von Menschen, die es wissen sollten. Wir fragen Experten und lassen sie Zusammenhänge erklären.

Aber nicht nur! Weil wir Fragen mindestens genauso gerne beantworten wie wir sie stellen, geben wir auch selbst ehrliche Antworten – zu Fragen, die ans Eingemachte gehen. Habt ihr Fragen, die euch schon ewig im Kopf herum kreisen? Dann schreibt uns an [email protected]! 

Sind Kinder süß oder nervig?

Die Antwort gibt’s in diesem Fall ganz ohne Umschweife: nervig! Ja, Kinder sind nervig – und obwohl die Frage damit auch schon beantwortet ist, bin ich guter Dinge, dass ihr trotzdem weiterlest. Weil „Kinder-Bashing“ in der Regel nur zwei Reaktionen kennt. Entweder: „Endlich sagt’s mal einer.“ Oder: „Wie kann sie nur?“ So oder so, ob Bestätigung oder Aufreger, die Begründung für diese gesellschaftlich verpönte Frechheit wollt ihr euch wahrscheinlich nicht entgehen lassen.

Seltsam eigentlich. Dabei sollte man meinen, dass man spätestens seit Corona niemandem mehr erklären muss, warum Kinder nervig sind. Schließlich hat man ja gesehen, wie fertig Eltern sind, wenn sie ihren Nachwuchs rund um die Uhr um sich haben, ohne dass Kita oder Schule ihnen Schonzeit verschaffen. Steile These: Wahrscheinlich liegt das nicht daran, dass Kinder so süß und pflegeleicht sind.

Wären Kinder WG-Mitbewohner – man hätte sie längst vor die Tür gesetzt.

Aber selbst, wenn wir Corona mal beiseiteschieben, stellt sich die Entwicklung von Kindern für mich nüchtern betrachtet wie folgt dar: Erst liegen sie nur rum, wollen ständig gefüttert werden, quengeln und weinen, ohne den Grund zu verraten, sie sind nicht stubenrein und holen einen mitten in der Nacht aus dem Bett. Und: Sie werfen Erwachsene in ihrer Kommunikation um Lichtjahre zurück, weil die plötzlich nur noch in „Dududada“-Sätzen sprechen.

Sobald die Kleinen dann herausgefunden haben, wie man Arme und Beine richtig benutzt, möchte man den Staatsschutz auf sie ansetzen, weil sie unbeobachtet nicht nur die Bude zerlegen, sondern im schlimmsten Fall auch sich selbst. Sie machen Dreck, helfen aber nicht im Haushalt. Sie gehen mit dem Stift über die teure Danish Design Kommode, kotzen aufs Sofa, zahlen aber keine Miete. Wären Kinder WG-Mitbewohner – man hätte sie längst vor die Tür gesetzt.

Im Freibad neben dem Kinderbecken bekommt der Terror ein Gesicht – oder besser gesagt: viele kleine Gesichter.

Die Anstrengung potenziert sich, sobald Sozialkontakte ins Spiel kommen. Kurz: Noch mehr Kinder – und dann noch nicht mal die eigenen. Klar tut es gut, sich mit anderen Leidensgenoss*Innen aka. Eltern zusammenzutun. Allerdings bedeutet das auch: Doppelt so viel Geschrei, doppelt so viel Unfug im Kopf. Und: Fortan ist man in den Richterstand berufen und muss über schwerwiegende Vergehen urteilen wie „Wer hat wem die Schaufel weggenommen?“, „Warum lässt Jonas die kleine Sophie-Luise nicht mitspielen?“ und „Wer hat wen zuerst geschubst?“.

Den Supergau erlebt man spätestens im Freibad. Wer sich schon mal aus Versehen neben das Kinderbecken gelegt hat, weiß, wovon ich rede. Dort bekommt der Terror ein Gesicht. Oder besser gesagt: Viele kleine Gesichter.

Sobald man eigene Kinder hat, findet man die der anderen oft auch ziemlich nervig.

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen – ganz nach dem Motto: „Kleine Kinder, kleine Sorgen. Große Kinder, große Sorgen.“ Dass eine große Mehrheit Kinder – dessen bin ich mir bewusst – trotzdem süß findet, kann meiner Meinung nach nur zwei Gründe haben. Einer: Es sind nicht die eigenen – man kann sie also wieder abgeben. Das macht jeden Zwergenaufstand weitaus erträglicher und ist wohl auch der Grund, warum Großeltern im Umgang mit ihren Enkeln meist so viel entspannter sind als sie es mit den eigenen Kindern waren.

Der andere: Es sind eben doch die eigenen Kinder. In diesem Fall erledigen Hormone den Rest. Das Kuriose: Sobald man eigene Kinder hat, findet man die der anderen oft auch ziemlich nervig. Weil die dann eben keinen Hormon-Bonus haben und auch das Bedürfnis weg ist, sich den Nachwuchs der Anderen auszuborgen und zu bespaßen. Öffentlich gibt das zwar kaum jemand zu, aber mein Nähkästchen hat schon einige solcher Geständnisse gesammelt. Darum sage ich: Kinder sind nervig! Und das zuzugeben, ist meiner Meinung nach auch gar nicht so schlimm. Denn: Wir lieben sie ja trotzdem, vor allem die eigenen. Am Ende ist es ein bisschen wie mit den Eltern auch: Oft nerven sie wie Hölle, aber ohne sie wären wir nichts.

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