11 Wege, für trauernde Freunde da zu sein

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Trauer ist wie schlimmer Liebeskummer. Nur mit der bitteren Gewissheit, dass der Mensch, der beweint wird, wirklich nie wieder kommt. Wie gehen wir mit Trauer um? Wie können wir Freunden, die eine wichtige Bezugsperson aus ihrem Leben verloren haben, helfen? Eric Wrede und sein Team von lebensnah bestattungen erklären elf Wege, wie man für Trauernde da sein kann.

1. Nehmt euch Zeit und stellt Fragen

So absurd es klingt, angesichts des Todes werden oft die einfachsten und ehrlichsten Fragen nicht mehr gestellt. Wie geht’s dir gerade? Was fühlst du? Und ja, man braucht Kraft und vor allem Zeit, um die Antworten auszuhalten.
Trauernde müssen reden. Szenen aus dem Krankenhaus, letzte Eindrücke: Die Geschichten werden sich wiederholen. Aber das ist mehr als normal. Das Zuhören kann Angst machen, denn Sterben und alles, was damit zusammenhängt, macht uns nun einmal Angst. Im Gegensatz dazu haben Menschen, die trauern aber auch oft Angst, ihr Umfeld zu nerven. Steuert dagegen an!

2. Nennt den Verstorbenen beim Namen

Nicht irgendjemand ist plötzlich gestorben, sondern ein Mensch mit Namen. Und den sollte man auch benutzen. Ganz bewusst. Niemand wird sich verletzt fühlen, weil man den Namen weiterhin benutzt. Ganz im Gegenteil. Den Namen zu benutzen legt die Basis für Erinnerung und Respekt. Viel zu oft erleben wir, dass vom „Verstorbenen“, dem „Toten" oder gar der „Leiche“ gesprochenen wird. Sprecht immer den Namen aus. Die Person ist für immer in den Herzen eurer Freunde und lebt in den Erinnerungen weiter – und das als der Mensch, den eure Freunde kannten und lieb hatten. Also keine Scheu, der „Verstorbene“ ist und bleibt ein Individuum.

3. Bietet konkrete Hilfe an

Seid konkret und pragmatisch. Nach einem Tod haben Trauernde neben der eigentlichen Trauer so unglaublich viel um die Ohren. Die Beerdigung organisieren, sich um den Nachlass kümmern, das eigene Leben neu ausrichten und natürlich traurig sein. „Soll ich heute Nachmittag auf die Kinder aufpassen?“, „Soll ich dich zum Bestatter oder zum Friedhof begleiten?“ oder „Ich koche uns heute Abend etwas!“ sind hilfreicher, als jedes „Melde dich, wenn was ist!“.

4. Zieht keine Vergleiche

Wir erinnern uns alle nur zu gut, wie hilfreich es war, dass uns während des ersten Liebeskummers gesagt wurde, dass man darüber hinwegkommt. Und zu erzählen, wie lange es jemandem schlecht ging oder auch wie schnell es jemandem wieder gut ging, ist nicht wirklich hilfreich. Das macht natürlich niemand mit böser Absicht, aber was Trauernde so alles zwischen den Zeilen hören und spüren, überrascht uns immer wieder. Also Augen und Herzen auf und lasst Phrasen wie „Bei meiner Oma damals…“ am besten stecken.

5. Sorgt für das gute Gefühl von Normalität und Alltag

Wenn Kinder unter den Trauernden sind, ist es ganz wichtig, dass der normale Lebensalltag erhalten wird. Schule, Hobbys und Freunde. Das schaffen trauernde Eltern in der ersten Phase oft nicht. Hier konkrete Hilfe anzubieten, ist das Beste für die Kinder und auch für Eltern. Ähnlich ist es auch bei Erwachsenen. Normale Sachen, dürfen normal bleiben. Behaltet die Einladung zum Fußballschauen oder Mädelsbrunch aufrecht. Wenn jemand nicht kommt, kommt er eben nicht. Aber aus falscher Vorsicht nicht eingeladen zu werden, ist noch schlimmer. Wer trauert, ist nicht krank.

6. Fühlt die Situation

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Trauer kommt häufig in Wellen. Man muss ein Gefühl dafür bekommen, wann Gespräche angebracht sind. Es kann helfen, Situationen zu erschaffen, gerade im Chaos der ersten Tage. Sich ruhig gemeinsam hinzusetzen, einen Tee zu trinken und Ruhe zu geben. Reagiert auf eure Freunde. Ihr kennt euch doch. Sprechen, schweigen, in den Arm nehmen oder einfach nur nicht allein sein? Vertraut auf euer Bauchgefühl. Es kann länger dauern als sonst, bis sie ihre Gedanken geordnet haben oder Worte finden. Ihr werdet ein Gefühl dafür bekommen, wie ihr euch am besten verhalten könnt.

7. Seid ihr selbst und seid da

Ihr kennt euch und was ihr in schwierigen Situationen braucht. Natürlich ist diese eine ganz Besondere – und vor allem Unbekannte. Deswegen vertraut auf das, was euch auch schon vor dem Verlust zusammen gutgetan hat. Es ist so wichtig, wie auch schwer, sich nicht zu verstellen. Aber so haben eure Freunde einmal mehr etwas, auf das sie sich verlassen können. Seid als ihr selbst da. So gebt ihr eurem Gegenüber das Gefühl, nicht alleingelassen zu werden. Ein ehrliches „Alles ist scheiße“ passt manchmal mehr als ein „Mein Beileid“.

8. Weinen ist erlaubt

Bitte sagt niemals Floskeln wie „Das wird schon wieder“, „Bald ist es besser“, „Die Trauer wird weniger“. Wenn jemand weinen möchte, darf er das. Egal wann, wo und wie lang. Bei extremen Verlusten ist die Rücksicht des Umfeldes häufig groß. Wir beobachten zum Beispiel häufig, dass gerade der Verlust der Eltern immer wieder unterschätzt wird. Von Freunden, von Partnern, aber auch vom sozialen Umfeld.

9. Lachen ist erlaubt

Man kann es nicht oft genug sagen: Auch Trauernde dürfen lachen. Dank einer lustigen Anekdote, die ihnen über den Menschen, den sie verloren haben, einfällt oder einfach, weil jemand von euch schusselig war. Wir erleben immer wieder, dass einige verdutzt schauen, weil gerade die engsten Trauernden plötzlich einen Moment des Humors haben. Es ist wichtig, sich die kleinen Lustigkeiten des Alltags nicht zu verbieten.

10. Akzeptiert die individuelle Trauer

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Jeder Tod ist schlimm und unbegreiflich und man weiß vorher nie, wie man darauf reagiert. Und deswegen gleicht auch keine Trauer der anderen. Manche eurer Freunde werden sich zurückziehen und nicht reden wollen. Andere wiederum gehen einen Schritt nach vorn und suchen den Austausch. Gebt euren Freunden Zeit und zwängt sie nicht in einen Plan nach irgendeinem Trauerschema.

11. Sei sicher, dass es dir selbst dabei gut geht

In Flugzeugen wird gesagt, mal solle sich zuerst die Atemmasken selber überziehen. Das gleiche gilt auch für den Umgang mit Trauernden. Auch wir als Freunde und Bekannte müssen auf uns achten. Denn ich kann nur helfen, wenn es mir selbst gut geht.

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Eric Wrede ist aus seinem alten Beruf ausgestiegen, um seine Idee von einem persönlichen Bestattungsinstitut umzusetzen. Sein Handwerk erlernte er in einem traditionellen Berliner Bestattungshaus. Für die Hinterbliebenen ist er mit der erste Ansprechpartner bei lebensnah und begleitet sie über den gesamten Prozess der Abschiednahmen. Vom ersten Anruf bis zum abschliessenden Gespräch, das mehrere Wochen nach der Beisetzung stattfindet.

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