Zwei Stunden flanieren in Dahlem

© Kerstin Musl

"Dahlem ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf und zählt zu den wohlhabendsten Gebieten Berlins", teilt mir Wikipedia mit, als ich bei Google nach dem Begriff 'Dahlem Berlin' suche, denn ich habe von diesem Stadtteil wirklich keine Ahnung. Ich fahre mit der Ringbahn bis zum Heidelberger Platz und steige dann in die U3 um. Meine allererste Fahrt mit dieser U-Bahn, seit ich in Berlin wohne. Meine Finger klopfen schon nervös auf meinen Schenkel, vor Aufregung, was mich denn in Dahlem alles so erwarten wird.

In Dahlem-Dorf angekommen, begrüßt mich gleich eine, sagen wir mal, extravagante Sitzbank. Darauf sitzen möchte ich aber irgendwie nicht. Das kleine Bahnhofsgebäude ist blau gefliest und hat ein Schilfrohrdach. Wohlhabend hab ich mir irgendwie anders vorgestellt.

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Auf der anderen Straßenseite wartet das nächste kleine Schilfrohrhäuschen - ein chinesischer Imbiss und links daneben die Domäne Dahlem.

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Das historische Rittergut des ehemaligen Dorfes Dahlem wurde umgebaut zu einem Freilandmuseum und bietet Spaß für große und kleine Besucher. Im ehemaligen Herrenhaus gibt es Ausstellungen zur Landwirtschafts- und Ernährungsgeschichte der Berliner Region und der Bio-Bauernhof hält die Kleinen auf Trab.

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Neben den Hühnern, Schweinen und Enten gibt es auch Werkstätten, wo regelmäßig Kurse angeboten werden oder man den Handwerkern beim Arbeiten über die Schultern schauen kann. Ich kam gerade rechtzeitig zu einem Sommertöpferkurs und ließ mir erklären, dass die rote Farbe in dem Topf, später beim Brennen im Ofen sich Blau färbt, aufgrund des Kupfergehalts in der Farbe.

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Mein Spaziergang bringt mich weiter auf das Uni Gelände. Die Freie Universität hat hier ihren Sitz und dem Wegweiser zufolge hat man das Gefühl, Dahlem besteht zur Hälfte aus studentischen Einrichtungen und Gebäuden.

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Die Freie Universität hat neben ihrem großen Hauptgebäude und der imposantesten Bibliothek, die ich jemals gesehen habe, auch viele einzelne Häuser, die architektonisch sehr interessant sind.

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Die Mensa war fast leer, sowie die Straßen rundherum. Man merkt, dass die Semesterferien schon begonnen haben.

Ich überquere die mehrspurige Hauptstraße, um zur Hittorfstraße 5 zu gelangen. Dort steht die 'Ruine der Künste Berlin'. Leider kann man das Haus nur Sonntags besichtigen und so probiere ich, einen Blick durch den Zaun auf das von den Russen zerbombte Haus zu gelangen.

Dieses Haus hat Wolf Kahlen 1985 vom Land Berlin gekauft und dient nach dem großen Innenumbau als Ausstellungsort für multimedialen Exponate von Kahlen selbst und immer wechselnden Videoinstallationen und Klangskulpturen anderer Künstler wie z.B. von Wojciech Bruszewski. Wolf Kahlen sagte einst selbst über das Haus: „Wir sind das Salz in der Suppe hier“ und er hat wohl ziemlich sicher recht. Auffallen tut das Haus allemal.

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Wenn man auf der Suche nach Ruhe ist, ist man in dem langgezogenen Thielpark genau richtig. Schöne Wege, saftige Wiesen und Teiche laden zu langen Spaziergängen ein.

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Mein letzter Stopp in Dahlem ist die Straße 'Im Dol'. Hier soll eine Villa der nächsten folgen. Ich steige in die U3 am Thielplatz und verlasse an der zweiten Station Podbielskiallee den Waggon. Prachtvolle Bäume bilden meterhohe Alleen, frisch polierte Autos verschönern die Straße und die Villen sind gut hinter hohen Zäunen und Hecken versteckt. Sehen tut man hier niemanden. Nicht im Haus, nicht im Garten, nicht auf der Straße. Auf den Klingelschildern stehen oft nur Initialen. Ich fange heimlich an, mir Namen und Besitzer der Häuser zusammenzureimen.

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Nach minutenlangem ychlendern ohne eine Menschenseele zu treffen, habe ich Glück und begegne zwei Gärtner. Fotografieren darf ich sie nicht, sie machen gerade Kaffeepause, aber ein kleines Tratscherl führen wir. "Hier wohnen viele Leute mit viel Geld. Trotzdem ist kein Geld da, um den Rasen zwischen Gehweg und der Straße zu mähen. Der ist doch viel zu lang!", teilt mir einer von den zwei Gärtnern mit und ich merke, wie es ihn ein bisschen aufregt. Er ist schon in der Pension und verdient sich ein bisschen was dazu, in dem er die Gärten pflegt.

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Der letzte Halt ist der ehemalige Sitz des Amerikanischen Stadtkommandanten, es wirkt wie ein kleines Zauberschloss auf mich – ich warte nur darauf, dass Harry Potter gleich aus der Tür kommt.

Wie ist dieses Dahlem also? Ich finde: wunderschön ruhig und grün. Gefühlt gibt es hier gleich viele Parks und Grünflächen wie bebaute Flächen. Treffen tut man hier, wenn man sich nicht gerade auf dem Uni-Gelände befindet, so gut wie niemanden außer Gärtner und Haushaltskräfte. Die Bewohner der Villen sind entweder nicht da oder gut versteckt. Hier will jeder für sich sein und seine Ruhe haben, die Parks sind wahrscheinlich so sauber, weil sie niemand benützt, weil jeder seinen eigenen wunderschönen Garten besitzt. Bleibt mehr Platz für Besucherinnen wie mich!

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