Kleine geile Firmen: Naturkosmetik von Lovely Day Botanicals

Wer heute auf der Suche nach Naturkosmetikmarken ist, der wird schnell überwältigt von der unendlichen Auswahl an tollen Firmen und Labels, die es mittlerweile gibt. Dabei stellt sich nicht nur die Frage danach, was zur eigenen Haut passt, sondern was auch wirklich hilft. Auf meiner eigenen Suche nach einer neuen Hautpflege wurde mir vielfach die tolle Berliner Marke Lovely Day Botanicals empfohlen. Josephine Foerster hat schon als Jugendliche ihre eigene Kosmetik hergestellt, um der Langeweile des Heimatdorfes zu entkommen. 2016 hat sie mit Lovely Day Botanicals den Schritt in die Unabhängigkeit gewagt und stellt seitdem in Handarbeit Naturkosmetik her, mit dem Fokus auf moderne aktive Wirkstoffe wie Fruchtsäuren oder Hyaluronsäure, die das Hautgefühl verbessern und nachweislich vorzeitiger Hautalterung vorbeugen. Mittlerweile hat Josephine ein Team von 15 Mitarbeitern, einen kleinen Shop und Produktionsraum in Neukölln sowie ein große, wachsende Fangemeinde. Uns hat sie erzählt, wie sie es mit ihrem Traum vom jugendlichen Wohnzimmer in die Badschränke der Nation geschafft hat.

© Charlott Tornow

Charlott Tornow: Josy, was machst du die erste Arbeitsstunde des Tages?
Josephine Foerster: Die bin ich in der Regel in meinem Lieblingscafé, um in Ruhe E-Mails abzuarbeiten. Büro und Laden/Labor sind für mich sehr stimulierende und inspirierende Räumlichkeiten, wo ich kreativ arbeite, daher verbringe ich gerne erstmal etwas Zeit außerhalb des Büros, um mich nicht zu sehr ablenken zu lassen.

Und wie lange arbeitest du täglich?
Das variiert, ich setze mir mittlerweile tatsächlich Ziele und Aufgaben für den Tag. Wenn die erreicht sind, dann gehe ich. Manchmal überschwemmt mich ein kreativer Flow und ich bleibe den ganzen Abend im Labor, das plane ich aber nicht. Von daher ist zwischen vier und zwölf Stunden alles möglich, es ist aber nicht mehr dieser existenzielle Druck dahinter, gewisse Ziele jetzt unbedingt erreichen zu müssen, was angenehm ist.

Wie hart ist die Arbeit im Labor? Wie sehen deine Hände am Ende des Tages aus?
Mittlerweile eigentlich immer gepflegt und lackiert (grinst). Aber frag' mal in der Produktion oder bei den Mitarbeitern im Warenversand und beim Labeln, da sieht es anders aus. Ich erinnere mich an Zeiten, da hatte ich Verschlüsse, die haben nicht richtig auf die Flaschen gepasst, aber ich wollte sie unbedingt haben, weil sie so hübsch waren. Am Ende des Tages haben meine Hände so weh getan, weil ich die Verschlüsse so doll drücken musste. So verrückt sind wir aber heute nicht mehr.

© Charlott Tornow
Man darf und muss Fehler machen und daraus lernen.
Josephine Foerster
© Charlott Tornow

Okay, kommen wir zum Business-Teil. Was weißt du heute, was du nicht wusstest, als du gestartet bist?
Dass man nicht perfekt sein muss, man darf und muss Fehler machen und daraus lernen.

Und was war die größte Herausforderung im letzten Monat?
Unsere Lieferanten für Packaging und Rohstoffe bekommen immer größere Probleme, die von uns benötigten Mengen zu liefern. Wir brauchen jetzt dringend neue Lieferanten, die allerdings viel größere Abnahmemengen haben, dafür brauchen wir wiederum 'ne Menge Cash und mehr Lagerfläche.

Wenn du einen Tipp hättest für Menschen, die im Bereich Kosmetik arbeiten wollen, welcher wäre es?
Puh, also erstmal, das muss man schon wirklich echt wollen. Die Auflagen sind hart und man trägt eine hohe Verantwortung für die Sicherheit und Verträglichkeit des Produktes, der Markt ist außerdem sehr dicht. Kurz: Zum schnellen Geldverdienen ist es eher nicht geeignet, man muss schon sehr produktbesessen sein. Aber wenn das Herz danach schreit, dann würde ich empfehlen, jemanden zu suchen, mit dem man sich Ressourcen wie Labor oder Inhaltsstoffe teilen kann.

Welcher Ratschlag wird in deiner Branche oft gegeben, ist deiner Meinung nach aber echt nicht so wichtig?
X-tausend Zertifizierungen zu haben. Das kostet soviel Zeit und Geld und sagt am Ende irgendwie doch nichts über Performance und Verträglichkeit des Produktes. Seid lieber offen und transparent damit, warum ihr welche Inhaltsstoffe verwendet und bringt dem Kunden nahe, sich selbst einen Kopf zu machen, was für ihn wichtig ist.

Seid offen und transparent damit, warum ihr welche Inhaltsstoffe verwendet und bringt dem Kunden nahe, sich selbst einen Kopf zu machen, was für ihn wichtig ist.
Josephine Foerster
© Charlott Tornow
© Charlott Tornow
© Charlott Tornow

Was machst du, um dich und deine Mitarbeiter an einem schlechten Tag zu motivieren?
So richtig schlechte Tage gibt es eigentlich selten. Wir haben wahnsinnig tolle Kunden und bekommen ganz oft super liebes Feedback, dann weiß man auch, das man was Sinnvolles tut und bekommt viel Energie. Ansonsten versuche ich das Arbeitsumfeld möglichst angenehm zu halten, wir haben einen super hübschen Laden und Büro, wir machen regelmäßig Teamlunch und unser Officedog Ruby sorgt auch für gute Vibes.

Voll gut! Und was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Die Abwechslung. Ich kann mal drei Stunden fokussiert am Rechner sitzen, dann hüpfe ich in den Laborkittel und mische Sachen an, am nächsten Tag bin ich auf einem Fotoshooting. Es ist nicht dieser immer wiederkehrende Trott, wodurch die Zeit auch nicht so schnell vergeht. Im Gegenteil, meine letzten drei Jahre fühlen sich eher an wie 30 Jahre. Außerdem lernt man so viele nette Leute kennen. Als Gründerin und Geschäftsführerin entwickelt man sich natürlich auch persönlich enorm weiter. Und mir macht die Kundenbetreuung auch super Spaß, ab und zu verkaufe ich selber im Laden und wenn dann Kunden kommen und sagen, dass die Produkte wirklich was verändert haben, dann ist das natürlich ein unschlagbares Gefühl.

Und jetzt das Gegenteil: Was nervt dich am meisten an deinem Job?
So viele Ideen zu haben, aber nicht die Ressourcen, um alles sofort umzusetzen. Oder wenn eine neu entwickelte Produktidee mehrfach durch irgendwelche Labortests fällt. Oder wenn in meinem Kopf eine Idee ganz großartig ist, die Umsetzung aber eher medium ist. Oder wenn es heißt: "Dieses Jahr war schlechte Ernte" und es einen unserer Hauptrohstoffe dann einfach nicht mehr gibt. Oder oder oder...

Für alle, die jetzt auch Bock haben, Kosmetik zu machen: Wie viel Startkapitel braucht man?
Ich sag ja immer, je mehr man selber kann, umso weniger Geld braucht man. Ich hab am Anfang einfach alles selbst gemacht, vom Produkt über Fotos, alles Wirtschaftliche etc. Mit der Website hat mir mein damaliger Freund geholfen und auch sonst waren einfach viele Freunde am Start, die irgendwie geholfen haben. Es war dann eben nicht gleich alles perfekt, damit muss man dann leben. Alles in allem hatte ich am Anfang 10.000 Euro zur Verfügung.

Und wie lange hast du dann gebraucht, um von deinem Job leben zu können?
So ab einem Jahr klappte das ganz gut.

Willst du jetzt noch weiter wachsen?
Ich will vor allem gesund wachsen und nebenbei irgendwie auch noch ein bisschen leben (lacht). Das kam nämlich ganz schön kurz die letzten Jahre.

So richtig schlechte Tage gibt es eigentlich selten. Wir haben wahnsinnig tolle Kunden und bekommen ganz oft super liebes Feedback, dann weiß man auch, das man was Sinnvolles tut und bekommt viel Energie.
Josephine Foerster
© Charlott Tornow
© Charlott Tornow

Was war eigentlich dein Traumjob als Kind? Warum machst du heute Kosmetik?
Mir war schon sehr früh klar, dass ich gerne selbstständig sein möchte, womit auch immer. Ich bin seit meinen frühen Teenie-Jahren durch eine Wirbelsäulenerkrankung schwerbehindert und viele konventionelle Jobs sind für mich nicht in Frage gekommen. Friseur oder sowas in der Richtung hätte mir Spaß gemacht, den ganzen Tag stehen ist aber keine Option. Den ganzen Tag sitzen aber auch nicht. Ich hab also eigentlich schon mein halbes Leben immer rumgerätselt, was ich potenziell gründen könnte und habe mit dem Hintergrund dann auch BWL studiert. Die Kosmetik kam dann parallel dazu, einfach als mein größtes privates Interesse. Ich mache schon sehr lange meine eigene Kosmetik, befasse mich mit Ölen, Kräutern und Wirkstoffen und irgendwann kam dann einfach eins zum anderen.

Danke liebe Josy für den Einblick in dein Unternehmen!

Alle Produkte von Lovely Day Botanicals bekommt ihr auf der Homepage.

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