Warum es auch an Karneval nicht okay ist, sich über Intersexuelle lustig zu machen

© Annik Walter

Der Karneval läuft derzeit auf Hochtouren. Wer heute das Fernsehen einschaltet, wird die Wahl zwischen feiernden Rosenmontagsumzügen und einer Menge mehr oder weniger amüsanten Büttenreden haben, die ohnehin schon seit Tagen über die Bildschirme flimmern. Ab und an mischt sich unter die Redner*innen auch mal ein Politiker oder eine Politikerin. Sich einmal im Jahr zum Kasper zu machen, ist eben "part of the job"! So geschehen am Donnerstag, als die frisch gewählte CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (auch genannt AKK) in einer Karnevalssendung im SWR vor großem Publikum auftrat. Und das nicht ohne Folgen, denn am Wochenende erntete sie in den sozialen Medien einen regelrechten Shitstorm für ihren Auftritt. Was war also passiert?

Am vergangenen Donnerstag wurde AKK vor das sogenannte Stockacher Narrengericht gerufen. Die Tradition besagt, dass zunächst die Vorgeladenen Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen, bevor sie anschließend selbst austeilen dürfen. Das haben vor AKK auch schon hochrangige Politiker*innen wie Angela Merkel, Andrea Nahles oder Frank-Walter Steinmeier über sich ergehen lassen. So weit, so gut. Die CDU-Parteivorsitzende kritisiert in ihrer Rede als allererstes das Narrengericht selbst, das seit fast 700 Jahren nur aus Männern und immer noch keinen Frauen bestehe. Bis hierhin sind noch alle d'accord mit ihrer Kritik. Doch im weiteren Verlauf ihrer Rede leistet sich AKK einen echten Fauxpas, denn sie macht sich über die Berliner und zudem auch noch Intersexuelle lustig.

Der genaue Wortlaut ihrer Rede war folgender: "Guckt euch doch mal die Männer von heute an", und weiter: "Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen?". Und als ob das noch nich genügt hätte, schiebt sie noch einen Spruch hinterher: "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette."

Auch wenn Karneval ist, berechtigt das keine Person dieser Welt dazu, sich auf Kosten von gesellschaftlich benachteiligten Minderheiten lustig zu machen.

Die Kritik folgt in heutigen Zeiten natürlich prompt. AKK wird vorgeworfen, sich in nicht angemessener Weise über das dritte Geschlecht lustig zu machen, das übrigens inzwischen vom Verfassungsgericht anerkannt wurde. Die Kritik an den Äußerungen AKKs ist meiner Meinung nach absolut berechtigt. Denn auch wenn Karneval ist, berechtigt das keine Person dieser Welt dazu, sich auf Kosten von gesellschaftlich benachteiligten Minderheiten lustig zu machen. Das ist geschmacklos und diskriminierend, in diesem Falle allen Intersexuellen und Menschen aus der LGBTQI-Community gegenüber, die für die Anerkennung ihrer Rechte ohnehin täglich kämpfen müssen. Fraglich ist auch, ob die CDU-Parteivorsitzende nicht über Konsequenzen eines solch geschmacklosen Scherzes aufgeklärt wurde? Das ist doch eigentlich fast unvorstellbar im Jahre 2019, wo alles, was ein*e Politiker*in sagt und tut, potentiell Zündstoff für ein Skandal sein kann. Der Karneval ist damit jedenfalls um einen reicher. Auch unser regierender Bürgermeister zeigt sich empört:

Anbei findet ihr den besagten Auftritt als Video und weitere Tweets mit Reaktionen zur Büttenrede von Annegret Kramp-Karrenbauer aka #akkgate. Was ist eure Meinung – könnt ihr die Kritik nachvollziehen oder versteht ihr die ganze Aufregung so gar nicht?

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