Instagrammer Jeisson Martin macht unglaubliche Fotos von Berlin

Was Jeisson Martins Eltern von seinem Hobby halten, wissen wir nicht. Jeisson ist Hobbyfotograf. Aber keiner, der die Blumen in seinem Garten mit Makro-Objektiv ablichtet und das Bild anschließend mit "Das Leben ist schön" betitelt. Jeissons Motiv ist Berlin. Er fotografiert eigentlich gewöhnliche Orte aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Dafür steigt der 22-Jährige in U-Bahn-Tunnel, klettert auf Dächer, schleicht sich in verlassene Gebäude. Nicht ganz legal, aber das vergisst man nur zu gern, wenn man seine Fotos anschaut. Auf Instagram folgen im über 30.000 Menschen. Wir sind kurz stehengeblieben und haben ihn zu seiner Urban-Exploring-Fotografie befragt.

Wo und was hast du zuletzt fotografiert?
Zuletzt hab ich eine Straße in Neukölln fotografiert, eher unspektakulär, aber alleine in der letzten Woche bin ich auf insgesamt sieben verschiedene neue Dächer gestiegen. Eins davon war besonders spannend, die Baustelle am Washingtonplatz mit 23 Stockwerken.

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Nach welchen Kriterien suchst du deine Fotospots aus und wie findest du sie?
Meine Fotospots wähle ich zwar spontan, aber immer gewissenhaft aus. Ich liebe Spots in Kreuzberg, auf denen die Hochbahn, die Skyline wie auch die Roughness des Viertels im Bild weiter getragen werden, genauso faszinieren mich S-Bahn- und U-Bahn-Tunnel. Es ist ein Gefühl, das man sonst nicht kennt. Diese Anspannung, die Geräusche, noch dazu meistens verdammt fotogen, schon alleine durch den Fluchtpunkt.

Mir schreiben fast täglich Leute, ob mir bekannt oder auch völlig unbekannt, die wollen, dass ich sie auf ein Dach oder sogar in einen U-Bahn-Tunnel mitnehme. Vergessen wird dabei aber, dass hinter einem Foto gerne auch mal ein ganzer Tag steht, an dem wir nach einem zugänglichem Dach suchen, das gut wirkt. Bei guten Freunden und manchen Instagrammern mach' ich natürlich Ausnahmen. Aber für die anderen gilt: Wenn die ein Dach wollen, dann sollen sie auch suchen.

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Wie lange im Voraus planst du deine Ausflüge?
Ich plane meine Dachtouren eigentlich nicht wirklich, packe einfach zuhause Kamera, Stativ und mein Zeug zusammen. Bei Tunneln sieht das schon anders aus, dann muss man sich den Ort genauer anschauen und dann abwägen, ob das passt oder eben nicht.

Wer kommt mit zum Fotografieren?
Begleiten tun mich meine Instaboys, meistens mit dabei der Franz (@franz.becker), aber auch Robert (@lastexporer), manchmal auch meine Freundin Marisa (@Marisahampe) und dann eben gelegentlich auch mal wer anders.

Du bist viel an verbotenen Orten unterwegs. Musstest du eine Fotomission auch schon mal abbrechen, weil du erwischt wurdest?
Dadurch, dass ja die meisten meiner Fotos bei Hausfriendsbruch oder Ähnlichem entstehen, muss ich natürlich ständig auf der Hut sein. Nicht selten sehe ich dann ein Polizeiauto unten rumfahren, bin dann aber meistens schnell genug, um mich nicht erwischen zulassen. Auch in einem S-Bahn-Tunnel sind mir schon mal zwei Bahnangestellte hinterhergelaufen, die hatten es lustigerweise nicht besonders eilig, und so sind wir im normalem Tempo einfach rausgelaufen.

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Welche gesetzlichen und räumlichen Grenzen würdest selbst du nicht überwinden?
Gesetzliche Grenzen sind schwierig, ich würde jetzt nichts mutwillig zerstören oder kaputtmachen und auch keine fremden Leute in Gefahr bringen, aber das sind eher ethische als rechtliche Grenzen, die ich mir da setzte.

Welche Fotografen inspirieren dich?
Dadurch, dass ich seit zwei Jahren durch Instagram viel in Kontakt mit amerikanischen Fotografen stehe, kann man hier von einem gegenseitigem Inspirieren sprechen. Viele davon sind mittlerweile über 100.000 Follower groß!

Was machst du eigentlich im wahren Leben?
Im echten Leben, so neben Instagram, studiere ich im 5. Semester Kommunikationsdesign an der HTW, habe zwischendurch in einer Werbeagentur gearbeitet und versuche jetzt außerhalb von Instagram an Fotojobs zu kommen. Ein ganz normaler Typ eigentlich.

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Danke für das Interview, Jeisson. Auf YouTube findet ihr ihn übrigens hier.


Fotos: © Jeisson Martin

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