Warum Hasskommentare im Internet der Meinungsfreiheit schaden

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"Ohje, warum liest du denn auch die Kommentare?!", sagte eine Freundin erst vor Kurzem wieder zu mir. Sie spielte damit auf ein Phänomen an, das wahrscheinlich viele kennen, die sich tagtäglich in den Tiefen des Internets herumtreiben: Man verbringt ein paar Minuten in der Kommentarspalte unter einem Artikel oder Facebook-Post – und bekommt sofort schlechte Laune. Dabei ist es fast egal, worum es in dem jeweiligen Post geht, negative Kommentare kommen so gut wie überall vor – und leider häufig eben auch solche, die mit einem kritischen und konstruktiven Austausch recht wenig zu tun haben und oft auch sehr persönlich werden. Dabei berufen sich die Verfasser*innen natürlich gerne auf ihr Recht auf Meinungsfreiheit.

Hassrede im Netz schränkt politische Diskussionen ein

Tatsächlich sorgen solche "Hasskommentare" aber eher für das Gegenteil: Eine Onlinebefragung kam jetzt zu dem Ergebnis, dass die freie Meinungsäußerung im Internet durch die ständige Präsenz von Hasskommentaren eingeschränkt wird. Die Untersuchung, die von dem Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt und vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft ausgewertet wurde, fand heraus, dass viele Menschen aus Angst vor vorurteilsgeleiteten, abwertenden Hasskommentaren davor zurückschrecken, ihre Meinung im Internet kundzutun. Mehr als die Hälfte der befragten Nutzer*innen gab an, sich deshalb selten mit ihrer politischen Meinung in Diskussionen einzubringen.

40 Prozent der Befragten gaben dabei an, Hate Speech im Internet schon einmal wahrgenommen zu haben – bei den Menschen aus der Altersgruppe 18–24 Jahre war der Anteil mit 73 Prozent nochmal wesentlich höher. Befragte mit Migrationshintergrund gaben dabei häufiger an, Hasskommentaren zu begegnen, als diejenigen ohne Migrationshintergrund. Jene, die schon persönlich durch Kommentare im Netz angegriffen wurden, gaben als Auswirkungen dessen unter anderem emotionalen Stress, Ängste, Unruhe und Probleme mit dem Selbstbild bis hin zu Depressionen an.

Wir brauchen eine andere Debattenkultur

In der Zusammenfassung der Befragung heißt es, das Ergebnis verdeutliche, dass "[...] Menschen durch Hassbotschaften systematisch aus Onlinediskussionen vertrieben werden und sich vertreiben lassen, auch wenn sie (noch) nicht persönlich durch Hate Speech angegriffen wurden, sondern diese nur beobachtet haben."

Das zeigt: Wir brauchen eine andere Diskussionskultur. Viele Befragte befürworteten auch, dass Hate Speech im Netz stärker eingedämmt und auch strafrechtlich verfolgt werden sollte. Die Organisation Campact e.V., die die Befragung in Auftrag gegeben hatte, fordert zum Beispiel, dass in jedem Bundesland zentrale Ermittlungsstellen gegen Hassrede im Netz eingerichtet werden und vor allem die (Weiter-)Bildung zu diesem Thema an Schulen verstärkt wird.

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