French Press, Filter oder Vollautomat: Was deine Kaffeemaschine über dich aussagt

© Irene Coco | Unsplash

Kaffee gehört nach wie vor zu den Lieblingsdrogen unseres Alltags: Macht wach, ist billiger als Koks, aber auch gerade ungesund genug, um sich vom Matcha Latte trinkenden Superfood-Guru abgrenzen zu können. Trotzdem ist Kaffee inzwischen natürlich auch zum Lifestyle-Produkt geworden und wer will, kann wahnsinnig viel Geld für Hafermilch-Cappuccinos in hippen Berliner Cafés ausgeben (haben wir gehört). Der schönste Kaffee ist aber doch der, den man am Sonntagmorgen ausgeschlafen und ganz gemütlich zuhause im Bett oder auf dem Balkon trinkt. Nur wie man den zubereitet, das kann zu einer echten Glaubensfrage werden:

Der Oldschool-Klassiker: Die Espresso-Kanne

Eine schlichte, silberne Espresso-Kanne ist das Herzstück in der Küche eines jeden Koffein-Junkies, der auch nach dem Abendessen um 23 Uhr noch genüsslich seinen Espresso trinkt und sich das braune Gold an manchen Tagen am liebsten intravenös verabreichen würde – wäre da nicht der alles entscheidende Faktor, dass zum Kaffeetrinken für ihn eben auch die feierliche Zubereitung gehört. Die gleicht für Verfechter einer klassischen Moka Express, die vom Italiener Alfonso Bialetti in den 30er Jahren erfunden wurde, einer wahren Zeremonie. Da ist nicht nur die Temperatur der Herdplatte entscheidend, sondern auch die des Wassers, mit dem die Kanne befüllt wird; ganz zu schweigen natürlich vom Mahlgrad des Kaffeepulvers, denn die Bohnen aus äthiopischer Röstung werden zuvor selbstverständlich zuhause frisch von Hand gemahlen. Der Kannenespresso-Trinker braucht einfach diesen Duft der frischen Bohne am Morgen und kann den idealen Mahlgrad mit seinen Fingern erspüren. Da wo andere Menschen den Namen ihrer Exfreundin oder die Geburtsdaten ihrer Kinder tätowiert haben, trägt er eine Moka-Kanne unter der Haut.

© giphy

Keine Emotionen: Der Vollautomat

Oh, bitte. Ist es überhaupt Kaffee trinken, wenn man nur einen Knopf drücken muss und der Crema innerhalb von wenigen Sekunden aus der Maschine geschossen kommt, als hätte er nur darauf gewartet, dass du aufstehst, in die Hände klatschst und "Kaffee, bitte!" rufst? Ja, okay, das klingt schon ziemlich angenehm. Menschen, die sich einen Vollautomaten anschaffen, mögen es möglichst unkompliziert und legen dennoch Wert auf Luxus – so ein Teil kostet ja immerhin auch mehr als eine Monatsmiete für ein frisch saniertes Loft in Mitte. Wenn man dann so dasitzt und seinen Cappuccino aus einer dieser Maschinen trinkt, könnte man fast auf die Idee kommen, dass Kaffee gar kein richtiges Hobby ist – aber dann fällt einem ja zum Glück wieder ein, wie unfassbar umständlich die Wartung von so einem Vollautomaten ist. Ständig blinkt irgendwas und will gereinigt, geleert, ausgetauscht oder sonst wie umsorgt werden. Hallo, du bist ein VOLLAUTOMAT, kannst du dich nicht um dich selbst kümmern?

© giphy

Hauptsache fancy: Die French Press

Wenn jemand eine French Press besitzt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich in seiner Altbauwohnung auch ein teures Rennrad, eine Monstera-Pflanze, ein String-Regal oder ein selbstgebautes Bett aus Europaletten findet. Trotzdem: Kaffee aus einer French Press schmeckt einfach am besten. Aber nicht wegen des Aromas, sondern weil es sich einfach so gut anfühlt, keine Angst haben zu müssen, dass dir und deinem Besuch der Gesprächsstoff ausgeht – schließlich kannst du ihm während des Kaffeetrinkens nochmal ganz ausführlich erzählen, wie sehr es sich gelohnt hat, dir eine French Press zu kaufen.

© giphy

Für Egoisten: Die Kapselmaschine

Wer sich eine Kapselmaschine zulegt, könnte sich auch gleich mit Pelzmantel bekleidet und einem Haufen Plastiktüten, gefüllt mit Discounter-Fleisch und Eiern aus Massentierhaltung, auf die Straße stellen und ganz laut "Ich scheiße auf die Umwelt!" brüllen, bevor er in den nächsten Billigflieger steigt, um nur für einen kurzen Abstecher am Nachmittag nach München zu fliegen. Der Konsum von Kaffee ist an sich schon nicht unbedingt umweltfreundlich, wenn man den Import und den Wasserverbrauch bei der Produktion bedenkt. Aber über 5000 Tonnen Müll in Form von Aluminiumkapseln zu verursachen, nur um den Kaffee nicht in Pulverform in die Maschine füllen zu müssen – muss das im Jahr 2019 echt noch sein?

© giphy

Ganz Basic: Filterkaffee

Wer "Filterkaffee" sagt, muss auch "Großraumbüro", "Konferenz" oder "Kaffeeklatsch bei Oma" sagen. Filterkaffee gab es früher bei den Großeltern zum Kuchen – nur echt mit einem Schuss Kaffeesahne aus der Plastikdose – und ein Versicherungsbüro oder Bürgeramt ohne das Gluckern einer Filterkaffeemaschine im Hintergrund kann sich doch auch kein Mensch vorstellen. Klingt nicht so richtig nach einer verlockenden Alternative für eure hübschen vier Wände? Aber Moment! Die Hipster haben den Filterkaffee in den letzten Jahren für sich wiederentdeckt und ihm ein neues Image verpasst. Die Handfilter-Methode à la Chemex vereint nämlich praktische Kaffeezubereitung UND hübsches Aussehen. Strike!

© giphy
Weiterlesen in Leben
Sags deinen Freunden: