Kunterbunt & solidarisch: Dieses Wochenende ist das Festival Offenes Neukölln!

Ein hoher Migrationsanteil und eine überproportionale Kriminalitätsrate, dazu eine einkommensschwache Bevölkerung, Clanaktivitäten, Gewalt & Armut: Neuköllns Bild in der Öffentlichkeit ist nicht das beste, "Problembezirk" ist hier noch eine der netteren Bezeichnungen, die in diesem Zusammenhang öfters mal fallen - gerne auch von Menschen, die noch nie hier waren und/oder zu allem Käse ihre Meinung loswerden wollen. Dass es sich um eines der am dichtesten besiedelten Innenstadtgebiete der Republik handelt, die Zahlen also auch nicht verwundern, ist da ja egal: Meinung bleibt Meinung.

Überraschung: Neukölln ist gar nicht so schlimm. Ganz im Gegenteil ist es überaus nett hier, vielleicht ein bisschen sehr urban, besonders in Nord-Neukölln, aber nett. Und es gibt viele tolle, versteckte Ecken wie das zauberhafte Rixdorf, den Schlossgarten-ähnlichen Körnerpark oder den Heidekampgraben. Und es gibt tolle Menschen, die diesen multikulturellen Bezirk mit Leben füllen. Es gibt Essen aus aller Welt, auf der Straße spricht man international, notfalls eben mit Händen und Füßen, zahlreiche Initiativen engagieren sich im öffentlichen Raum. Womit wir beim Punkt wären:

An diesem Wochenende ist das Festival Offenes Neukölln mit zahlreichen Veranstaltungen, das uns die Vielfalt des Bezirkes näher bringt: Ausstellungen & Kunst, Theater und Performances, Workshops, Panels, Führungen oder auch Livestreams!

© Offenes Neukölln

Und auch in diesem Jahr – der inzwischen schon vierten Auflage des Festivals – wird die Weltoffenheit des Bezirkes in den Mittelpunkt des Ganzen gestellt: Diskriminierung. Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie oder auch Nationalismus haben in unserer multikulturellen Gesellschaft einfach keinen Platz – und ebendieser Prämisse folgt das Programm:

Teilnehmer*innen können sich online über das tolle Projekt Refugio, das Einheimische mit Migrant*innen in Kontakt bringt, informieren. Sie können umsonst die Ausstellung in der alten Kindl-Brauerei besuchen oder am kunterbunten Straßenfest im Körnerkiez die Seele baumeln lassen. Engagierte können sich digital über die Vorraussetzungen informieren, wie man einen Stolperstein verlegt – und dann am Sonntag bei einem kleinen Rundgang die Schicksale hinter diesen Zeitdokumenten erkunden: Welch Schrecken haben jene Neuköllner*innen erfahren, denen hier gedacht wird?

Es gibt eine Fahrradtour für den Erhalt bezahlbaren Mietraums. Es gibt die Möglichkeit, zusammen mit anderen seinen Teil zu einem großen Kunstwerk beizutragen, Skate-Workshops für Jung und Alt oder auch die Möglichkeit, sich Textilien bedrucken zu lassen. Und so weiter und so fort.

© Offenes Neukölln

Klar, viele der Events finden in Nord-Neukölln statt, einige auch in Buckow, Gropiusstadt oder Rudow – aber ist das nicht eine perfekte Möglichkeit, um möglicherweise noch unbekannten Stadtteilen des tollen Bezirkes endlich einen Besuch abzustatten? Lohnen tut es sich auf jeden Fall.

Zum Schluss noch ein paar Worte: Eigentlich geht es hier nicht nur um die Veranstaltungen, um die Möglichkeit, endlich wieder etwas unternehmen zu können. Es geht um Neukölln, einen Bezirk, der so viel besser ist als sein Ruf. Es geht um die Menschen aus zahlreichen Nationen, die in dieser Gegend – teilweise über viele Generationen hinweg – ihre Heimat gefunden haben. Ein Festival wie Offenes Neukölln ist die perfekte Möglichkeit, Vorurteile und Feindbilder abzubauen, miteinander in Kontakt zu treten und zu zeigen, dass Neukölln vieles ist – langweilig ist es sicher nicht!

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