Wie ihr in Berlin trotz gültigen Tickets zu Schwarzfahrern werden könntet

© Kerstin Musl

Wer schon mal am Fahrkartenautomaten angestanden und deshalb die gerade ankommende S- oder U-Bahn verpasst hat, ist jedes Mal wieder für die Handyticket-App dankbar. Mit ihnen kann man ganz bequem seine Fahrkarte kaufen, spart Papiermüll und kann direkt in den nächsten Wagon springen – so zumindest der Gedanke.

Auch Jakob Wais bezahlte sein S-Bahn-Ticket neulich am Flughafen Schönefeld über das Smartphone. Als wenige Augenblicke später ein Kontrolleur vor ihm stand, sagte dieser ihm, dass sein Ticket nicht gültig sei.

Den Brief, den er daraufhin an die Berliner S-Bahn schrieb, postete Jakob auf Twitter: "Nachdem ich am Bahngleis des S-Bahnhofs Flughafen Schönefeld über die App der BVG einen gültigen Fahrschein (Einzelfahrschein ABC) löste und daraufhin um 19.12 Uhr die S9 bestieg, kam es gegen 19.15 Uhr zu einer Fahrscheinkontrolle. Selbstverständlich zeigte ich dem Kontrolleur sofort mein Ticket zur Kontrolle, wurde daraufhin aber vom Kontrolleur in aggressiver Weise belehrt, dass mein Ticket nicht gültig sei, da ich es nicht mindestens zwei Minuten vor Fahrtantritt gekauft habe." Jakob schreibt weiter, ihm sei eine solche Regelung allerdings nicht bekannt und ließe sich in den Beförderungsbedingungen der S-Bahn auch nicht finden.

Als er mit dem Kontrolleur zu diskutieren begann, zog ihn dieser zur Seite und versuchte die Situation mehr schlecht als recht zu lösen. Er erklärte Jakob, dass er keine Wahl hätte, als den Bußgeldbescheid zu akzeptieren. Er würde aber aus Kulanz einen Vermerk im System machen, in dem stehe, dass das Handyticket zum Zeitpunkt der Kontrolle nicht geladen gewesen sei. So müsse Jakob nur 7 Euro zahlen, wenn er sich an diese Version der Ereignisse halte. "Da dieses Verhalten auf mich betrügerisch wirkte, habe ich diesem Angebot des Kontrolleurs nicht entsprochen." Er bat die S-Bahn Berlin, den Sachverhalt aufzuklären, da er einen gültigen Fahrausweis besessen habe.

Schneller als die App erlaubt?

In ihrer umgehenden Antwort erklärte die Bahn, den Sinn der Zwei-Minuten-Regel. Sie solle verhindern, dass sich Fahrgäste ihr Ticket erst kaufen, wenn ein Kontrolleur in der Nähe sei. Laut Tagesspiegel wendet auch die BVG diese Regelung an. Sprecherin Petra Reetz erklärte, die Kontrolleure seien aber angehalten, kulant zu sein, sofern sie nicht gerade beobachteten, wie jemand im U-Bahn-Wagen noch schnell sein Ticket übers Handy buche.

Wer etwas sucht, findet auch auf der VBB-Website eine kleine Erklärung zum 2-Minuten-Zähler: „Der 2-Minuten-Zähler ist ein kleiner Countdown auf dem Handyticket, oben rechts in der Ecke.“ Mit ihm solle das Kontrollpersonal den Kaufzeitpunkt nachvollziehen können. Die Gültigkeit des gekauften Handytickets sei aber von dem Countdown des 2-Minuten-Zählers unabhängig, steht allerdings ebenfalls.

Ein Blick in die Tarifinformationen des VBB sorgt auch nicht für mehr Klarheit. Dort heißt es: "Das Handyticket gilt, soweit es nicht mit einem genauen Geltungszeitraum versehen ist, zum sofortigen Fahrtantritt." Puh.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte in Zukunft wohl lieber zwei Minütchen mehr einplanen. Im Fall von Jakob hat sich die Bahn aus der ganzen Geschichte herausgeredet (irgendwas von Darstellungsproblemen der Fahrkarte), sich aber schließlich "aus Kulanz" entschieden, den Vorgang einzustellen.

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