11 Anzeichen dafür, dass es Zeit ist, aus Berlin wegzuziehen

© Matze Hielscher

Bei den einen kommt der Punkt nach zwei, bei anderen nach fünf oder 15 Jahren: Man hat in Berlin alles gesehen, erlebt, gemacht, die besten Leute gefunden und von allem ein “Lieblings-”: Lieblingsvietnamese, Lieblingskneipe, Lieblingsfahrradstrecke, Lieblingsausblick aus der U-Bahn, wenn sie kurz überirdisch fährt. Ganz zu schweigen von jeder Menge Lieblingsmenschen. Aber irgendwann kommt vielleicht der Moment, da es Zeit ist, Berlin jenen zu überlassen, für die die Stadt noch ein unbeschriebenes Blatt ist. Wer sich in mindestens 5 der 11 Punkte wiederfindet, sollte sich mal ehrlich befragen: Hab ich Berlin durchgespielt? Falls ja: nicht traurig sein. München ist ja auch ganz schön!

1. Du wirst gefragt, ob du auf die Gästeliste möchtest, nicht andersherum.

© Matze Hielscher

Da, wo sich andere oft erfolglos abmühen, einen begehrten Listenplatz zu ergattern, hast du entweder genügend Freunde, die dich automatisch draufsetzen oder kennst dann doch noch jemanden an der Kasse, der dich und deine 9 engsten Freunde heimlich einschleust.

2. Jeden neuen Geheimtipp kommentierst du gähnend mit „Kenn ich schon…“

“Geheimtipps”, pah. Dein Insiderwissen über die Stadt reicht von Spandau bis Rixdorf und wenn irgendwo etwas Spannendes passiert, weißt du es als erstes.

3. Du weißt genau, wo man bar und wo mit Karte bezahlen kann.

Auch du musstest durch diese harte Berliner Schule gehen, aber nun ist dein Wissen unverzichtbar und du gibst es gerne weiter. “Leute, lasst Geld holen, die nehmen dort keine Karte!” – deine Freunde danken dir auf ewig. Und natürlich weißt du auch immer, wo der nächste Bankautomat ist.

4. Du erzählst bei jedem neuen Laden „was da vorher drin war“.

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Du hast schon viele Sommer kommen und gehen sehen in dieser Stadt, auch im turbulenten Einzelhandel. Laden auf, Laden zu, Pop-Up rein, Pop-Up raus, Kunstprojekt, neuer Eigentümer, Gentrifizierung, Schicht im Schacht. Zu fast jedem Straßenzug kannst du solche Geschichten erzählen – nicht ohne dabei ein bisschen zu fluchen, natürlich.

5. Du hast nicht nur eine Stammkneipe, sondern auch einen Stammplatz in der Bahn.

Klar, wer so lange Bahn fährt, kennt irgendwann die Vor- und Nachteile verschiedener Sitz- und Standorte. Ob immer an die Tür gelehnt oder im Vierer außen entgegen der Fahrtrichtung: Du weißt in jedem Transportmittel, wo du am liebsten sitzt und vielleicht hast du deinen Platz auch schon mit einem Kaugummi unter dem Sitz markiert.

6. Auf Partys schaffst du es nie zur Bar, weil du zu viele Leute triffst

Hey, na? Du auch hier? Lange nicht gesehen? Was macht die Kunst? Du, ich wollte dir noch erzählen,... usw. Abende, an denen dir niemand etwas von der Bar mitbringt, sind verloren, denn allein schaffst du es selten durch die Menge an guten und nicht so guten Bekannten, die dir ganz dringend jetzt endlich mal was erzählen müssen.

7. Du hast schon in jeder Clubtoilette deine Spuren hinterlassen.

© Matze Hielscher

Wie genau, ist frei interpretierbar.

8. Deine Wohnung hast du total günstig bekommen, weil damals noch niemand in Berlin wohnen wollte.

Schwer vorzustellen, aber es gab mal eine Zeit, da war Berlin nicht nur arm, sondern auch unsexy. Genau da bist du hergezogen und hast dir einen Mietvertrag von 1996 gesichert, um den dich damals niemand beneidet hat – und der heute Gold wert ist.

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9. Dein Fahrrad wurde schon so oft geklaut, dass du nicht mehr jedes Mal weinst.

Natürlich tut der Hammer auf dem Daumen nicht weniger weh, nur weil man vorher schon fünf Mal draufgehauen hat. Aber irgendwann erträgt man den Schmerz stoisch, regungslos und ohne Wutgeheul auf offener Straße.

10. Alle reden von Berliner Schnauze, du hast eine.

Ob ich das noch erklären muss, hab ich gefragt.

11. Um alte Berliner Freunde zu treffen, musst du mittlerweile nach Hamburg, Köln oder Brandenburg fahren.

Gegen Einsamkeit hilft manchen Tinder, bei dir ist es eine BahnCard50. Dass mittlerweile dein halber Freundeskreis von früher die Stadt verlassen hat, ist zwar anstrengend. Aber irgendwer muss ja die Stellung halten. Noch.

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