Tanzen ohne Rausch – Auf der Sober Sensation gibt es frische Säfte statt Cocktails

© Gili Shani

Ein guter Rausch gehört in Berlin zum Feiern einfach dazu, oder? Ich denke, jede und jeder sollte genau so feiern, wie er oder sie möchte, persönlich fühle mich aber so ganz „sober“ in der Berliner Partyszene oftmals etwas fehl am Platz. Deswegen war mir, als ich von der Party "Sober Sensation" erfuhr, sofort klar: Das muss ich ausprobieren. Eine Party komplett ohne Alkohol und Drogen, die bereits um 19 Uhr startet – für mich die Erfüllung eines lang gehegten Traumes.

Die Veranstalter der „Sober Sensation“ haben es sich zum Ziel gesetzt, eine Alternative für Menschen zu schaffen, die gesundheitsbewusst leben, viel arbeiten müssen und sich einen Kater nicht erlauben können. Leute, für die verrauchte Bars keine Option sind oder die, wie ich, "verrückt" genug sind, nüchtern zu feiern. Die Party am 14. Dezember 2016 war der Auftakt für eine neue Partyreihe. Geplant ist, dass die Party einmal im Monat an einem Mittwoch in wechselnden Locations stattfindet.

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Den Eingang zur Location (die Räumlichkeiten gehören zum Berliner Kaballah Center) markiert ein roter Faden, der von der Einfahrt durchs Treppenhaus zur Party führt. Anstelle von Türstehern werden wir von Menschen in weißen Arztkitteln empfangen. Das medizinische Fachpersonal entscheidet, ob wir nüchtern genug sind für die Sober Sensation. Beim Betreten der Räume bin ich zunächst etwas eingeschüchtert. Der weiße Raum und die ersten Gäste wirken sehr stylisch. Eigentlich nicht das Klientel oder das Ambiente, mit dem ich mich beim Feiern für gewöhnlich umgebe.

Doch beim Erkunden wird schnell klar: Hier haben sich fleißige Menschen wirklich etwas gedacht. Alles ist detailreich dekoriert und das Konzept scheint gut durchdacht. Das Motto des Abends bezüglich der Deko ist offensichtlich: „Auf Wolken schweben“.

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Auf der oberen Ebene gibt es zwei Bars. An der einen kann man frisch gepresste Säfte, an der anderen Limonaden und alkoholfreies Bier bekommen. Im Tausch gegen die Währung Muscheln und Holzstücke.

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Ein paar Menschen in ausgefallenen und extravaganten Kostümen lockern die Stimmung sofort auf und bringen mich zusammen mit der Musik direkt in Partystimmung.

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An einem kleinen Stand im Eingangsbereich kann man sich mit Glitzer verzieren lassen oder auch Kostüme leihen.

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Ein paar Minuten später bin ich eine Glitzerkatze. Auf Socken.

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Denn in der Einladung wurde darum gebeten, die Schuhe an der Garderobe abzugeben. Dafür kann man ein Paar Socken bekommen. Schade nur, dass nicht alle das mitmachen wollen und ihre Schuhe anbehalten. Mit der Zeit füllt es sich langsam. Das Publikum ist eine interessante Mischung aus Besuchern von After-Work-Partys und sonntäglichen After-Hour-Veranstaltungen. Die bunten Heliumluftballons und der Glitzer brechen das edle Weiß des Raums auf.

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Ich folge den gewohnten Ritualen. Umschauen. Getränk holen. Tanzfläche erobern. Mit einer Limo in der Hand.

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Stündlich legt ein anderer DJ auf. Für mich als Nicht-Elektro-Hörerin ist der Unterschied zwischen den DJs nicht hörbar genug. Und der fortwährend sehr ähnliche Beat langweilt mich nach einiger Zeit.

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Auf den gemütlichen Sofas auf der oberen Ebene kann man aber auch gut rumhängen und ein bisschen quatschen, oder die anderen beim Feiern und Tanzen beobachten.

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Ich frage mich: Ist die Stimmung hier genauso entspannt, wie bei jeder anderen Veranstaltung? Spüre ich einen Unterschied? Ich fühle mich auf jeden Fall sehr wohl. Die Stimmung ist ausgelassen, aber nicht überdreht. Der größte Unterschied für mich: Ich habe das Gefühl, wir müssen hier nicht besonders cool sein, sondern können einfach genauso feiern, wie wir uns fühlen.

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Gegen 23 Uhr breche ich auf. Schlafenszeit. Die Party geht im Anschluss noch ein bisschen weiter. So verpasse ich den Saxophonisten, schade. Ich glaube das hätte mir gut gefallen. Sieht so aus, als müsste ich wiederkommen. Ein Termin für das nächste Event steht noch nicht fest, wird aber auf der Facebook-Seite bekannt gegeben.

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