REISEVERGNÜGEN – Mit dem Wohnmobil durch Brandenburg

Ab und zu ein bisschen frische Landluft atmen zu wollen, hat sich zu einem Grundbedürfnis des heutigen Städters entwickelt. Raus und ins Grüne. Dahin, wo die Tiere noch mehr Krach machen als Autos und Smartphones. Mir geht es zumindest so. Mit Wohnmobil und Bulli klappern wir die Straßen Berlins entlang und aus der Stadt heraus. Dönerläden verwandeln sich in Spargel-Stände am Wegesrand, Plattenbauten weichen Äckern und plakatierte Häuserwände bleiben hinter uns. Knapp 100 km geht es Richtung Süden. Mein Kopf schaltet bereits auf Entspannung um.

In einem kleinen Ort im Niederen Fläming kommen unsere Wagen zum Stehen, genauer gesagt vor dem Gesundheitsgarten einer Dame namens Kerstin Weiße, 56. Fast klischeehaft höre ich beim Aussteigen als erstes einen Hahn krähen. Hallo, Brandenburg! Vor elf Jahren ist Frau Weiße aus Berlin hierher gezogen und pflanzt seitdem fleißig Kräuter auf ihrem Grundstück an. Insgesamt kommt sie auf etwa 130 verschiedene Sorten, von denen ich die meisten bisher weder gesehen, geschweige denn geschmeckt habe. Agastache, chinesischer Beifuss und Anis-Ysop wachsen hier und werden im Hofladen verkauft. Ein paradiesisches Angebot für jemanden, der sonst immer um eine letzte Packung Minze bei Rewe bangen muss.

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Der nächste Hof liegt etwas 30 km vom Gesundheitsgarten entfernt. Im Hofladen von "Alt-Domigk" gibt es Fleisch und Wurst, Eier, Honig sowie Obst und Gemüse zu kaufen. Inmitten des 145-Einwohner-Örtchens Groß Ziescht züchtet Familie Hüsgen seit 1997 schottische Hochlandrinder, die aufgrund ihres Fellwuchses eher an Ponys als an Kühe erinnern. Um die Tiere kümmert sich hauptsächlich Vivian Hüsgen, 23, die älteste von vier Geschwistern. Mit 15 hat sie eine Ausbildung zur Landwirtschaftsfacharbeiterin in Österreich begonnen und kehrte danach auf den Hof ihrer Eltern zurück. Klingt wie eine nette Heimatgeschichte von 1925, aber Vivian entspricht so gar nicht dem konventionellen Bäuerinnen-Bild. Insbesondere ihre grün-lackierten Fingernägel stechen ins Auge und könnten in der Form auch in Berlin anzutreffen sein.

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Unser letzter Stop ist der Milchschafhof von Ulrike Plaß, 51, in Vetschau-Ogrosen. Hier ist alles Bauernhof-Idylle vom Feinsten: Das Hauptgebäude hat Bilderbuchcharakter, kleine Katzen und Laufenten rennen durch den Garten, daran grenzt direkt ein Pferdestall. Fehlen nur noch die Kinder vom Süderhof. Frau Plaß und ihr Mann besitzen über 100 Schafe, die wir mit ihr von der Weide in den Stall treiben. Zum ersten Mal an diesem Tag wird es laut: "Määääh, määäh" plärren die Tiere, als hätten sie gerade den Witz des Jahrtausends gehört. Von der Schafsmilch stellen die Plaßens unter anderem Mango-Lassis, Frischkäse, Milch und Joghurt her, den sie im Hofladen und auf Wochenmärkten in Berlin verkaufen. Nächste Woche schaue ich vielleicht mal am Lausitzer Platz oder am Chamissoplatz vorbei.

Anschließend führt uns Frau Plaß zu den Schweinen. Nicht etwa zu übertrieben rosa-farbigen Schweinchen Babes, sondern zu wolligen Viechern, Wildschwein-artigen und wie Dalmatiner gefleckten Tieren. Plötzlich verschwindet Frau Plaß und ruft uns wenig später zu: "Will jemand sehen, wie ein Ferkel geboren wird?", während sie mit blutverschmierter Hand in der Luft herumwedelt. So ist das also auf dem Land. Leider werden Schweine hier nicht nur geboren, sondern auch geschlachtet.

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Alle drei Höfe sind übrigens Teil von "Landvergnügen", einem deutschlandweiten Stellplatzführer für Wohnmobile und Bullis. Mit dem Stellplatzführer erhaltet ihr eine Vignette für euer Fahrzeug, mit der ihr 24 Stunden kostenfrei auf dem Privatgelände ausgewählter landwirtschaftlicher Produzenten in ganz Deutschland stehen könnt.

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