Abendbrot mit Aida #19 - Street Food Thursday in der Markthalle IX, Kreuzberg

© Aida Baghernejad

Sich einmal durch die Welt futtern, das ist mein Traum. Ein Bissen von einem mexikanischen Taco hier, ein Happen französischer Käse da, ein Löffelchen Kimchi, eine Handvoll Dumplings – wenn Jules Verne seine Protagonisten in 80 Tagen um die Welt geschickt hat, möchte ich das gerne in 80 Gerichten. Aber das Schöne ist, dass ich dazu gar keine Koffer mehr packen muss (das mag ich nämlich nicht), nein, dazu muss ich nur auf mein buntes Rennrad steigen und nach Kreuzberg runterfahren. Genauer gesagt in die Markthalle IX in der Eisenbahnstraße. Die schöne, alte Markthalle, die lange Zeit etwas in Vergessenheit geraten war und von den Anwohnern allerhöchstens wegen den zwei Discountern darin frequentiert wurde, hat sich in den letzten Jahren ganz schick rausgeputzt. Erst mit dem Naschmarkt und jetzt mit dem wohl allerbesten Wochentermin Berlins: Dem Street Food Thursday.


Abendbrot mit Aida #19

Entstanden ist die Idee in den Köpfen der Organisatoren der Markthalle IX, den Helden von Big Stuff BBQ und der Berliner Kitchensurfing*-Chefin Kavita. Und welcher Ort wäre dafür besser, als die Markthalle IX? Genau, keiner. Seit nun genau vier Wochen treffen nun jeden Donnerstag, von 17 bis 22 Uhr, Kitchensurfing-Köche, Markthallen-Stände und Foodies aus ganz Berlin aufeinander. Letzte Woche waren wir dabei und haben uns die Bäuche derart vollgeschlagen, dass mein Fahrrad fast unter mir geborsten wäre. Ohne die beiden tollen Kitchensurfing-Mitarbeiter Maria und Leander wären wir wahrscheinlich von dem Überangebot an Leckereien total überfordert gewesen, aber so wurden wir fachmännisch durch die Halle geführt und haben noch viel Interessantes über die verschiedenen Köche erfahren.

Abendbrot mit Aida #19
Abendbrot mit Aida #19
Abendbrot mit Aida #19
Abendbrot mit Aida#19

Angefangen hat unsere Tour der Fresserei an einem Stand für Pork Buns: David bietet unter dem Nome de Guerre »Zuhause Berlin« mit Ahornsirup glasierten Schweinebauch an. Laut Fotografin Kyra, die probiert hat, ein zartschmelzender Traum. Ich hatte aber anderes vor, mich zog es zum Stand von Michael Wickert. Michael ist ein irre sympathischer Typ, der schon als Kind gerne angelte. Was läge da näher, als Erwachsener das ganze einfach professionell zu machen? Mit seinem Master in Fischereiwesen und einiges an Arbeitserfahrung in der Tasche, hat er in der Markthalle seine eigene Fischräucherei eröffnet. »Glut und Späne« gibt es jetzt schon seit Oktober und bietet, als wohl einziger Fischladen Berlins, ausschließlich Ware aus nachhaltigem Fang an. Und als wäre das nicht genug, es wird auch alles, einfach alles, was über den Tresen wandert, im eigenen Räucherofen direkt im Stand selbst gemacht. Wir finden das nicht nur vorbildlich, sondern auch irre lecker. Sogar an Vegetarier denkt Michael und räuchert auch Käse. Für die Ceviche, ein südamerikanischer Salat mit rohem Fisch, sollte man allerdings früh kommen. Sie ist immer als erstes ausverkauft (aus ziemlich gutem Grund). Und weil Fisch ja auch schwimmen will, bietet Michael jeden Donnerstag jetzt auch Cocktails an. Ganz bestimmt aber ohne Meeres-Note.

Abendbrot mit Aida #19
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Danach gab es direkt etwas Süßes: Anna Harbaum ist keine Portugiesin, kocht aber so. Donnerstags gibt's von ihr daher nicht nur selbstgebackene Pastéis de Nata, sondern auch andere portugiesische Süßigkeiten und Sandwiches. Inspiriert hat sie ihre Zeit in Hamburg, wo sie sich in Galao und Co. verliebte. Ich probierte ein Dessert mit Erdbeeren und Feigen auf weißer Crème. Und musste mich zurückhalten, nicht direkt die zweite Portion hinterher zu ordern. Nein, es gab ja auch noch viel mehr zu entdecken! Zum Beispiel die Kochkünste der großartigen Fräulein Kimchi. Hinter diesem Alias verbirgt sich Lauren Lee aus L.A., die schon seit ein paar Jahren mit dem gleichnamigen Blog bekannt geworden ist. Sie mischt fröhlich koreanische Kochkunst mit California-Kitchen und lässt das ganze auf deutsche Herzhaftigkeit prallen. Und dabei trägt sie Dirndl. Diesmal hatte sie Kimchi-Tacos im Gepäck, die ich schneller verschlang, als man hingucken konnte. Übrigens verkauft sie Donnerstags auch zweierlei selbstgemachtes Kimchi, das viele Leute ganz dringend empfehlen. Beim nächsten Besuch kommt mindestens das Rotkohl-Kimchi mit! Aber diesmal musste ich weiter und futtern, wie ein Weltmeister. Unser Weg führte uns zu Mara, einem neuen Mitglied der Kitchensurfing-Familie, die mit singhalesischen »Idly« aufwartete (und wahrscheinlich die Wahl zur Miss Street Food Thursday gewinnen würde, aber das ist eine andere Frage). Im normalen Leben arbeitet sie bei einem der bekanntesten Techno-Labels Berlins, Donnerstags sorgt sie mit scharfem Soulfood für glückliche Mägen. Direkt aus NYC wiederum hat Deborah Tomassini-Buechner ihre Supperclub-Skills importiert. Auch sie lässt sich, ähnlich wie Fräulein Kimchi, von Landesküchengrenzen nicht einschüchtern und bringt überall ihre puerto-ricanischen Einflüsse mit rein. Ihre Chipotle-Guacamole brachte mich zwar ins Schwitzen, aber ich habe sie direkt schon zu Hause nachgemacht (psst...).

Abendbrot mit Aida #19
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Abendbrot mit Aida #19

Unsere letzte herzhafte Station war der Stand von Vu vom Cô Cô Bánh Mì-Deli. Aufmerksame Leser werden sich vielleicht erinnern: Das habe ich euch doch schon mal empfohlen! Der Laden ist einer meiner Favoriten in Mitte, wenn das Bauchgrummeln mal wieder zu stark wird. Der Legende nach besuchte Vu den Street Food Market und war so begeistert, dass er spontan beschloss, auch dabei zu sein. Nun bietet er Gao Bao an, das sind süßliche Reismehlknödel, die mit Fleisch und Gemüse änlich einem Bánh Mì gefüllt werden. Klingt verrückt, aber ich war sofort süchtig. Was fehlt noch? Genau, Getränke! Wie gut, dass die Weinhandlung Suff aus Kreuzberg einen Außenposten in der Markthalle unterhält. Einen Hugo später ist dann auch wieder Platz, zumindest im Dessertmagen. Mit einem Apple-Crumble vom eindeutig ausgefallensten Stand – ein umgebautes Kochfahrrad – lässt sich die Reise durch die Weltküche ziemlich gut abschließen. Ich komme bestimmt wieder. Schließlich gibt es noch unzählige Stände mehr, mit sympathischen Köchen, leckeren Gerichten und viel guter Laune. Lieber Street Food Thursday, wie schön, dass es dich gibt! Bleib doch einfach für immer bei uns, okay?

Abendbrot mit Aida #19
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Streetfood Thursday in der Markthalle IX: jeden Donnerstag von 17 - 22 Uhr

Mit mir sich den Bauch vollgeschlagen hat sich meine liebe Freundin Kyra Meyer. Sie hat es trotz kugelrund gefülltem Bauch aber noch hingekriegt, so schöne Fotos zu machen! Und wer bis zum nächsten Abendbrot noch mehr mit mir futtern möchte, meine Improkitchen freut sich auf Besuch.

*Mehr über Kitchensurfing könnt ihr hier erfahren. Berlin ist nach New York die zweite Stadt, in der die Plattform gestartet ist und die coolen Mädchen & Jungs organisieren noch einige weitere spannende Events. Wir freuen uns über diese Bereicherung der Berliner Foodszene! Im Übrigen plant Kitchensurfing die Weltherrschaft zu übernehmen. Na, wenn's weiter so lecker bleibt…

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