So erreicht man ein Ziel, an das man selbst nicht glaubt

Sich ein Ziel stecken, dass von der eigenen Vorstellungskraft als unrealistisch eingestuft wird, ist eine erfolgreiche Methode von Technologie-Konzernen. Google-Chef Larry Page steht für das 10x Denkmodell. Hier geht darum, durch eine Zielsetzung, Kräfte frei zu setzen, um über sich selbst hinaus zu wachsen. Google hat in ihren x-Laboren bewiesen, dass das funktioniert. Ein Produkt daraus ist das Android-Telefon.

Wenn man sich als Nicht-Läufer vornimmt, einen richtigen Marathon zu laufen, dann ist das vergleichbar mit den scheinbar unmöglichen Visionen aus dem Silicon Valley. 42 Kilometer? Wie soll man das körperlich und auch mental schaffen? Dina Schiller ist 23 Jahre alt, bisher nie mehr als 10 Kilometer gelaufen und hat sich dennoch für den Berliner Marathon angemeldet. Ihre einfache Erklärung: "Mein Inneres sagt mir, dass ich es probieren muss."

In den kommenden Wochen wird sie zusammen mit 20 anderen Frauen in der RUNBASE Berlin auf den Marathon hin trainieren – hier bekommt der urbane Läufer alles, was er braucht. Er kann sich nicht nur zu einem gemeinsamen Lauf verabreden, es gibt einen Medizincheck, Ernährungsberatung, die Möglichkeit, die passende Laufkleidung zu finden, Kurse, bis die Laufmuskeln schmerzen, und gesundes Essen in der "Lab Kitchen". Auf der Facebook-Seite der RUNBASE könnt ihr euch über das Kursangebot und die Möglichkeiten informieren und natürlich teilnehmen.

Verantwortlich für das Marathon-Trainingsprogramm ist Kathi Hoffmann. Sie ist Team-Manager der adidas-Runners und nennt sich selbst einen Kamikaze-Läufer. Nach eigenen Angaben kann sie keine Liegestütze und überzeugt wahrscheinlich eher dadurch, dass man ihr nicht zutraut, dass sie einen Marathon schaffen würde. Sie sagt: "Ich habe das Gefühl, dass Leute bei mir eher denken, ach, wenn die das kann, dann schaffe ich das auch. Was mich freut." Bisher ist sie 3 Marathons und einen Ultra-Marathon gelaufen.

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Wir haben uns mit Dina (auf dem Bild rechts) und Kathi in der RUNBASE Berlin getroffen und über die Herausforderung gesprochen, ein unmöglich scheinendes Ziel zu erreichen.

Dina, du hast dich für deinen ersten Marathon angemeldet, obwohl du noch gar nicht läufst. Wie ist es dazu gekommen?
Dina: Ich arbeite mit Kathi zusammen bei adidas und sie hat mir von dem Marathon-Projekt erzählt. Ich bin kein Läufer und habe dafür auch keine Leidenschaft. Wenn ich bisher gelaufen bin, dann waren es eher fünf Kilometer, danach hat es mir gereicht. Wie ich die 42 Kilometer schaffen soll, ist mir unbegreiflich. Ich verstehe nicht, wie ich meinen Kopf ausschalten soll und demotiviere mich irgendwann nur noch selbst. Ich glaube aber, dass wenn ich es schaffen will, es nur durch so ein intensiv betreutes Programm wie in der RUNBASE geht.

Kathi: Für die meisten ist ein Marathon außerhalb der Reichweite, aber alle wissen, was es bedeutet. Wenn man sich so etwas vornimmt, darauf hinarbeitet und es am Ende geschafft hat, dann ändert sich die Sicht auch auf alle anderen Dinge, von denen man vorher überzeugt war, dass sie unschaffbar sind.

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Dina: Ich bin gerade der absoluten Überzeugung, dass ich es nicht schaffen werde. Durch die Gruppe wird es vermutlich leichter, oder?

Kathi: Definitiv. Gerade bei den langen Läufen hilft es gegen die Langeweile und man motiviert sich gegenseitig. Nach ein paar gemeinsamen Läufen finden sich Leute zusammen, die vom Tempo her zusammen passen und sich natürlich menschlich verstehen. Ich habe vor ein paar Jahren eine Lauf-Community mit gegründet. Als ich durch eine Knieverletzung eine Weile nicht mitlaufen konnte, bin ich trotzdem zum Training und bin mit dem Fahrrad mitgefahren. Weil ich meine Gang vermisst habe.

Dina: Was findest du am schwierigsten beim Laufen?

Kathi: Eigentlich ist jeder Sonntagmorgen schwierig – wenn meine Familie noch schläft und ich aufstehen muss. Bei den langen Läufen macht mir alles bis 20 Kilometer Spaß, danach finde ich es total anstrengend. Dann ist es wichtig, an das Ziel zu denken. Hier hilft auch eine Gruppe, mit der man zusammen laufen kann.

Dina: Hat man abends nicht eine bessere Kondition?

Kathi: Das ist von Typ zu Typ unterschiedlich. Ich zum Beispiel gehe lieber abends um 20 Uhr laufen, mit dem Sonntagmorgen hat sich jetzt halt so ergeben. Aber dafür gibt es dann auch in der RUNBASE Laufgruppen zu unterschiedlichen Zeiten, an die man sich anschließen kann.

Ich finde, etwas anzufangen und dran zu bleiben, ist genauso schwer, wie mit einer schlechten Angewohnheit aufzuhören. Wenn man mit dem Rauchen aufhören will gibt es tausend Ratgeber, Hypnose und Pflaster. Wie schafft man es, dabei zu bleiben?

Kathi: Man muss sich etwas vornehmen, was einem kein Schlupfloch lässt. Ein Beispiel: Ich mache im Dezember Adventsläufe, weil man in diesem Monat am wenigsten läuft. Ich nehme mir vor, vom 1. bis zum 24.12. jeden Tag eine halbe Stunde zu laufen. Das funktioniert besser, weil man sich nicht die Frage stellt, ob man heute Laufen geht oder nicht. Man muss einfach. Ich zum Beispiel mache das dann auch schon mal morgens um 6 Uhr, dann habe ich den Tag schon mal abgehakt. Ich war früher Freiberufler und habe direkt meine Sportklamotten angezogen und mich an den Schreibtisch gesetzt und gearbeitet. Wenn man einmal die Sportklamotten an hat, dann zieht man sie auch nicht einfach aus, ohne Sport zu machen. Da ist das schlechte Gewissen zu groß.

Sport die beste Ausrede für Alles.

Dina: Wie fing das bei dir mit den Marathons an, du bist ja sogar schon einen Ultra-Marathon gelaufen?

Kathi: Ich sollte für einen Freund eine Running-App testen. Mit der App habe ich auf einen 10 Kilometer-Lauf trainiert, den ich dann auch gelaufen bin. Danach hat jemand in meiner Laufgruppe gefragt, wer denn Lust hätte einen Halbmarathon zu laufen und ohne groß darüber nachzudenken, habe ich ja gesagt. Ein bisschen so wie jetzt bei dir. Das Gleiche ist dann noch einmal beim Marathon passiert. Durch die Gruppe habe ich mich getraut, da mitzumachen.

Dina: Was ich noch gar nicht weiß, wie ich das Laufen in meinen Alltag zwischen Arbeit, meinem Freund und Freunde treffen integrieren soll.

Kathi: Das Gute am Laufen ist ja, dass du nichts brauchst und einfach loslaufen kannst, wann immer du willst. Du musst dich nicht verabreden, brauchst nicht irgendwo hinfahren – du musst es nur machen. Dazu ist Sport die beste Ausrede für alles, denn natürlich hat niemand was dagegen, wenn man etwas Gesundes macht.

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Kathi, du arbeitest bei den adidas Runners mit Männern und Frauen. Welchen Unterschied beobachtest du in der Herangehensweise?
Kathi: Frauen haben öfters einen genauen Trainingsplan und halten sich daran. Sie sind eher vorsichtig und trauen sich nicht viel zu. Männer sagen schneller: "Das kann ich." Mein Mann ist nach mir einen Marathon gelaufen und wollte natürlich nicht schlechter als ich laufen. Er ist viel zu schnell los, hat Krämpfe bekommen, sich fast übergeben, ich habe mich genau an meine Trainingszeit gehalten, bei den letzten Kilometern gemerkt, dass ich noch Reserven habe und bin dann schneller gelaufen. Am Ende hatten wir gleiche Zeit von 3 Stunden 40. Ich denke, dass Frauen belastungsfähiger in der Ausdauer sind. Frauen könnten theoretisch mehr trainieren als Männer und am Ende können sie das Gleiche erreichen.

Die Trainingsgruppe für den Marathon besteht nur aus Mädchen. Warum ist das so?
Kathi: Ich habe oft gesehen, dass Frauen gerade in Gruppen ganz schüchtern mit solchen Herausforderungen beginnen, sich aber durch so ein Training immer mehr aufrichten und nach vorn rücken. Die Frauenbeteiligung beim Berlin-Marathon liegt unter 25 Prozent. Die erste Frau ist erst vor 50 Jahren einen Marathon gelaufen. Damals war es verboten, weil man nicht geglaubt hat, dass eine Frau so etwas schaffen kann.

Dina: Warum hören Leute auf oder gehen am Marathontag nicht hin?

Kathi: Ich kenne Sportler, die sich wochenlang vorbereiten aber ihrem eigenen Druck nicht stand halten. Es hilft definitiv, wenn man in der Gruppe läuft und gemeinsam hingeht. Eine Zielzeit muss man am Anfang gar nicht haben, bei vielen entwickelt sich das auch beim Training. Beim Lauf selbst empfehle ich, seine Geschwindigkeit zu kontrollieren, damit man nicht zu schnell losläuft und am Ende die Kraft nicht reicht. 

Dina: Ich finde Läufer ja auch ein bisschen uncool. Wenn die mit ihren zu engen Tights und Neonshirts laufen und ihre Pulsuhren auch in der Freizeit tragen. Wird man durch das Laufen nicht total spießig?

Kathi: Das Bild der nerdigen Läufer ändert sich ja gerade. Die besten und wildesten Partys der letzten Jahre, waren die nach den Marathons. Laufen gibt die Möglichkeit eben nicht mit den Lastern aufzuhören. Ich kann durch das Laufen so viel Trinken und Essen, wie ich will und ich bin trotzdem fit.


Wenn ihr Feuer gefangen habt und selbst bei einem Marathon teilnehmen und die intensive Betreuung der RUNBASE Berlin nutzen wollt, dann schreibt an [email protected]. Wir verlosen einen Startplatz für den Berlin Marathon. Wenn ihr etwas "Kleiner" anfangen wollt, dann könnt ihr das nach diesem 10k Plan machen. 

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Auf der Facebook-Seite der RUNBASE Berlin könnt ihr euch über das Kursangebot und die Möglichkeiten informieren und natürlich teilnehmen. Wir werden uns in ein paar Monaten noch einmal mit Dina treffen und schauen, wie es ihr geht. Bis dahin stellen wir euch Schlüsselfiguren rund um die RUNBASE Berlin vor. Beim nächsten Mal zeigt uns Lisa Müller in der LabKitchen, wie man das leckerste Avocado-Toast macht. 

 

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