Die 7 Wochen nach einer Trennung: Wie man den größten Liebeskummer seines Lebens überlebt

© Xavier Sotomayor | Unsplash

von Sophia Hembeck

Es ist also vorbei. Man hat sich ein letztes Mal umarmt, gerade wütend eine WhatsApp-Nachricht geschrieben, die hässlichen Baseballkappen aus dem Fenster geschmissen, geschworen, dass man nie wieder anrufen wird, den Internetrouter abmontiert (das war eh meiner!), Tinder installiert, sich eine neue Wohnung gesucht, gerade aufgelegt, Tinder deinstalliert, den „Neuen“ auf Twitter gestalked, seinen Instagramaccount gelöscht (den hatte man ja nur wegen dem Anderen), Tinder wieder neu installiert, zum letzten Mal „Kannst du noch vorbei kommen?“ gefragt, die Fotos in eine Kiste gepackt, Tinder deinstalliert (jetzt wirklich!) und eingeatmet und gedacht: Jetzt. Jetzt ist es wirklich vorbei.

Leider sind Menschen keine Laptops, die man einfach zuklappen kann.

Vor 6 Wochen sagte mir mein damaliger Freund am Telefon, dass er mich wieder betrogen hat und es dieses Mal kein „Ausrutscher“ gewesen sei, sondern ganz bewusst und das würde aber nichts an seiner Liebe ändern und den Rest erspare ich euch, weil da nur noch mehr Bullshit kam. Im Grunde sollte man jede Person sofort ausschalten, nach dem sie gesagt hat, dass sie sich trennen will. Einfach muten. Leider sind Menschen keine Laptops, die man einfach zuklappen kann.

Woche 1: 60 Dinge, die mir gut tun

Natürlich ist jetzt wohl der schwierigste Zeitpunkt an irgendetwas anderes zu denken als an Rache, die Leere die man in sich hat und/oder den Anderen und was er wohl gerade macht. Das Gute an obsessivem Nachdenken ist, man kann es die ganze Zeit tun, das Schlechte, dass man eben nichts anderes mehr macht.

Und genau deshalb stellte ich mir einen Tag nach der Trennung die Aufgabe: 60 Dinge aufzuschreiben, die mir gut tun und/ oder die ich schon lange machen wollte. 60 Dinge? Das ist aber viel. - Ist es nicht! Es sollten einem immer mindestens 60 Dinge einfallen, die einem gut tun. Be fucking creative. Angefangen bei Schokolade. Aufgehört beim Lächeln. Wenn man wirklich darüber nachdenkt, was einem gut tut und man nicht zu kritisch hinterfragt, weil Schokolade, ja auch schlecht sein kann, wenn zu viel blablabla. Alles was einem gut tut, kann einem auch weh tun. Wie die Liebe. Haha. Schreib 60 Dinge auf. Los!

Woche 2: Hallo, ich wollte nur mal fragen, wie es dir so geht?

Entweder man ist selbst die Person, die so unschuldig anruft oder man wird angerufen. So oder so. Will man natürlich immer mehr. Sidenote: Ich bin ein großer Freund von „Ich blockiere alle Kanäle. Ich lösche SMS-Verläufe, Anrufprotokolle, jeden Screenshot, den ich von Nachrichten von dir gemacht habe, denn da ist deine Nummer auch zu sehen. Twitter, Facebook, Instagram, Email. Alles.“ Ich denke nicht, dass es irgendwem dabei hilft über jemanden hinwegzukommen, wenn man ständig Statusupdates liest oder die Instastory anguckt vom neuen tollen Leben ohne einen. Oder die traurigen „Was hab ich bloß getan?“-Tweets, die einem das Herz umdrehen und man am liebsten sofort losrennen möchte, weil man doch für einander bestimmt ist und das ist offensichtlich eine direkte Aufforderung, dass er/sie alles bereut.

Manche Menschen brauchen einen offenen Sarg, um zu sehen, dass die Beziehung wirklich tot ist. Man sollte nur darauf achten, dass man nicht mitbeerdigt wird.

Aber – ja, es gibt ein aber – manchmal muss man nochmal reden. Gefühle rauslassen, Fragen stellen. Das kann helfen, auch wenn es meistens nur darum geht, sich dann daran zu erinnern, warum Schluss ist. Und das ist okay. Manchmal ist eine Trennung auch so abrupt, dass man tatsächlich einfach noch mal anrufen muss, nur um sicher zu gehen, ob man sich die andere Person und die Beziehung nicht einfach eingebildet hat. Kann ja sein. Jedoch: Man sollte das nicht zu oft tun, weil man sich damit eigentlich nur selbst verletzt. Und die Trennung immer wieder aufs Neue durchlebt. Manche Menschen brauchen einen offenen Sarg, um zu sehen, dass die Beziehung wirklich tot ist. Man sollte nur darauf achten, dass man nicht mitbeerdigt wird.

Woche 3: Rein ins nächste „Was auch immer“

Naja nicht ganz. Drei Wochen nach einer Trennung ist es gut, mal wieder um die Häuser zu ziehen oder Tinder zu installieren oder beides, voraussichtlich ist jetzt gerade aber noch kein wirklich guter Zeitpunkt, um irgendetwas mit irgendwem anzufangen. So ein Ego kann nach einer Trennung ganz schön angekratzt sein und plötzlich lässt man sich von jemanden auf einen Drink einladen, für den man null Anziehung hat, man aber sehr glücklich über die Aufmerksamkeit ist. (Endlich wieder!) Man ist eben auf Entzug und sollte sich darüber bewusst sein. Deshalb wichtige Frage, bevor man irgendwelche Taxis betritt: Würde ich diese Person unter normalen Umständen kennen lernen und mit ihr Sex haben wollen? Oder will ich lieber tanzen und betrunken mit meinen Leuten nach Hause torkeln?

Woche 4: Ich bin drüber hinweg und starte mein Leben neu!

Ein neuer Haarschnitt? Haarfarbe? Piercing? Tattoo? Bleiben wir vielleicht lieber bei den Haaren. Die werden auf jeden Fall wieder so aussehen können wie vorher. Alles andere sollte man sich vorher gut überlegt haben. Ich hab mir einen Tag nach meiner letzten Trennung ein Nasenpiercing stechen lassen. Zugegeben sehr schnell entschieden. Aber ich hatte auch schon vorher mal eins gehabt, wollte es eh wieder und nahm das als Anlass, einfach alle Dinge zu tun, die ich eh schon lange machen wollte (siehe die 60-Dinge-Liste). Zum Beispiel ein Auto mieten und ans Meer fahren. Dinge, die man bisher, warum auch immer, nicht gemacht hat. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt.

Woche 5: Rückfälle

Man hat Tinder wieder deinstalliert, weil „WHAT IS THE POINT ANYWAY?“ und liegt betrunken nach einem Abend in der Bar zu der einsamsten Stunde der Nacht, halbzwei oder so, im Bett. Oh was ist denn da? Ein Telefon. Was macht das denn plötzlich in meiner Hand? Ah ja. Da kann man Menschen mit anrufen. Kommunizieren. Hmh. Das muss doch genutzt werden. Und hier, da, in dieser einen WhatsApp-Nachricht, da hat man doch mal ein Gespräch gescreenshottet und... „Hey…“ Man war so gut gewesen. Bis jetzt. Vier Wochen lang hat man sich auf sich konzentriert, reflektiert, nicht angerufen, nur noch die nötigen Dinge geklärt und jetzt liegt man in seinem Delirium und kriegt die selben Antworten auf Fragen, die man nicht gestellt hat. Kann ja sein, dass sich etwas geändert hat. Kann ja sein. Und dann wacht man am nächsten Morgen auf und weiß: natürlich nicht. Wenn überhaupt, hat es sich nur noch mehr manifestiert.

Aber keine Sorge. Niemand zählt mit, wie oft wer nach einer Trennung wen angerufen hat, wer wie oft welche Nachrichten ignoriert oder wer wen zuerst blockiert hat. Niemand zählt, wer wie schnell wieder jemand Neues hatte oder wie viel Sex. Niemand gewinnt eine Trennung – und wenn dann natürlich wir, logisch. Das Einzige, was man gewinnt, ist die Freiheit, jemanden zu finden, der einen wirklich liebt. Und das ist wohl der beste Preis, den man bekommen kann.

Woche 6: Ich bin das Problem und deshalb werde ich nie wieder jemanden finden!

Alles ist eigentlich deine Schuld, du bist nicht liebenswert und das hat schon seinen Grund, warum bisher keine Beziehung gehalten hat. Willkommen am beschissensten Punkt nach einer Trennung: das Loch. Manche sind vielleicht zu recht dort, die meisten aber nicht. Plötzlich erinnert man sich an all die Momente, die man unfair war, gemein, rücksichtslos, zu fordernd, zu einengend, zu nachlässig. Und diese Momente sind selbstverständlich alle der Grund, weshalb man nicht liebenswert ist und nie wieder jemanden finden wird. Was auch immer passiert ist, ob man nun wirklich der große Oberwichser war oder voll "psycho" oder eigentlich völlig unverdient verarscht oder ganz normal mit einem Schluss gemacht wurde. Es ist egal. Die Beziehung ist zu Ende. Es gibt nichts mehr zu gewinnen und vor allem nichts mehr zu verlieren. Niemandem hilft es, wenn man sich die ganze Zeit selbst fertig macht. Geh in dich, erkenne deine Fehler, sei ehrlich und sei barmherzig. Nimm sie an und gelobe Besserung. Oder anders gesagt: Mach die gleiche Scheiße nicht noch mal und alles wird gut. Zumindest anders.

Woche 7: "Walk out the door, you’re not welcome anymore!"

Bevor man dem anderen wirklich verzeihen kann, muss man zuerst einmal sich selbst verzeihen. Verzeihen bedeutet hier nicht, dass man das gut findet, was der andere oder man selbst getan hat. Verzeihen bedeutet hier einfach zu sagen: Es ist vorbei. Man schließt ab. Man muss dem anderen auch kein Glück wünschen, wenn es sich falsch anfühlt. Wenn es sich noch lange nach Rache anfühlt, dann werfe ich mit dir ein paar hässliche Dinge aus dem Fenster. Aber irgendwann, wenn es nur noch die Geste ist, die große Wut vorbei und die Ruhe in einem selbst wieder einkehrt (und das wird passieren: I promise!), dann kann es auch ganz schön sein, die Hass-Nachricht, die man mit Edding ans Whiteboard geschrieben hat, selbst wieder zu entfernen und zu sehen: Es ist zu Ende. Und es ist besser so.

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