Gratis-Download "Die Räuber" REMIXED: Schillers Meisterwerk als Hörspiel – mit Bernd von den Beatsteaks und Friedrich Liechtenstein

Das letzte mal "Die Räuber" gab es bei mir im Deutsch-Abitur, damals habe ich Schillers Meisterwerk am See gelesen und die Hälfte der Geschichte verpasst, weil das Wasser einfach zu schön und verlockend war. Vielleicht ist es jetzt also die perfekte Zeit, Schiller und den Räubern eine neue Chance zu geben, dieses Mal allerdings als Hörspiel und somit wesentlich Seetauglicher.

Die Aufführung des Stücks sorgte bei der Uraufführung 1782 übrigens für tumultartige Zustände in deutschen Theatern, weil der junge Schiller die Gesellschaft selbst in Frage stellte. Nun gibt es also eine Neubearbeitung von Carolin-Therese Wolff, die das Stück für Audible mit Bernd von den Beatsteaks, Jupiter Jones, Celina Bostic, Den Ohrboten, Anna R. und Friedrich Liechtenstein entstaubt und neu aufgenommen hat.

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 Das Hörspiel könnt ihr euch hier kostenlos anhören.

Für alle, die damals auch lieber im See geschwommen sind, als sich mit Schiller rumzuschlagen, hier eine kurze Auffrischung: Schiller inszeniert in seinem Drama einen Bruderstreit zwischen dem vom Vater geschätzten Bruder Karl und seinem hinterhältigen Bruder Franz Moor, die beide um die Gunst und das Erbe ihres Vaters kämpfen. Wo es bei Schiller schließlich epische drei Stunden um Familiendrama und Räuberbandenleben geht, sind die Räuber in der aktuellen Version im Berlin von heute unterwegs. An Aktualität verliert das Stück dabei aber trotzdem nicht, die Fragen "Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Und was will ich?" hat sich wahrscheinlich seit 1782 für alle Menschen nicht großartig verändert. Es ergibt also durchaus Sinn, das Drama ins Berlin der Gegenwart zu verlagern, denn Freiheitssehnsucht, Bruderrivalität, der Kampf ums nackte Überleben und um die große Liebe gibt es genauso in Neukölln wie damals bei Schiller.

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Wir haben uns mit Friedrich Liechtenstein und Bernd Kurzke von den Beatsteaks, der im Hörspiel in einer Nebenrolle den Kommissar spricht, über die Räuber unterhalten und darüber gesprochen, warum das Stück heute noch so aktuell wie damals ist.

Fühlt es sich als Teil der Beatsteaks an, wie ein Räuber zu sein? Ist man der Band mit seinem Leben verpflichtet?

Bernd: Wir klauen und morden zwar nicht, aber etwas Piratenmäßiges hat es schon, in einer Band zu spielen. Der Band ist man mit seiner Profession und Obsession verpflichtet, mit seinem Leben aber nicht.

Können wir was von Schillers Räubern lernen? Wenn ja was?

Friechrich: Blut ist dicker als Wasser und Familiengeschichten überschatten politische Ereignisse. Privat geht vor Katastrophe.

Bernd: Vom Räuberhauptmann lernen wir etwas über Menschlichkeit und Ehre, er ist bereit für seine Gang in den Bau zu gehen. Und er tauscht sein vorgegebenes, sicheres Leben gegen ein unsicheres, mit großer Sicherheit von Verfolgung geprägtes Leben ein, weil ihm persönliche Freiheit wichtiger als Konformität und Gehorsam ist.

Wer ist der Chronist und Schiller unserer Zeit? Kannst Du aktuelle Schriftsteller empfehlen?


Bernd: Ich kann immerhin sagen, wer es nicht ist: Dieter Bohlen. Ich empfehle gern Eugen Egner „Aus dem Tagebuch eines Trinkers“, der ist jedoch eher Chronist in eigener Sache.

Fast alle Personen verschreiben sich mit dem ganzen Herzen einer Sache, kennst Du das auch aus deinem Leben?


Bernd: Ganz sicher, bei mir ist es die Musik.

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Karls Vater verstößt seinen Sohn auf Grund dessen Lebensweise – gab es bei Dir auch Konfliktpotential in der Familie, als Du dich entschieden hast, in einer Band zu spielen?

Bernd: Mein Hang zur Musik gab nie wirklich genug für einen Konflikt her, aber meine Eltern haben erst in letzter Zeit erfasst, was ich da eigentlich mache, als sie meine Band im Fernsehen gesehen haben. Vorher haben sie es einfach nur nicht verstanden.

Bei Schiller geht es immer auch um die Frage der Selbstverwirklichung und Sehnsucht nach Freiheit (damals ja noch im Kontext einer sehr in Schichten strukturierten Gesellschaft), welche Bedeutung haben diese Begriffe heute und für Dich persönlich.

Friedrich: Freiheit ist wirklich schön und gut. Ich liebe das Bild des Korallenriffs. Das Wimmelbild der Möglichkeiten. Diversität bringt nicht nur in der Natur Stabilität, auch in der Kultur. Reisefreiheit versteht jeder, die ist elementar.

Bernd: Ich bin mir sicher, dass sich die Gesellschaft hinsichtlich der Schichten nicht wirklich verändert hat, die Schichten heißen heute nur anders. Ganz arm dran ist beispielsweise die Schicht der Konsumenten, zu der wir uns wohl alle etwas zählen müssen. Denn die bemerken oft gar nicht, in welcher Abhängigkeit sie sich eigentlich befinden. Umso stärker wird dadurch bei einigen Menschen allerdings auch der Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung, um all dem etwas entgegen zu setzen. Bei den Beatsteaks hat es dazu geführt, dass wir eine Band geworden sind.

Karl verlässt den für ihn gesellschaftlich vorgeschrieben Weg und nimmt die Rolle des Hauptmanns der Räuber an. Hast Du selbst schon mal den Drang verspürt, aus allem auszubrechen?

Friedrich: Ich habe es getan.

Bernd: Ich glaube, diesen Gedanken hatte jeder Mensch schon mal. Ich habe das große Privileg, kreativ sein zu dürfen, insofern habe ich ein Ventil. Aber dazu musste ich mich auch erst einmal entscheiden, also habe ich den Ausbruch schon hinter mir.

Danke Bernd und Friedrich!

Der beste Beatsteakssong für "Die Räuber! wäre, wenn es nach Bernd ginge, übrigens "Hail to the freaks". Das hätte sicherlich auch dem rebellischen Schiller gefallen:

Hail to the freaks I can't get enough
So the words hit the boy who can never be tough
Somebody needs to speak out wise
Hashing out deals to cover lies
I predict a world
That keeps you hanging on
And I've been around and around and around I'll come
Yeah, to weather the storm and set up the sun

Hier könnt ihr euch die Neubearbeitung kostenlos anhören.


Dieser Post wurde von audible gesponsert.

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