Sonntagsöffnung verboten? Die Berliner Spätis protestieren jetzt

© Svenja Stamme

Zum Sektfrühstück verabredet, aber vergessen Sekt zu kaufen? Keine Milch mehr da für den Kaffee? Blättchen und Filter sind leer und gegen den Kater nach der langen Samstagnacht hilft nur eine eiskalte Mate? Alles halb so wild, denn genau für diese kleinen Hürden des Sonntags gibt es schließlich eine der größten zivilisatorischen Errungenschaften, die das Leben in Berlin so angenehm machen: Spätis. Wenn dich der Rewe um die Ecke im Stich lässt und die Tanke an der nächsten Kreuzung viel zu teuer ist, ist der Spätkauf deines Vertrauens für dich da.

Eigentlich. Denn gemäß dem Ladenöffnungsgesetz dürfen Spätis an Sonntagen gar nicht geöffnet haben. Das dürfen nämlich in der Regel nur Geschäfte mit einem "besonderen Sortiment", wie etwa Blumengeschäfte, Zeitungsläden oder Back-Shops. Auch Tankstellen und Geschäfte in Bahnhöfen dürfen sonntags geöffnet haben.

Für Spätis gilt diese Regelung jedoch nicht: Erst vor einigen Wochen berichtete die Berliner Zeitung, dass Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) das sonntägliche Öffnungsverbot für Spätis in seinem Bezirk verstärkt durchsetzen wolle. Späti-Besitzer, die ihre Läden am Sonntag trotzdem öffnen, laufen Gefahr, ihre Lizenz zu verlieren – viele gehen das Risiko jedoch trotzdem ein, denn am Sonntag machen sie logischerweise jede Menge Umsatz.

Spätis sind nicht nur Zulieferer für kühles Bier, Tabak oder H-Milch – sie sind zentraler Bestandteil der Berliner Kiezkultur

Späti-Betreiber aus diversen Bezirken sehen sich durch das Gesetz benachteiligt und wollen nun dafür demonstrieren, dass die Sonntagsregelung gelockert wird. Am Sonntag, 16. Juni um 13 Uhr startet auf dem Hermannplatz die Demo unter dem Motto "Laden zu – Mund auf". Eine berlinweite Petition zur uneingeschränkten Sonntagsöffnung der Spätis wurde ebenfalls gestartet.

Spätis sind schließlich nicht einfach nur Zulieferer für Bier, Tabak oder H-Milch – sie sind auch zentraler Bestandteil der Berliner Kiezkultur, Nachbarschaftstreffpunkte und Familienbetriebe, die Arbeitsplätze schaffen, betont Alper Baba, Vorsitzender des Vereins "Späti e.V", laut Berliner Zeitung.

In der Diskussion eine Lösung zu finden, mit der alle Seiten zufrieden sind, dürfte jedoch schwierig werden: Sollte das Ladenöffnungsgesetz für Spätis gelockert werden, könnten sich wiederum andere Geschäfte und größere Ketten benachteiligt sehen.

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