Unsere 11 Kunsttipps für den September 2018

Das war ein Sommer, wie er früher einmal war! Selbst in Deutschland sind wir auf ein mediterranes Tempo runtergefahren, forderten drei Monate lang Siesta und das kulturelle Angebot der Stadt wurde zur absoluten Nebensache. Jetzt werden die Socken aber wieder hochgezogen, die Schuhe geschnürt und die Haare geföhnt. Denn das Freizeitprogramm (und wir) darf wieder kultivierter werden.

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© Julian Charrière Berlin Art Week 2018

Die Berlin Art Week ist der Höhepunkt des Berliner Kunstherbst. Zwei Messen, 20 Projekträume, 15 Museen und Ausstellungsräume, 11 private Sammlungen und zwei Kunstvereine machen ihr Programm. Als Highlights gelten die Soloausstellung von Agnieszka Polska am Hamburger Bahnhof, Gewinnerin des Preis der Nationalgalerie, Julian Charriére, Gewinner des diesjährigen GASAG Kunstpreises, in der Berlinischen Galerie und The New Infinity, künstlerische Fulldome-Produktionen in Kooperation der Berliner Festspiele/Immersion mit dem Planetarium Hamburg.

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© art berlin art berlin 2018 am Flughafen Tempelhof

Wie Vieles in Berlin ist auch der Zustand der Kunstmessen eher kompliziert. Eine mauserte sich in den letzten Jahren aber stetig: die art berlin, ehemals abc. Einst das alternative, junge Parallelformat zum seriösen Art Forum, professionalisierte sie sich mit dem Zusammenschluss mit der Art Cologne im letzten Jahr noch weiter. Heute ist die art berlin eine ernstzunehmende Messe, in deren Rahmen circa 110 Galerien aus 16 Ländern ihre vielversprechendsten Talente präsentieren. Es gibt Hoffnung zu sehen, was aus "es ist kompliziert" entstehen kann.

  • Flughafen Tempelhof
  • Columbiadamm 4, 10965 Berlin
  • 27.–30. September 2018, Eröffnung: 27. September, 16–20 Uhr | Freitag und Samstag: 11–9 Uhr, Sonntag: 11–18 Uhr
  • Eintritt: 18 Euro, ermäßigt 12 Euro
  • Mehr Info
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© Alexander Levy Colin Snapp bei Alexander Levy

Colin Snapp ist halb Kunstfotograf, halb forensischer Anthropologe. Mal sind es Collagen, mal Videostills, mal Skulpturen, die seinen Beobachtungen eine Gestalt geben. Immer geht es ihm dabei um die Spannung zwischen dem Natürlichen und dem Inszenierten – inspiriert von seiner Heimat, den USA, die mit ihren Erlebnis-, Nationalparks und -Malls dafür allerlei Stoff bietet.  

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© Julia Stoschek Collection In Talk we trust bei Julia Stoschek Collection*

Die richtige Form der Kunstvermittlung bleibt eine ständige Herausforderung. Werksbeschriftungen fehlen entweder ganz, sind kryptisch oder zu lang. Audioguides isolieren uns vom Außen. Die Julia Stoschek Collection probiert jetzt eine Alternative: Am Samstag, 15. September, plaudern Studierende der Kunstgeschichte mit Interessierten über die Arbeiten von Filmemacher Arthur Jafa, Frida Orupabo und Ming Smith. Auch wer die Ausstellung schon gesehen hat, bekommt so noch mal eine neue Perspektive auf die ohnehin auch mehrfach sehenswerten Videos.

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© Estate of Vivian Maier, Courtesy of Maloof Collection and Howard Greenberg Gallery, NY Vivian Maier im Willy-Brandt-Haus

2007 zwang die prekäre finanzielle Situation das einstige Kindermädchen zur Zwangsversteigerung ihres Besitzes. Niemand ahnte bis dahin, welch Schatz sich in den Schubladen befand. Aus einem Tiefpunkt erwuchs per Zufall etwas Bedeutendes und vor allem post-mortem Ruhm: Vivian Maier, das Kindermädchen, hinterließ 150.000 fotografische Aufnahmen aus den Straßen von Chicago und New York der 50er und 60er, die sie nach ihrem Tod endgültig auf ein Podest mit Fotografinnen wie Diane Arbus erhob.

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© Berlin Art Prize | Why Alix Berlin Art Prize 2018

Der Berlin Art Prize zeigt nun schon im fünften Jahr fantastische Kunst meist noch sehr unbekannter KünstlerInnen. Bei der Auswahl der Nominierten sind weder Name noch Lebenslauf des Künstlers/der Künstlerin bekannt was unter Umständen auf das Qualitätslevel einspielt. Am Ende werden drei davon mit dem Preis der Hauptstadt geehrt und das mit einer Party beschlossen. Dann heißt es eh: Alle waren Sieger, auch wenn einer nur gewinnen kann.

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© Jüdisches Museum James Turrell im Jüdischen Museum

Das Spektakel der leisen Töne. James Turrell führt uns aus dem Hier und Jetzt, er nimmt uns die Orientierung. Seine Lichträume funktionieren, egal wie oft man sie schon gesehen hat, immer wieder als Auszeit und das macht sie so wertvoll. Derzeit residiert eine solche Installation im Garten des Jüdischen Museum. Interessant zu wissen ist, dass im Judentum Licht ein zentrales Symbol für Anfang und Ende ist.

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Sebastian Schmidt, Missiles © KRVT Galerie Sebastian Schmidt bei KRAVT Gallery

Das Machtgebahren zweier megalomaner Herrscher ging gerade noch mal gut aus: Vorerst bleibt es friedlich und die Nuklearwaffen im Keller. Das Wissen um die immanent drohende Gefahr bleibt aber. Sebastian Schmidts Ausstellung „Beyond Visual Range“ hat jene unsichtbare Kriegsführung zum Thema, der Titel steht nämlich für Objekte, die aus dem Sichtradius eines Kampfpiloten verschwinden. Durch die damit von ihnen ausgehende Macht haftet den Geräten eine unglaubliche Faszination an. Die Hochglanzästhetik seiner scheinbar perfekten Raketen-Renderings spielt genau darauf an. 

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© Simon Fujiwara Simon Fujiwara bei Esther Schipper

Mehr noch in digitalen Zeiten leben wir in einem ständigen Spannungsfeld zwischen dem Natürlichem und dem Manipulierten. Simon Fujiwara legt einen Finger in die Wunde, indem er uns die Widersprüchlichkeiten und Absurditäten des menschlichen Daseins vor Augen führt. Sein Porträt des 21. Jahrhunderts malt er mit Pinsel, Video und Materialien im dreidimensionalen Raum. In seiner ersten Soloausstellung bei Esther Schipper bittet er den Besucher sich auf ein Simulator-Erlebnis einzulassen.

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Jumoke Sanwo, Seen Or Not To Be Seen, 2014 Geographies of Imagination bei SAVY Contemporary

Beim "Othering“ handelt es sich um eine Art Abgrenzung des Andersartigen und Fremden. Und das passiert auf vielerlei Ebenen, aber auch und zu oft in der Auseinandersetzung mit anderen Nationalitäten. SAVY Contemporary hat mit BOZAR – Centre of Fine Arts aus Brüssel und Kulturen in Bewegung aus Wien ein mehrschichtiges Event- und Ausstellungsprogramm gestaltet, das mit uns Technologien des Dis-/Othering durch künstlerische Formate und Medien diskutiert.

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© Lena Marie Emrich Archipelago in den Reinbeckhallen

Archipele sind sich ständig bewegende und wandelnde Inselgruppen von unendlicher Diversität. Vergleichbar unterschiedlich sind die 15 Künstlerinnen der Ausstellung "Archipelago", die allesamt für das Goldrausch Künstlerinnenprojekt ausgewählt wurden. Dieses unterstützt seit 1989 Frauen in der Kunst durch Wissenstransfer, hilfreiche Instrumente und mehr Sichtbarkeit. Bei einer Gender Pay Gap von 28% in der Kunstwelt besteht klarer Bedarf. Mit dabei sind unter anderem Samantha Bohatsch, Soline Krug und Lena Marie Emrich.

Titelfoto: © Unsplash | Vincent Tantardini

*Diese Tipps sind gesponsert.

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