Ein Vintagetraum für Skateboardliebhaber – Zu Besuch bei Mantra Skateboards

© Charlott Tornow

"Berlin ist ein guter Ort, um Dinge auszuprobieren", sagt Nicholas Blears. Der 27-Jährige stammt aus dem englischen Worcestershire, einem Ort, der vor allem für seine gleichnamige, weltberühmte und vor allem für Deutsche unaussprechliche Sauce bekannt ist, ist vor ein paar Jahren nach Berlin gezogen, hat hier erst für ein englisches Unternehmen gearbeitet und irgendwann keine Lust mehr darauf gehabt. Wie so viele hat er den kreativen Frei- und Spielraum Berlins genutzt, seine Leidenschaft zum Beruf gemacht und sein eigenes Unternehmen, Mantra Skateboards, gegründet. In einem riesigen Lichtenberger Gewerbehof, wo allerlei verschiedene Unternehmen schrauben, malen und werkeln, hat er seine Werkstatt im fünften Stock, was zwar gerade im Hinblick auf das Transportieren der Arbeitsmaterialien nicht gerade praktisch ist, aber immerhin einen guten Ausblick über Berlin bietet.

Wann fängst du an? Was machst du die erste Arbeitsstunde des Tages?
Ich versuche früh auf Arbeit zu sein, um die Rush Hour zu vermeiden. Aber gewöhnlich variiert das je nach Tag und manchmal geh ich auch erst ziemlich spät auf Arbeit und bleibe dann bis bis in die späten Abendstunden, um an verschiedenen Ideen zu arbeiten. Ich bin ziemlich Kaffeeabhängig gerade, deshalb trinke ich die erste Stunden erstmal ein paar Tassen, damit mein Gehirn arbeiten kann. Danach checke ich Emails und Updates.

Wie sehen deine Hände am Ende des Tages aus?
Am Ende des Tages sind meine Hände bedeckt mit Sägespähnen, ein bisschen Farbe und haben den einen oder anderen Schnitt.

Wolltest du schon immer Skateboards bauen?
Ich skate, seit ich ein Teenager war, und liebe es heute noch genauso wie damals. In der Skateboard-Szene sind so viele verschiedene Menschen jeden Alters unterwegs, was super spannend ist. Ich hab immer gern Dinge gebaut und sah dann irgendwann ein paar alte gebrauchte Skateboards aus den 60ern mit braunen Lehmrädern, die mir aufgrund ihrer Einfachheit gefallen haben. Meine Skateboards sind eine Ode an diese ersten Boards. Sie sind genauso klein und eignen sich perfekt, um einfach nur zu fahren und durch die Stadt zu cruisen. Dadurch sprechen sie auch die Allgemeinheit an und nicht nur ernsthafte Skateboarder. Durch ihre Handwerkskunst und das minimalistische moderne Design sing sogar Designenthusiasten interessiert.

Was war die größte Herausforderung im letzten Monat?
Ich hatte letzten Monat einen Unfall, bei dem mir der komplette Fingernagel abgerissen wurde. Ich musste die ganze Zeit einen riesigen Verband tragen und hatte dann einen ziemlich unansehnlichen Finger für die nächsten Wochen. Die Hälfte meines Nagels ist jetzt nachgewachsen, aber die ersten Wochen konnte ich fast gar nicht an den Skateboards arbeiten, was frustrierend war.

Oft kannst nur du dich selbst motivieren, immer und immer wieder.

Was weißt du heute, was du nicht wusstest, als du gestartet bist?
Dass alles länger dauert, als man denkt. Verzüge bei der Website, nach Herstellern von Rädern oder Verpackungen suchen ist ziemlich zeitaufwändig. Als kleines Unternehmen hatte ich vor allem das Problem, die minimale Bestellmenge der Lieferanten zu erreichen. Überhaupt dieses Projekt zu starten, hieß, dass ich mir alle Schritte des Herstellungsprozesses selbst beibringen musste: vom Designen und Herstellen der Boards bis hin zum Programmieren einer Website. Aber alles in allem war es ziemlich erfüllend.

Wenn du einen Tipp hättest für Menschen, die diesen Job machen wollen, welcher wäre es?
Oft kannst nur du dich selbst motivieren, immer und immer wieder. Aber wenn du das erstmal geschafft hast, dann gibt es viele Menschen, die dir helfen werden.

Was macht dir an deinem Job am meisten Spaß?
Am meisten Spaß macht mir die kreative Arbeit mit den Händen. Es ist extrem befriedigend, mit einem so schönen und einzigartigen Material zu arbeiten, alle Produktionsschritte selbst zu durchlaufen und dann etwas kreiert zu haben, mit dem man glücklich ist.

Was machst du, um dich an einem schlechten Tag zu motivieren?
Ich versuche, eine Pause zu machen. Egal ob Musik hören, skateboarden in der Hasenheide, um ein bisschen frische Luft zu bekommen, oder Freunde treffen. In Berlin gibt es ja ein Glück genug aufregende Dinge, um sich abzulenken.

Es ist extrem befriedigend, mit einem so schönen und einzigartigen Material zu arbeiten, alle Produktionsschritte selbst zu durchlaufen und dann etwas kreiert zu haben, mit dem man glücklich ist.

Was nervt dich regelmäßig?
Fehler im Produktionsprozess zu machen. Es ist zwar nervig, wenn es passiert, aber es gibt einem auch die Möglichkeit, aus den Fehlern zu lernen und eine Lösung zu finden, damit das Problem nicht nochmal auftritt. Solche Fehler zeigen einem ja oft, dass man das Design überarbeiten muss, was wiederum zu neuen Ideen führt. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, geduldig zu sein und nicht vorschnell Dinge umzusetzen.

Erzähl mir von einer Situation, wo du alles hinschmeißen wolltest?
Ich glaube, ich war noch nie in der Situation, wo ich alles aufgeben wollte, aber ich hatte auf jeden Fall Tage, an denen ich mich mental selbst fertig gemacht habe oder finanzielle Probleme hatte, was dazu geführt hat, dass das Business stagnierte. Schwierig war vor allem die Website online zu bekommen und sie aussehen zu lassen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich hätte sie gern viel früher gelauncht, aber durch den geringeren Zeitdruck, konnte ich ein bisschen organischer wachsen.

Willst du noch weiter wachsen?
Definitiv! Im Moment ist es ein Einmannunternehmen mit ein bisschen Hilfe von meiner Freundin, die mich vor allem bei der komplizierten deutschen Bürokratie hilft. Aber wenn alles gut läuft, wäre ein bisschen Hilfe in der Werkstatt und im Büro natürlich toll.

Wie viel Startkapitel braucht man?
Ich habe eine gute Summe an Gespartem vorgeschossen und ein paar Sachen verkauft, um mit der Produktion zu starten. Ich kann dir keine konkrete Zahl nennen, denn ich habe fast alles, was ich habe, in das Business investiert. Aber auf jeden Fall muss man sich in der Anfangszeit einiges verkneifen, an das man gewöhnt war.

Ihr seid eine kleine, geile Firma, die handwerklich arbeitet und maximal 20 Mitarbeiter hat? Dann schreibt uns an [email protected] und schreibt uns, was euch besonders macht.

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