Unsere 11 Kunsttipps für den April 2018

April, April, der weiß genau was er will: viel Kunst! Jahr für Jahr drückt mir das Gallery Weekend schonungslos rein, wie unfassbar schnell die Zeit vergeht. Auf der anderen Seite: Es ist wieder so weit! Grund zur Freude! Ende des Monats bietet sich wieder die Gelegenheit, das Beste der Kunst ohne Plan aber mit viel Mensch drumrum zu entdecken. Bis dahin müsst ihr aber nicht stillsitzen. Lest selbst, was es sonst noch im April zu sehen gibt.

1

© Marius Bercea, "Time Can Space", 2018, Ausstellungsansicht, Foto: Trevor Good Marius Bercea bei Blain Southern

Wenn das Leben dir Winter gibt, mal dir den Frühling. Der rumänische Maler Marius Bercea erinnert sich in seinem Studio in Transylvanien an Kalifornien: Er malt sattgrüne Palmen und himmelblaue Swimmingpools aus der Perspektive eines heimlich hinter dem Vorhang hervorlugenden Nachbarn. Ebenfalls von seiner soliden Stätte aus folgt der Maler den Spuren seiner Architekturidole wie Adolf Loos und Rudolf Schindler. Er erforscht ihre Prinzipien und beleuchtet Details. Ein häuslicher Maler mit einem globalen Auge.

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© Wolfgang Tillmans, "Dylan im Pool", 2003 Wolfgang Tillmans bei Videoart at Midnight

Muss man „the Wolfgang“, wie ihn Videoart at Midnight liebevoll nennt, wirklich noch vorstellen? The Wolfgang hat sich als Fotograf des Alltäglichen einen Namen gemacht. Sein Track „Device Control“ schaffte es auf Frank Oceans Album "Endless". Und dass er auch Video kann, seht ihr Freitagnacht in der inzwischen legendären Veranstaltungsreihe im Babylon.

3

© Gallery Weekend Gallery Weekend 2018

Mit dem Gallery Weekend empfehle ich euch eigentlich nur eine Hülle. In diese solltet ihr aber unbedingt schlüpfen und Künstler und Orte auch mal per Zufallsprinzip entdecken. Sucht euch ein, zwei Ballungsorte aus – die Potsdamer Straße ist beispielsweise immer meine erste Adresse – lasst euch treiben und auf dem Weg Tipps der anderen Kunsttouristen geben.

  • Berlin
  • Berlin
  • Freitag, 27. April: 18–21 Uhr, Samstag & Sonntag, 28. & 29. April: 11–19 Uhr
  • Mehr Info
4

Louise Bourgeois, "Peaux de Lapins, Chiffons Ferrailles à Vendre", 2006. Collection The Easton Foundation © The Easton Foundation/VG Bild-Kunst, Foto: Christopher Burke Louise Bourgeois im Schinkel Pavillon

Pionierin der Installation, Wegbereiterin einer feministischen Kunst, Vorbild für Generationen von Künstler*innen – Louise Bourgeois gilt auch nach ihrem Tod 2010 als eine der einflussreichsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Sie reduzierte sich nicht auf ein Medium, sondern produzierte gleichermaßen Skulpturen, Installationen wie auch Malereien. Mit The Empty House widmet der Schinkel Pavillon ihr nun eine Einzelausstellung. Die hier gezeigten sac forms, kurz gesagt: Stoffbeutel, verkörperten für Bourgeois architektonische Entitäten und Repräsentationen des weiblichen Körpers in den verschiedenen Stadien des Werdens und Vergehens. 




5

© Ausstellungsansicht, "Mediaplastic", Artelier Contemporary, Steirischer Herbst, Graz, 2003 Eva & Adele – L'Amour du Risque im me collectors Room

Eva und Adele, das Künstlerduo und Liebespaar, ist eine Art schrilles Pendant zu den eleganten Briten Gilbert & George. Stets gleich gekleidet, auf den Kunstveranstaltungen dieser Welt unterwegs, entzieht sich dieses Liebespaar jeder Rollen- und Geschlechterdefinition. Futuring-Performance nennt sich das Konzept, das Kategorien spielt und neue erfindet. Dass diese sozialen Auftritte nicht ihr gesamtes Werk sind beweist diese Retrospektive.

  • me collectors Room
  • Auguststraße 68, 10117 Berlin
  • 27. April bis 27. August 2018 | 9. Juni, 16 Uhr: Artist Talk mit Eva & Adele | Mittwoch – Montag: 12–18 Uhr
  • Eintritt 8 Euro, ermäßigt 4
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© Sven Johne, "Lieber Wladimir Putin", 2017, Videostill Sven Johne in der Klemm's Galerie

Bei den Pegida-Demonstrationen wurden auch einige russische Fahnen geschwungen. Sven Johne interpretierte dies als eine Russlandfreundlichkeit, die im deutschen Osten historisch bedingt noch immer mehr Anhänger zu finden scheint als sonst wo. Anlässlich des Berliner Herbstsalons im Maxim Gorki Theater thematisierte er diese beobachtete Sehnsucht nach Autorität in seinem Film "Lieber Wladimir Putin“. Ein Rentner, wohnhaft in einem Dresdner Vorort, wendet sich hier mit einer Rede, die er mit Kamera aufzeichnet, an den russischen Präsident. Jetzt trägt Johne dieses Thema weiter.

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© Monika Baer, 2015 Monika Baer in der Galerie Barbara Weiss

Monika Baer musste sich als weibliche Malerin unter anderem gegen den Sexismus männlicher Kollegen durchsetzen; Provokateur Baselitz äußerte noch 2013, Frauen können einfach nicht malen. Baer hat, losgelöst vom eigenen Geschlecht, eine Skepsis gegenüber dieser Disziplin. Sie testet die Oberflächen und Grenzen der Leinwand, schneidet beispielsweise mal die Struktur eines Spinnennetzes hinein und malt Schlüssellöcher auf, durch die man schauen will. Ihre Gemälde haben etwas theatralisches und man möchte die ganze Geschichte kennen. "Wie war die Party?", fragt die Phantasie beim Anblick der leeren Gin-Flaschen und Zigarettenstummel.

8

© Soy Capitan, Klara Hobza Klara Hobza bei Soy Capitán

Wie sehen eigentlich Tiere die Welt? Schlangen sehen Infrarot, Spinnen Ultraviolett. Soweit die Fakten. Aber welches Bild ergibt das? Klara Hobza hat einen Fotoautomaten so umgebaut, dass er Bilder, wie sie die Vierbeiner, Reptilien und Insekten sehen, auswerfen. Die Gelegenheit für den etwas anderen Schnappschuss mit deinen Freunden.

9

© Andreas Greiner Andreas Greiner im Bärenzwinger

Andreas Greiner bzw. seine Arbeiten passen sehr gut in den Bärenzwinger. In der Vergangenheit rettete er Masthahn Heinrich vor seinem elendigen Ende und erhob ihn in der Berlinischen Galerie zur Kunstfigur. Er, ehemaliger Schüler Olafur Eliassons und Medizin-Student, arbeitet wie ein Wissenschaftler: in seinem Atelier befindet sich ernstzunehmendes Laborequipment. Seine Experimente gießt er aber in so schöne und verständliche Form, dass sie einen Platz in Galerien, Museen oder eben Bärenzwingern verdient haben.

10

Franco Mazzucchelli, "Pneuma", 2018, Ausstellungsansicht ChertLüdde, © Foto: Trevor Lloyd
 Franco Mazzucchelli bei ChertLüdde


Don’t touch this! Das nicht zu tun, fällt schwer bei den aufgeblasenen, oft raumgreifenden Skulpturen, mit deren synthetischem Material Mazzucchelli seit den 60ern experimentiert. Er platzierte sie im öffentlichen Raum, wo sie Teil des urbanen Geflechts und des gesellschaftlichen Lebens wurden. Entgegen der Norm des Kunstmarkts durften diese angefasst und bewegt werden. Kunst nicht nur als Deko.

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Yudi Noor, "Skynight without moonlight", 2013. © Foto: Yudi Noor Beyond the Moon im Haus am Lützowplatz

Bevor Galileo Galilei sein Teleskop auf den Mond richtete, galt dieser als Spiegel der Erde und dessen Rückseite als die Entsprechung der dunklen, verborgenen Seite der menschlichen Seele. Hinter das Ich zu schauen ist die Ambition der Gruppenausstellung Beyond the Moon. Traum und Alptraum, Theologie und Philosophie, Gegenwart und Zukunft werden sich hier gegenübergestellt. Kuratiert von Barbara Green und Wayra Schübel von GREEN|GONZALEZ mit internationalen KünsterlInnen wie Dew Kim aus Korea, Catherine Lorent aus Luxemburg und Steve Nietz aus Deutschland.

  • Haus am Lützowplatz
  • Lützowplatz 9, 10785 Berlin
  • Bis 29. April 2018 
| Dienstag – Sonntag: 11–18 Uhr | 14. April, 16 Uhr: Talk & Performance | Wegen Umbaumaßnahmen in der großen Galerie kann die Ausstellung vom 9. bis 25. April nur mit Voranmeldung unter [email protected] besucht werden
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