Die schlimmste Postfiliale Berlins? – Auf den Spuren Bushidos in Lichterfelde

© Sandra Wulkow

"In der Postfiliale Hindenburgdamm 1 12203 Berlin herrschen unfassbare Zustände. Service und Freundlichkeit liegen im Minusbereich!!!"

Das sind die harten Worte des BAMBI-Integrationsbeauftragten und Aquaristik-Ladenbesitzers Bushido. Des Mannes mit den sanften Augen. Der sich dazu bekennt, die AfD zu wählen und dessen Twitter-Profilbild nahe legt, wie er sich die Zweistaatenlösung im Nahen Osten vorstellt: Palästina den Palästinensern und die Israelis sollen selbst sehen, wo sie bleiben – irgendein äthiopischer Berg oder ein hübsches Viertel in Warschau werden schon frei sein.

Was konnte ihn derart verärgern? Ist die Post in Lichterfelde so ein hartes Pflaster? Besorgt mach ich mich auf den Weg zum Hindenburgdamm. Auf der Drakestraße ist gerade die Schule zu Ende. Gutgekleidete Teenager sammeln sich an den Bushaltestellen und albern herum. Nichts deutet auf das Unrecht hin, das sich hier vor Kurzem ereignet hat.

© Clint Lukas

Wie werden die DHL-Wüstlinge mich erst behandeln, wenn sie nicht mal davor zurück schrecken, Bushido an den Karren zu fahren?

Vor allem eines bereitet mir Sorge: Wie werden die DHL-Wüstlinge mich erst behandeln, wenn sie nicht mal davor zurück schrecken, Bushido an den Karren zu fahren? Diesem Menschenfreund, dessen Immobilienfirma Berliner Wohnungen erwirbt, um sie teurer weiter zu verkaufen. Der mit Bonmots wie „Nur schwule Hurensöhne tragen Makeup“ und „Scheiß drauf, ob die Fotze weint“ stets um Versöhnung bemüht war?

Von außen wirkt die Postfiliale wie jede andere. Unscheinbar, harmlos geradezu. Doch gleich am Eingang der erste Schock: Niemand hält mir die Tür auf. Kein Lakai in Livree, kein Securitas-Mensch, ich meine NIEMAND!!! Okay, ist auch eine automatische Schiebetür. Aber was ist das bitte für ein Signal an mich als Kunden? Armes Deutschland.

Die Verunsicherung im Kiez ist seitdem sehr groß.

Im Inneren dann eine Schlange vor den drei geöffneten Schaltern. Die Gesichter der Wartenden wirken angespannt. Wird man ihnen ihr Paket ohne Beschimpfungen aushändigen? Können sie den Packen Umschläge kaufen, ohne gedemütigt zu werden? Im Flüsterton spreche ich die Frau vor mir an.

„Haben Sie auch schon davon gehört?“
Ihrem bestürzten Gesichtsausdruck nach zu urteilen hat sie.
„Die Verunsicherung im Kiez ist seitdem sehr groß“, sagt sie. „Ich meine, man liest ja immer von solchen Sachen. Aber dass das hier passiert, bei uns, das hätte niemand erwartet.“
„Wissen Sie denn, was passiert ist?“
„Nichts Genaues.“

Im Inneren der Postfiliale Hindenburgdamm. © Clint Lukas

Eine andere Frau mischt sich ein: „Mein Nachbar sagt, der Herr Bushido wollte ein Paket abholen.“ Sie schaut sich um, ob niemand der Postangestellten zuhört. „Aber die haben es ihm nicht gegeben. Nur weil er seinen Ausweis und den Abholschein nicht dabei hatte.“

Wir zelebrieren ein kurzes gemeinsames Kopfschütteln, dann sind wir schon an der Reihe. Es geht hier erstaunlich schnell voran. Ja klar, denk ich. Jetzt einen auf kompetent machen.

„Eine Zehn-Cent-Briefmarke, bitte“, sag ich.
„Sonst noch einen Wunsch?“, fragt die Postfrau mit gespielter Freundlichkeit.
„Nein!“, schreie ich.
„Das macht dann zehn Cent.“

Verärgert über den Wucher knalle ich einen 500 Euro-Schein auf den Tisch.

„Darauf darf ich leider nicht rausgeben“, sagt sie.
„Kleiner hab ich’s nicht.“
„Dann nehmen Sie die Marke halt so mit.“

Ich stürme mit meiner Beute nach draußen. Wo soll das alles noch hinführen? Wenn man sich schon von irgendwelchen Post-A*** so respektlos behandeln lassen muss? Ich kann vor Ärger kaum atmen.

Kurze Wartezeit, freundliche Angestellte, funktionierende Geldautomaten. Wirklich unfassbare Zustände.

Bushido hat allen Grund sich über die Servicewüste am Hindenburgdamm zu beschweren. Kurze Wartezeit, freundliche Angestellte, funktionierende Geldautomaten. Wirklich unfassbare Zustände. Es spricht sogar für ihn, dass er sich dabei so gewählt ausgedrückt hat. Er ist eben ein Gentleman alter Schule. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er zurzeit auf Bewährung ist.

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