Vulvinchen: Eine Berlinerin macht Schmuck mit einer wichtigen Botschaft

© Vulvinchen

„Ist das eine Muschel?“ – „Nee, eine Muschi!“ – diesen Satz hat Agnieszka Malach schon oft gesagt, wenn Leute ihre Halskette bemerken. Die 31-Jährige, die als Sexualpädagogin in Berlin arbeitet, entwirft nämlich unter dem Namen VULVINCHEN Anhänger in Form einer, richtig, Vulva. Die verkauft sie seit zwei Jahren in ihrem Dawanda-Shop mit wachsendem Erfolg. Die kleinen Unikate fertigt sie zu Hause an ihrem Schreibtisch in liebevoller Handarbeit – so ist keine Vulva ist wie die andere, genau wie im echten Leben auch. Zusätzlich zu den Anhängern, die um den Hals oder auch als Ohrring getragen werden können, gibt es auch Sticker mit schönen Botschaften wie "Feminismus fotzt", Buttons und Postkarten.

Wie man auf die Idee kommt, Schmuck aus Vulvas zu machen und was Agis Botschaft dahinter ist, haben wir einfach direkt mal gefragt.

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Wie hast du deinen Eltern erklärt, was du da machst?
Erklären musste ich da nichts. Ich hab meiner Mutter die Kette und das Logo gezeigt, ihr von der Idee erzählt und sie war sofort begeistert. Zu Vulvinchens erstem Geburtstag hat meine Mutter sogar einen Kuchen in Form einer Vulva gebacken – ich glaube mehr Unterstützung und Wertschätzung kann man sich nicht wünschen. Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt, aber ich vermute, er wäre peinlich berührt.

Und wie reagiert dein Umfeld?
Meine Freunde wissen, was ich berufliche mache und finden Vulvinchen toll – sie sind wohl meine beste und liebste „laufende Werbung“, wofür ich ihnen echt dankbar bin. Es gibt aber auch Menschen, die irritiert, gar angeekelt sind, wenn ich die Kette trage oder sie das Vulvinchen-Motiv sehen. Die meisten erkennen ganz offensichtlich eine Vulva darin, aber schämen sich, es anzusprechen. Dann kommt oft die Frage: „Ist das eine Muschel?“ – „Nee, eine Muschi!“ antworte ich dann. Auch gibt es Anfeindungen und Hasskommentare im Internet – die meisten regen sich darüber auf, warum es keine Penisse gibt und ich nur über Muschis rede. Vielleicht sollte ich an dem Punkt nochmal klarstellen, dass ich durch die Präsenz und Sichtbarkeit der Vulva Menschen mit Penissen nicht diskriminieren will.

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Welche Botschaft steckt hinter Vulvinchen?
Bei meiner Arbeit als Sexualpädagogin treffe ich oft auf Menschen, die sich schämen, weil ihre Vulva zum Beispiel nicht aussieht, wie die, die sie aus Pornos kennen. Es hat sich mittlerweile ein Intimschönheitsideal herausgebildet, welches verunsichernd wirken kann. Deshalb möchte ich mit meinen Produkten in den verschiedensten Farben und Formen bewusst machen, dass jede Vulva anders und schön ist. Oftmals haben Menschen auch kein Wort für ihre Vulva – es scheint immer noch ein großes Tabu zu sein, darüber zu sprechen als auch sich dem eigenen Körper lust- und liebevoll hinzuwenden. Vulvinchen soll Gedanken und Gespräche zu genau diesen Themen anregen, die Vulva in der Gesellschaft sichtbarer machen, enttabuisieren und in einen positiven Kontext setzen. Viva la Vulva!

Wer trägt typischerweise deinen Schmuck?
Da ich mittlerweile über das Portal Dawanda verkaufe, habe ich leider nicht mehr so viel persönlichen Kontakt zu den Käufer*innen. Es gibt allerdings Menschen, die ganz konkret schreiben, dass ihnen meine Botschaft am Herzen liegt und der Anhänger ihnen viel bedeutet. Die Bestellungen kommen z.B. von Hebammen, die werdenden Müttern Vulvinchen schenken oder Menschen aus der queer-feministischen Szene. Viele kaufen die Sticker und Postkarten einfach, weil sie sie lustig finden. Es gibt aber auch sehr schöne Geschichten, die ich höre – eine Frau weit über 60 kaufte mal zwei Ketten bei mir, um sie ihrer Lebensgefährtin, mit der sie schon seit 40 Jahren zusammen ist, zu schenken.

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Planst du, noch weitere primäre oder sekundäre Geschlechtsmerkmale in Schmuck zu verwandeln?
Bisher gibt es noch keine Pläne in die Richtung. Aber es gibt ja schon tolle Künstler*innen, die sich vielfältigen Körperformen widmen. Vulvinchen ist eine Art Spielwiese für mich, wo meine Ideen, Gedanken und Visionen Platz finden und wo sich vieles entwickeln kann. Ich bin selbst auch gespannt, wohin es geht – aber eins kann ist verraten: Es wird bald wieder neue Stickermotive geben.

Vielen Dank, liebe Agi!

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