Wenn ein Russe Italienisch kocht: Das Mine / Wine in Charlottenburg

© Daliah Hoffmann

Wer in Berlin auf der Suche nach einem wirklich guten und zugleich schönen Italiener ist, hat es nicht leicht. Jenseits der italienischen Grenze richtig gut Italienisch zu essen, ist ja fast schon ein Widerspruch in sich selbst. Ein Glas Wein, hausgemachte Pasta, die simpelste Tomatensoße und Dolci, für die es sicher sterben lohnt. Nirgends schmeckt es so gut wie im Süden. Seit Anfang des Jahres gibt es nun auch bei uns ein Restaurant, in dem ich mein Italienfernweh in Rotwein, Pasta, Trüffelbutter und Tiramisu ertränke – das Mine / Wine.

Um eins von vornherein klarzustellen: Das Mine / Wine ist kein klassischer Italiener, so will das Restaurant in einer Seitenstraße des Ku'damms auch gar nicht gesehen werden. In der Küche hat ein Russe das Wort, Küchenchef und Restaurantbesitzer Mikhail Mnatsakanov. Da fängt es schon an. Ein italienisches Restaurant mit einem russischen Koch?! Ja und soll ich euch was sagen? Ich habe lange nicht so gut Italienisch gegessen.

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Die „cucina italiana“ hat es uns Deutschen angetan, aber auch der ein oder andere Russe ist der Mentalität und Küche Italiens verfallen. Einer davon ist Mikhails Vater, Aram Mnatsakanov, der so etwas wie der russische Jamie Oliver ist. Der bekannte Gastronom mit armenischen Wurzeln fing nach der Wende an, Weine aus Italien nach Russland zu importieren. Aus seiner Leidenschaft machte er ein Geschäft; 2001 eröffnete er die erste Weinbar in St. Peterburg. Heute gehören ihm fünf Restaurants und Weinbars in St. Petersburg und Moskau „und das Mine / Wine in Berlin, das wir zusammen betreiben“, erzählt Mikhail.

Das Restaurant in Charlottenburg ist, im Gegensatz zum herbstlichen Wetter, bunt, warm und einladend. Dunkelgrüne Marmor- und Holztische, Pop-Art-Fliesen, für die man schwindelfrei sein sollte, roughe weiße Backsteinwände, Vintagespiegel und samtbezogene Bänke – das Interieur ist hochwertig und edel, wirkt dabei aber weder steif noch altbacken. "Wir wollen ein Restaurant sein, in dem es egal ist, ob du casual angezogen bist oder gerade aus dem Theater kommst. Jeder Gast soll sich bei uns wohlfühlen", erklärt Mikhail. "Charlottenburg braucht solche Restaurants" und da kann ich dem Koch, der an der Pariser Kochschule Ferrandi gelernt hat, nur zustimmen. Jung und professionell, gehoben und trotzdem casual – das passt zu Berlin.

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Aber jetzt zu den wirklich wichtigen Dingen, dem Essen! Die Küche im Mine / Wine ist sehr produktbezogen. Klare Geschmäcker, auf den Punkt genaue Kombinationen und bei jedem Gericht eine individuelle Note. "Unsere Küche ist nicht zu kompliziert", sagt Mikhail. Kompliziert nicht, dafür aber sehr gut und richtig lecker.   Das Vitello Tonnato wird durch dünnes Thunfisch-Sashimi ergänzt, dazu rote Zwiebeln. Meine Begleitung, eigentlich kein großer Fan von Ceviche, inhaliert die Portion mit roten Garnelen, Daikon und Ingwer-Eis.

Als Zwischengang werden uns die Tortelli mit Burrata und Trüffel empfohlen. Es ist Liebe auf den ersten Biss! Während ich gedanklich noch voll und ganz bei der Pasta bin, kommen auch schon die Hauptgerichte: Der Oktopus mit knusprig-gebratenem Sironi-Brot und Tomatensugo mit Petersilie und die Lammkoteletts alla griglia auf pannengerührten Maiskörnern. Auch hier gibt es nicht zu meckern, Fleisch und Oktopus sind zart und die Beilagen passen perfekt. Obwohl da kaum noch Platz ist, will uns das Team nicht ohne Nachtisch gehen lassen. Wir entscheiden uns für das etwas ausgefallenere, nicht unbedingt italienische Dessert, die luftige Meringue mit Mango- und Passionsfruchtfüllung. Der Abend endet mit einem fruchtigen Knall und wird auf jeden Fall nicht unsere letzter Besuch im Mine / Wine sein.

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Unbedingt probieren: Den Prosecco, das Vitello Tonnato und die Tortelli mit Burratafüllung, Butter und gehobeltem Trüffel (18 Euro).

Veggie: Vegetarisch geht, vegan sollte man vorab nachfragen.

Mit wem gehst du hin: Weinliebhabern, Feinschmeckern, den Liebsten und Westberlin-Kritikern.

Besonderheit des Ladens: Die kleine Weinbar nebenan.

Lärmfaktor: Unaufdringlich und tolle Musik. Die Playlist brauchen wir.

Preise: Vorspeisen und Salate kosten zwischen 12 und 16 Euro, Pasta (Zwischengang) zwischen 15 und 26 Euro, Hauptgerichte zwischen 22 und 30 Euro. Der Brotkorb mit dem hausgemachten Sauerteigbrot kostet extra.

MINE / WINE | Meinekestraße 10, 10719 Berlin | Montag – Sonntag: 17.30–00 Uhr | Mehr Info

Wir wurden vom Restaurant eingeladen. Das beeinflusst aber nicht unsere ehrliche Meinung.

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