Lesevergnügen #13: 11 spannende Neuerscheinungen für den Sommer

© Rachel Lees | Unsplash

Urlaubslektüre gefällig? Klar, dieses Jahr ist alles etwas anders: Fernreisen fallen eher flach und die meisten von uns werden ihren Sommer wohl in Deutschland verbringen. Aber egal, ob ihr in den nächsten Wochen die Alpen unsicher macht, im Strandkorb an der Ostsee faulenzt oder zu Hause bleibt und viele (hoffentlich) sonnige Nachmittage auf dem Balkon oder im nächstgelegenen Park verbringt – Bücher sind immer gute Begleiter. Bei diesen 11 Neuerscheinungen ist garantiert für jede*n etwas dabei.

1. Victor Jestin: "Hitze"

Sommer, Frankreich, Campingplatz – reichen diese drei Worte bei euch auch schon aus, um Sommerferiengefühle auszulösen? In meinem Kopf bin ich sofort wieder 17, laufe barfuß zwischen hohen Nadelbäumen über sandigen Boden und versuche, in der Dämmerung nicht über die gespannten Zeltschnüre zu stolpern. Genau das ist das Setting von "Hitze", dem Debütroman von Victor Jestin, der 1994 in Nantes geboren wurde und mittlerweile in Paris lebt. Nur, dass der Protagonist Léonard seine Sommerferien so überhaupt nicht unbeschwert genießen kann. Er fühlt sich unter seinen spätpubertierenden Altersgenossen völlig fehl am Platz – und dann wird er auch noch unfreiwillig Zeuge eines Selbstmords.

Victor Jestin "Hitze" | 156 Seiten | Mehr Info

© Kein + Aber | Kiepenheuer & Witsch

2. John O'Connell: "Bowies Bücher"

2016 war kein gutes Jahr: der Brexit, die Wahl von Trump, und irgendwie schien es, als würden sich in diesem Jahr überdurchschnittlich viele großartige Künstler*innen von dieser Erde verabschieden. Drei Jahre vor seinem Tod im Januar 2016 hat David Bowie eine Liste mit 100 Büchern erstellt, die ihn in seinem Leben begleitet und inspiriert haben. In "Bowies Bücher" stellt John O'Connell diese 100 Bücher in kurzen Essays vor, von denen jedes einzelne wie ein Puzzleteil in David Bowies Biografie wirkt. Die deutsche Ausgabe von "Bowies Bücher" wurde von Tino Hanekamp übersetzt und ist im Juni erschienen – die perfekte Sommerlektüre für alle, die tiefer in die Persönlichkeit von David Bowie eintauchen und dabei gleichzeitig Inspiration für neuen Lesestoff schöpfen möchten.

John O'Connell "Bowies Bücher" | 382 Seiten | Mehr Info

3. Ilona Hartmann: "Land in Sicht"

Früher hat Ilona Hartmann bei Mit Vergnügen regelmäßig Fragen an das seltsame Leben gestellt. Ungefähr drei Jahre und 12.000 Twitter-Follower später erscheint am 21. Juli ihr Debütroman "Land in Sicht" im Blumenbar Verlag. Er erzählt die Geschichte von Jana, die ihren Vater nie kennengelernt hat und beschließt, das zu ändern. Darum landet sie auf dem Donau-Kreuzfahrtschiff, auf dem ihr Vater Kapitän ist und die anderen Gäste mindestens doppelt so alt wie sie selbst. Emotionale Verwirrung und einige absurde Begegnungen sind also vorprogrammiert.

Ilona Hartmann "Land in Sicht" | 160 Seiten | erscheint am 21. Juli | Mehr Info

© Blumenbar | Hoffmann und Campe

4. Fang Fang: "Wuhan Diary"

Wie muss es sich wohl angefühlt haben, Ende Januar in Wuhan gewesen zu sein? In einer Stadt mit 9 Millionen Einwohner*innen, die komplett von der Außenwelt abgeriegelt wurde, um die Ausbreitung eines Virus einzudämmen, über das noch kaum etwas bekannt war? Die chinesische Schriftstellerin Fang Fang hat in diesen Wochen Tagebuch geführt. Sie schreibt über den Alltag in der Isolation, über die Einsamkeit, die Angst und das Leid der Erkrankten und Angehörigen, über Solidarität unter Nachbar*innen und Wut über Vertuschungsmanöver der chinesischen Behörden. "Wuhan Diary" ist ein Stück Zeitgeschichte.

Fang Fang "Wuhan Diary" | 352 Seiten | Mehr Info

5. Marco Balzano: "Ich bleibe hier"

Marc Balzano, geboren 1978 in Mailand, gehört aktuell zu den erfolgreichsten Autoren Italiens. Ein idyllisches Bergdorf, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – das ist der Schauplatz seines neuesten Romans "Ich bleibe hier", der bereits für den wichtigsten italienischen Literaturpreis nominiert wurde. Er erzählt aus der Ich-Perspektive der Protagonistin Trina, deren Familie 1939 in jenem Bergdorf vor die Wahl gestellt wird: Sollen sie ins Deutsche Reich auswandern, oder in ihrer Heimat bleiben und in Italien als Bürger*innen zweiter Klasse leben?

Marc Balzano "Ich bleibe hier" | 285 Seiten | Mehr Info

© Diogenes | Penguin Verlag

6. Julia Holbe: "Unsere glücklichen Tage"

Schon wieder Sommer, schon wieder Frankreich: Wenn ihr für diesen Sommer einen Urlaub an der französischen Atlantikküste geplant habt, werdet ihr keine Probleme haben, euch mit passendem Lesestoff einzudecken. In "Unsere glücklichen Tage" von Julia Holbe geht es um Freundschaft, Ausgelassenheit und das Freiheitsgefühl eines nie enden wollenden Sommers. Die perfekte Lektüre für einen Tag am Strand – auch wenn der Titel natürlich nicht ganz hält, was er verspricht, denn auch in "Unsere glücklichen Tage" herrscht natürlich nicht immer Eitel Sonnenschein.

Julia Holbe "Unsere glücklichen Tage" | 320 Seiten | Mehr Info

7. Lena Johanna Hödl: "Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum"

Verliebtsein – in Lena Johanna Hödls autobiografischem Roman dreht sich alles um dieses Gefühl. Die gleichnamige Protagonistin Lena kann sich an keine Zeit erinnern, in der sie nicht verliebt war: Als Kind in den Papa, dann in Julia aus der Schule, dann in Männer aus dem Internet, mal in den Ex ihrer besten Freundin, dann wieder in eine neue Party-Bekanntschaft. Sie beschreibt dieses außergewöhnliche Gefühl von etwas Neuem, Berauschendem – und den emotionalen Leerstand, der immer wieder darauf folgt.

Lena Johanna Hödl "Emotionaler Leerstand im privaten Eigentum" | 249 Seiten | Mehr Info

© Achse Verlag | Suhrkamp Verlag

8. Marius Goldhorn: "Park"

Richtig heiße Sommertage genießen wir ja am liebsten am Badesee – oder im besten Fall natürlich direkt am Meer. Weil sich das Berliner Sommerwetter ja aber selten stabil über der 30-Grad-Marke bewegt, gibt es jedes Jahr genug, sagen wir mal, mittelwarme Tage. Die lieben wir auch, denn wenn die Sonne scheint, kann man diese Tage perfekt auf einer Decke im Park verbringen und lesen. Mit "Park" von Marius Goldhorn gibt es diesen Sommer das passende Buch dazu. Darin begleiten wir Arnold, Mitte zwanzig, auf einer etwas planlosen Reise durch Europa: Er wandert durch Paris, sortiert seine Spam-Mails, schreibt Gedichte und wartet darauf, dass Odile ihm schreibt. Ein ganz normales Millennial-Leben eben – bis ein Terroranschlag passiert und ihn zum Nachdenken bringt.

Marius Goldhorn "Park" | 178 Seiten | Mehr Info

9. Birk Meinhardt: "Wie ich meine Zeitung verlor"

Der preisgekrönte Reporter Birk Meinhardt hat lange für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet. In "Wie ich meine Zeitung verlor" blickt er zurück auf seine Erfahrungen in der Redaktion und stellt dabei seinen eigenen Beruf auf den Prüfstand. Es geht um leidenschaftlichen Journalismus und um die Mitschuld der Medien an der Polarisierung in unserer Gesellschaft, um Haltung und Verantwortung, es geht auch um Ost und West, um Weltoffenheit und Moral, um Fragen und Zweifeln. Dabei betont Meinhardt immer wieder, dass es ihm hier nicht um Abrechnung geht, sondern um Selbstkritik. Ein wichtiges Buch in Zeiten von "Lügenpresse"-Rufen auf der einen und Kämpfen um Pressefreiheit auf der anderen Seite.

Birk Meinhardt "Wie ich meine Zeitung verlor" | 144 Seiten | Mehr Info

© Das Neue Berlin | Dumont

10. Karosh Taha: "Im Bauch der Königin"

Was heißt es heute, eine deutsch-kurdische Frau zu sein? Um diese Frage geht es in dem neuen Roman von Karosh Taha. Das Buch lässt sich von vorne oder von hinten lesen: Von der einen Seite folgt man der Geschichte von Younes und seiner Mutter Shahira, die in der deutsch-kurdischen Community für ihre freizügige Lebensweise angefeindet wird. Beginnt man von der anderen Seite zu lesen, lernt man Amal kennen, die spätere Freundin von Younes. So ergeben sich zwei unterschiedliche Perspektiven, die durch das Buch zusammengeführt und miteinander verbunden werden.

Karosh Taha "Im Bauch der Königin" | 250 Seiten | Mehr Info

11. Eliot Weinberger: "Neulich in Amerika"

Vom Irakkrieg bis zum alltäglichen Rassismus, von George W. Bush zu Donald Trump: Der amerikanische Schriftsteller und Essayist Eliot Weinberger kommentiert das aktuelle Geschehen in den USA. Die Sammlung seiner Texte, die von die von Beatrice Faßbender, Eike Schönfeld und Peter Torberg aus dem Englischen übersetzt wurden aus dem Englischen übersetzt wurden, führt einem wieder und wieder vor Augen, wie unfassbar absurd die Äußerungen des aktuellen Präsidenten sind, von welchen Widersprüchen dieses Land durchzogen ist und an welche "Normalität" wir uns mittlerweile gewöhnt haben.

Eliot Weinberger "Neulich in Amerika" | 260 Seiten | Mehr Info

© Berenberg Verlag

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