Am Wochenende haben Anwohner gegen die Schließung der Bäckerei Filou in Kreuzberg protestiert

© Theo Rio

Die Anwohner rund um die Reichenberger Straße schienen sich schon fast mit der fortschreitenden Gentrifizierung in ihrem Kiez abgefunden zu haben, doch jetzt geht es ihnen an die heiligen Schrippen. Am Sonntag kamen rund 300 Menschen zur Demo gegen die Schließung der Bäckerei Filou, deren Mietvertrag vor Kurzem gekündigt bzw. nicht verlängert wurde, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Mittlerweile nichts Besonderes mehr, aber der Grund der Kündigung sei der Neubau direkt nebenan, indem sich ausschließlich gehobene Ferienapartments sowie das hauptsächlich vegane Café und Restaurant Vertikal befinden. Angeblich hatte der Eigentümer der Bäckerei angeboten, den Vertrag zu verlängern, wenn der Besitzer nicht mehr nur Aufbackware, sondern selbstgemachte Ware verkaufen und damit besser zu dem neuen Gewerbe nebenan passen würde. Das sei nun aber endgültig vom Tisch.

In solchen Aussagen wie die des Eigentümers liegt der Kern des Problems: Die Leute in der Umgebung haben nicht nur das Gefühl, dass ihnen die "Geschäfte des Alltags" genommen und sie selbst verdrängt werden. Auch wird ihnen indirekt vorgeschrieben, was sie essen sollen. Aufbackware hin oder her, den Menschen im Kiez schmeckt es, der Betreiber und seine Familie sind sehr beliebt und die Solidarität ist dementsprechend groß.

Solidarität mit der Aufbäckerei

Ich selbst wohne direkt um die Ecke und habe letztens ein Foto von der "Aufbäckerei" mit einem Hinweis auf die Schließung bei Facebook gepostet. In einer wütenden Mail beschwerte sich die Betreiberin des Vertikal (über das wir übrigens erst letztens berichteten) über angebliche falsche und "alternative" Informationen. Klar, dass mittlerweile auch auf der anderen Seite die Nerven blankliegen, denn die Betreiberin wird in den sozialen Netzwerken heftig beschimpft.

Die Fronten sind also ziemlich verhärtet, aber trotzdem finde ich es persönlich gut, wenn nicht immer alles einfach hingenommen, sondern stattdessen friedlich protestiert wird. Trotzdem, so wie es aussieht ist im Juni Schluss mit Schrippen, denn rechtlich gesehen kann das Filou nichts gegen die Schließung machen. Aber bei den Menschen im Kiez wird mal wieder das Gefühl der Ungerechtigkeit bleiben.

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