Wild unterwegs im thailändischen Khwan in Friedrichshain

© Milena Zwerenz

Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich! Wahrscheinlich trifft kaum ein Satz den Kern des Kwahn so gut wie dieser, schließlich muss man hier wegen des Hypes ohne Reservierung schon mal länger auf einen Tisch warten. David Chien und Daniel Lambert, die das Khwan führen, machen die Dinge eben in ihrem Rhythmus. Statt jeden Tag zu kochen, öffnet das Khwan von Mittwoch bis Samstag. Die restlichen Tage wird in der Küche vorbereitet, experimentiert, eingelegt und fermentiert, was das Zeug hält, denn hier kommt nichts aus der Dose oder Packung. Jede Currypaste ist selbst hergestellt, das Huhn meditiert und mariniert zwei Tage und jedes Stück Fleisch wird mit Liebe vorbereitet. Gut Ding will Weile haben und das schmeckt in der Konsequenz ziemlich beeindruckend.

Den "Sesam öffne Dich"-Schlüssel für dieses wilde Food-Abenteuer ist ein Betel-Blatt-Wrap mit Pomelo, Granatapfel, gerösteter Kokosnuss, Erdnuss, Limette, Chili und Tamarind. Was einem da so unschuldig in einem grünen kleinen Paket serviert wird, sorgt für eine Geschmacksexplosion, nach der nichts mehr ist wie zuvor. Weiter geht's dann mit leicht gegrillten, wilden Austern, die mit nam jim, einer typisch thailändischen Chilisoße, serviert werden und ein schönes Raucharoma haben. Das natürliche Salz der Austern ergänzt den Geschmack perfekt. Wer also bei BBQ bisher immer nur an gegrilltes Fleisch gedacht hat, wird bei David und Daniel, die das Feuer fest im Griff haben, eines besseren belehrt oder wie Daniel feststellt: "It has to be about fire AND flavour, that’s the thing most of the people don’t get!"

© Milena Zwerenz
© Milena Zwerenz
© Milena Zwerenz
© Milena Zwerenz

David und Daniel haben gemeinsam schon ordentlich die Berliner Streetfood-Szene aufgemischt, ein eigenes Restaurant war somit die logische Konsequenz für beide. Daniel ist dabei mit seiner getriebenen Faszination für die thailändische Küche das Gehirn hinter den Gerichten, während sich David mit seinem taiwanesischen und südafrikanischen Hintergrund komplett der Kunst des BBQs widmet. Sich mehr Zeit für die Vorbereitung und Gäste nehmen zu können haben sich beide nach ihrer Streetfood-Zeit gewünscht und somit das Khwan auf dem RAW.Gelände eröffnet.

Für uns war das die logische Weiterentwickung unserer Streetfood-Identität. Wir wünschen uns Menschen und Gruppen als Gäste, die Lust und Zeit haben, sich mit dem Essen zu beschäftigen, und das geht beim Streetfood eben nicht immer so intensiv wie an einem ganzen Abend bei uns.
David Chien
© Milena Zwerenz

Ein bisschen punkig und Streetfood-rotzig ist die Attitude im Khwan dann Gott sei Dank immer noch. Im Hintergrund spielen etwas zu laut The Smith, Oasis oder Lou Reed mit “Walk on the wild side” und das passt ziemlich gut, während man das Essen mit den Fingern vom Knochen pult, weil es zu schade wäre, auch nur einen winzigen Teil des unfassbar würzigen BBQ-Chicken mit Lemongrass und Tamarind zurückgehen zu lassen. Wenn man sich also so durch die Karte isst und dabei heimlich immer neidisch schaut, was der Nachbartisch gerade bestellt, gibt es eigentlich nur einen Rat, den wir euch auf den Weg geben können: Bestellt alles!

Um Futterneid zu vermeiden, solltet ihr Zeit mitbringen und das "Full Banquet Menu" bestellen. Dabei bekommt ihr das gesamte Menü. Jedes der Gerichte ist darauf ausgelegt, geteilt zu werden, auch wenn man die super zarte Lammhaxe mit Honig und Koriander gerne aufs Blut verteidigen und für sich behalten würde. Mit den passenden Cocktails (sehr zu empfehlen der Grasoon Nuah mit Bourbon, der perfekt zu den Grillaromen passt) könnt ihr euch dann auch gleich den Ausflug in den Club sparen, das Underground-Club-Gefühl wird praktischerweise direkt mit den fermentierten Spare Ribs serviert.

© Milena Zwerenz
© Milena Zwerenz

Mit dem Khwan haben die beiden auch ihr Berliner Food-Netzwerk perfekt eingebunden. Neben den Austern von Küstlichkeiten aus der Markthalle Neun sind die "smoked sausages" nach Khwan-Rezeptur vom The Sausage Man Never Sleeps hergestellt. Jedes Gericht schmeckt nach Liebe. Insgesamt ist ein Abend im Khwan ein bisschen so, wie sich Hals über Kopf beim ersten Date zu verlieben. Man wollte eigentlich nur schauen, wie man sich so versteht, ist dann aber plötzlich so auf der gleichen Wellenlänge, dass man richtig viel Tequila bestellen muss, um die Nacht zum Tag zu machen und plötzlich in einem fremden Bett aufzuwachen, in dem es ziemlich gemütlich ist. Und weil verlieben in Restaurants und Gerichte immer eine gute Sache ist, macht man aus dem Khwan-One-Night-Stand dann am besten eine richtig schöne romantische Affaire. Langweilig wird es hier auf jeden Fall nie.

© Milena Zwerenz
© Milena Zwerenz

Unbedingt probieren: Ähm? ALLES! Aber uns hat wirklich das zwei Tage marinierte BBQ-Hähnchen umgehauen.

Veggie: Weil im Khwan sehr viel mit Fischsaucen gekocht wird, habt ihr es als Vegetarier hier leider nicht so leicht. Wenn ihr nett fragt, zaubert euch das Küchenteam trotzdem was Gemüsiges auf den Tisch. Am besten meldet ihr das vorher aber an.

Preise: Das gesamte Menü für 4 Personen bekommt ihr für 79 Euro. Die Einzelnen Gerichte liegen zwischen 4,50 (Austern) und 10 Euro.

Beste Zeit: Abends am Wochenende, der perfekte Ort, um sich aufs Feiern einzustimmen und um eurem Date zu zeigen, dass ihr kulinarisch ganz schön wild unterwegs seid.

Khwan | Revaler Straße 99, 10245 Berlin | Mittwoch & Donnerstag: 18–22, Freitag & Samstag: 18–00 Uhr | Mehr Info

Wir wurden vom Restaurant eingeladen. Das beeinflusst aber nicht unsere ehrliche Meinung.

Weiterlesen in Food

Entdecke die besten Restaurants, Bars und Plätze in deiner Nähe.

Zur neuen Karte!