40 DAYS OF EATING 2015 #18 – Chipps

Ihr wollt mal wieder ordentlich frühstücken gehen oder braucht noch einen guten Spot für euer Business-Lunch? Dann ab ins Chipps in Mitte.

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1. Maria, erzähl von deinem Tag.

Ganz oben auf der Agenda: Neues Format entwickeln. 40 Days of Wellness wäre ja auch irgendwie geil. Gerne auch in Grüppchen. Heute gibt es Frühstück in Mitte. Am Sonntag ist es hier herrlich leer und Sophia und ich genießen den Weg zum Restaurant durch die menschenleeren Gassen sichtlich. Um uns herum nichts außer Schienenersatzverkehr und Beton. Ich habe einen Koffer dabei, welcher laut hinter mir her knattert. Das Echo in den Häuserschluchten ist enorm. Platz da, wir kommen.

2. Wo habt ihr heute gegessen?

Chipps, oder wie wir sagen "Schüpps(e)".
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3. Was hast du bestellt und wie hat das geschmeckt?

Hier gibt es alles, was das opulente Frühstückerherz begehrt. Speck und Würstchen (auch in vegan), Ei in sämtlichen Aggregatzuständen und Waffeln en Masse. Ich bin noch voll voll von gestern und muss zugeben, dass mir die letzten Tage an der Substanz zerren: Mein Körper macht Veränderungen durch, wie ich sie zuletzt in der Pubertät erfahren habe. Darum gibt's für mich heute nur ein kleines, vegetarisches Frühstück. Zwei wachsgekochte Eier im Glas mit Schnittlauchgarnitur und Veggie-Würstchen als Tunkinstrument reichen mir. Denke ich. Ich mümmele zufrieden und spüle alles mit einem gesunden, grünen Saft (keinen Smoothie!) runter. Der Saft ist ein Gedicht: Sellerie, Ingwer, Apfel – alles drin, was den Wasserstau in Gesicht und Händen hinwegfegt. Nachdem ich mein gesundes Pensum erfüllt habe, grabsche ich ungehemmt in Sophias Essen und haue mir noch eine ordentliche Portion Hollandaise rein. Ich möchte meinen Körper ja nicht in einen Schockzustand versetzen.

4. Wie ist der Service dort?

Wir werden freundlichst begrüßt und direkt mit Saft abgefüllt. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich schnell die Biege machen – muss einen Flieger bekommen und auf Grund des doch sehr engen Zeitplans, den 40 Days mit sich bringt, bleibt mir für andere Projekte immer nur ein sehr kurzes Zeitfenster. Also schnell reinschaufeln (Essen) und ab zum Flughafen. Sophia sagt aber, dass der Service (Markus) sehr nett war.

5. Was gefällt dir an dem Laden besonders, was nicht?

Hier herrschen, ähnlich wie in der Nachbarschaft, klare Linien. Das dezent zurückhaltende Ambiente lässt das Futter aber dafür um so mehr glänzen. Das finde ich ganz gut und eine willkommene Abwechslung zu den in Berlin so häufig anzutreffenden "gemütlichen" Brunch-Spots mit "Vintage"-Möbeln vom Trödel. Die Küche ist offen, man kann sich also nicht nur beim Anblick der Karte Appetit holen.
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6. Wie würdest du die Menschen in dem Laden beschreiben?

Als wir, dank Schienenersatzverkehr, endlich gegen 10.30 Uhr eintrudeln, gibt es noch diverse freie Tische. Eine halbe Stunde später ist das Chipps gerammelt voll (und wir auch).

7. Mit wem würdest du definitiv nicht hierher kommen und warum?

Also mit einem Date möchte ich mich nicht "am Morgen danach" auf den nüchternen Möbeln räkeln. ABER: Business-Brunch! Es ist in Busy-Business-Mitte, macht was her, schmeckt richtig gut und ist atmosphärisch sehr angenehm.
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8. Worüber habt ihr gesprochen?

Ich habe versucht, ein Taxi nach Mitte zu locken, bin nervös auf meinem Sitz hin- und hergerutscht, weil Flugangst, und war, ehrlich gesagt, nur damit beschäftigt, zu kauen und rechtzeitig wieder abzuhauen. Mangelndes Multitasking-Talent hat mich keine einziges Wort von Nora und Sophia mitschneiden lassen. Sorry.

9. Was hast du Neues über deine Schwester gelernt?

Sophia kann dir den idealen Sonntag ohne Kind zusammenstellen.

10. Das Beste an diesem Essen...

Die Sonne draußen. Sonst war alles auf gleich hohem Niveau.

11. Möchtest du noch etwas sagen?

Ach ja, der Soja-Kaffee war auch sehr gut! Keine Flocken.

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1. Sophia, erzähl von deinem Tag.

Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon aufgefallen, aber ich schlafe ganz gerne mal bei Maria. Das liegt zum einen an ihrer überaus gemütlichen Gästematratze, auf der Maria schlafen darf, während ich in ihrem noch viel gemütlicheren Bett schlafe. Zum anderen ist es super praktisch gemeinsam loszugehen, wenn wir am Wochenende frühstücken gehen müssen. Also eigentlich. Wäre da nicht die liebe Bahn und der Schienenersatzverkehr. Maria und ich brauchen locker über eine Stunde für einen Weg, den ich normalerweise in 20 Minuten wuppe (ist jeden Tag mein Weg zur Arbeit). Aber heute fahren wir Bus, noch mal Bus, dann noch ein bisschen Bus und weil es so schön war, dürfen wir zum Schluss noch eine Runde Bus fahren. Ich versuche Maria mit dem Köfferchen zu helfen, mache aber mal wieder alles kaputt. Maria ist sauer und ich schäme mich. SEV ist nicht schlau.

2. Wo habt ihr heute gegessen?

In der gruseligen Neubausiedlung in Mitte im absolut ungruseligen Chipps.
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3. Was hast du bestellt und wie hat das geschmeckt?

"Wollt ihr einen grünen Saft?" "JAAA!" Hände und Herzen fliegen durch die Luft. Mit Saft bekommt man uns ja immer. Am Wochenende gibt es im Chipps bis 17 Uhr Frühstück, also bestellen wir auch Frühstück. Ich gönne mir ein Bed Head, das sind zwei pochierte Eier, Bacon, Hollandaise auf Vollkorntoast. Der besondere Clou am Chipps: Bacon und Würstchen gibt es hier auch in einer veganen Variante. Da ich mich heute irgendwie sehr vegetarisch fühle, bestelle ich den Veggi-Bacon und bereue diese Entscheidung nicht. Nur die Hollandaise ist mir etwas zu schüchtern (ich mag es gerne etwas sauer). Ich bin echt sehr glücklich mit meinem Frühstück, schiele aber trotzdem das eine oder andere Mal auf den Teller von Fotografin Nora, die ein veganes "Green Horn" futtert. Nora meint, da sei zu viel Avocado drauf, aber ich verstehe das Problem nicht. So etwas wie "zu viel Avocado" gibt es doch gar nicht!? Nach diesem eher deftigen Frühstück haben Nora und ich allerdings noch Bock auf süß. Also gibt es noch eine Portion Waffeln. Diese sind eher säuerlich, nicht zu süß-klebrig und können nach Belieben mit Sahne und Obst gepimpt werden. Aus "nur mal probieren2 wird ganz plötzlich "huch, alles aufgegessen". Leider gibt es heute kein Mittag! Ich kann mir aber vorstellen, dass das auch ziemlich lecker ist.

4. Wie ist der Service dort?

Markus ist super lieb und aufmerksam. Wir checken routiniert die Service-Situation an den anderen Tischen und stellen fest: freundlich, sachlich, zügig und herrlich unruppig. Hier scheint man Wert auf guten Service zu legen.

5. Was gefällt dir an dem Laden besonders, was nicht?

Bohr, ist das schön hier! Ich stehe total auf offene Küche/Tresen. Überall brutzelt und brodelt es, es gibt ja so viel zu gucken und trotzdem nervt das Gewusel hinter dem Tresen nicht. Auch supertoll: die schwarze Decke. Extra Pluspunkte bekommt das Chipps für die Kennzeichnung vegetarischer und veganer Gerichte. Liebe Restaurants dieser Welt, ist es denn wirklich so schwer, das in der Speisekarte zu markieren? Ist es nicht! Also bitte machen. Danke! Auftrag an alle Leserinnen und Leser: Immer anmerken, dass solche Sachen markiert werden. Vielleicht ist es ja wie im Kaufland und ständiges Wiederholen der Missstände bringt etwas.

6. Wie würdest du die Menschen in dem Laden beschreiben?

Steht das Chipps eigentlich in allen Reiseführern dieser Welt? Ganz klar viel Touristen hier. Aber es ist auch Wochenende, die Zweitwohnungen der Neubausiedlung sind offensichtlich nur unter der Woche bewohnt und auch sonst ist hier in der Gegend nicht viel los. Trotzdem warten die Gäste teilweise 20 Minuten auf einen freien Tisch und um 11 Uhr ist es bereits knackevoll.

7. Mit wem würdest du definitiv nicht hierher kommen und warum?

Da hier auch an Veganer und Vegetarier gedacht wurde, fällt mir tatsächlich niemand ein, mit dem man hier keine gute Zeit haben kann. Vielleicht mal wieder Leute, die sich grundlos über Berlins "neue" Mitte aufregen. Get over it.
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8. Worüber habt ihr gesprochen?

Maria muss gleich fliegen und hat davor ein bisschen Angst. Deswegen redet Maria heute eher nicht so viel. Nora und ich hingegen planen den perfekten Sonntag ohne Kind (Nora ist Mama und hat heute frei). Ich schlage vier Stunden Abzappeln im Berghain vor und danach schön Kiezsauna in Friedrichshain. Berghain kann auch gegen Joggen eingetauscht werden, wenn dann aber alleine. Auf jeden Fall sollte Nora heute Eltern oder Kinder meiden. Maria muss ja leider schon früher los, also ist das heute eher ein Sophia-Nora-Date. Das war eh längt überfällig.

9. Was hast du Neues über deine Schwester gelernt?

Maria wird ganz still, wenn sie Angst hat.

10. Das Beste an diesem Essen...

Der Saft, das krassgute Wetter und das Avocadogebirge.

11. Möchtest du noch etwas sagen?

Wann sind eigentlich all meine Pflanzen gestorben? Okay, Planzen ist etwas übertrieben. Wann ist eigentlich mein Basilikum gestorben?

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Beim letzten Mal waren die Zwillinge im Probier Mahl essen. Alle Folgen 40 DAYS OF EATING gibt es hier.


Location: Chipps, Jägerstraße 35, 10117 Berlin
FotosNora Tabel
Text: Maria und Sophia Giesecke

Mit freundlicher Unterstützung von Fissler

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