Das Barra Berlin serviert hochwertige Gerichte ohne viel Schnickschnack

© Daliah Hoffmann

Mein Lieblingsplatz in Restaurants? An der Bar mit Blick in die offene Küche, falls vorhanden. Das Barra im Neuköllner Schillerkiez, das im November 2018 eröffnet hat, verfügt über beides und hat somit direkt zwei Pluspunkte bei mir. Viele weitere sollen noch folgen, das verrät schon ein flüchtiger Blick auf das heutige Menü.

Barra, das sind die zwei Köche Daniel Remers, Neil Paterson und Kerry Westhead, die sich hier nicht nur um die Gäste, sondern auch auch um die Weine kümmern. Übrigens eine gute Auswahl an ausschließlich Naturweinen. Wir nehmen an der Bar Platz. Von hier können wir Daniel, der zwei Jahre lang Chefkoch im Industry Standard war, und seinen Partner Neil beim Vorbereiten und Kochen zuschauen. Gerade wird noch die letzte Soße angerührt und der Teig für die Roggenkräcker ausgerollt, die es zur Käseplatte gibt. "Unsere Gerichte sind zum Teilen gedacht", erklärt Kerry uns das Menü, "wir empfehlen zwei Snacks und dann zwei Hauptspeisen pro Person." Wir starten mit dem hausgemachten Rosmarin Focaccio, Taggiasche Oliven und Langoustines mit Aioli, einer der zwei Specials.

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Das Focaccia ist sehr ölig und so weich, dass ich mich am liebsten reinlegen will. Zum Glück hat eine Portion nur vier Scheiben, ich würde sonst Gefahr laufen mich daran satt zu essen. Die Langoustines, im deutschen Kaisergranat, werden auf einem japanischen Holzkohlegrill zubereitet. "Alles was man dadrauf grillt, schmeckt wahnsinnig gut", meint Neil. Die Dinger zu essen ist eine kleine Schweinerei. Hat man sie aber erstmal von ihrem Panzer befreit und probiert, weiß man, dass sich das Finger schmutzig machen gelohnt hat. Der nächste Teller kommt. Kürbis, Grünkohl und Weide Ei. Saisonal, unaufgeregt, ehrlich – eben auf das Wesentliche bedacht. Im Barra ist das Wesentliche die Qualität. "Wenn die Qualität stimmt, dann kochen wir damit, wenn nicht, dann hat das Produkt keinen Platz in unserer Küche", sagt Daniel.

Dass hier nur mit den besten Zutaten gekocht wird, schmeckt man. So auch bei unseren Hauptspeisen: Kabeljau, Porree und Sauce Tartare und Schweinenacken, Cavolo Nero und Quitte. Das Fleisch ist so saftig-zart, dass das Messer fast widerstandslos durchschneidet. Den Fisch bezieht das Barra unter anderem von Küstlichkeiten, bekannt aus der Markthalle Neun, das Fleisch von Kumpel & Keule. Mein Lieblingssupermarkt Das Frischeparadies gehört auch zu ihren Shoppingadressen. "Wir kochen straight forward", erklären Neil und Daniel, "unser Essen ist ehrlich und saisonal." Die Gerichte der beiden beweisen, dass weniger mehr ist. Wenn die Qualität stimmt, dann braucht es kein Schnickschnack und kein Drumherum.

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Gegen 20 Uhr ist das Restaurant bis auf den letzten Platz belegt, auch der hintere Raum mit der langen Tafel ist voll. Ein perfekter Ort für Geburtstagsdinner und größere Gruppen – so wie auch heute. Obwohl das Barra noch jung ist, Unbekannte sind Daniel, Neil und Kerry nicht. Seit feststand, dass die drei in der Okerstraße ein Restaurant eröffnen, haben sie regelmäßig Pop-up Dinner bei befreundeten Gastronomen veranstaltet, zum Beispiel im Restaurant des Michelberger Hotel. "Es hat sich angefühlt, als wären wir eine Band und als würden wir durch Berlin touren und Gigs spielen", lacht Neil. "Deshalb sind wir seit dem ersten Tag ziemlich gut besucht.", ergänzt Kerry. Viele der Gäste sind schon Stammkunden in dem Nachbarschaftslokal, wie sich das Barra selbst bezeichnet. Unser Sitznachbar verschwindet an diesem Abend auch in einem Haus gegenüber des Restaurants.

Bevor es für uns nach Hause geht, gibt's aber noch Nachtisch. Wir bestellen das Mousse au Chocolat mit Kardamom-Eis und Olivenöl. Am besten schmeckt das Dessert, wenn man alle Zutaten auf einem Löffel hat. Ich bin ein großer Fan von der Kombination aus Eis und Olivenöl (gibt's übrigens auch bei Rosa Canina und sehr lecker auch im Gazzo mit Büffelmilch-Softeis) und teile den Nachtisch nur ungern mit meiner Begleitung.

© Daliah Hoffmann

Unbedingt probieren: Das hausgemacht Rosmarin Focaccia, den Schweinenacken und den Schokomousse.

Veggie: Veganer sollten vorab nachfragen. Gut die Hälfte der Karte ist vegetarisch.

Besonderheit des Ladens: Der offene Blick in die Küche und der hintere Raum mit der langen Tafel. Perfekt für große Gruppen und private Feiern.

Mit wem gehst du hin: Freunden, die dem Industry Standard nachweinen und jenen, die ihr essen gern teilen.

Für Fans vom: Industry Standard und Lode & Stijn.

Preise: Gerichte kosten zwischen 3 und 14 Euro.

Barra | Okerstraße 2, 12049 Berlin | Donnerstag – Montag: 18.30–23 Uhr | Mehr Info

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