Better Police: Ein Berliner Polizist gründet eine neue Initiative, um die Polizei besser zu machen

© Borke Berlin

Wir haben ein Polizeiproblem. Besser gesagt: Wir haben ein Problem mit rassistischen Strukturen in der Polizei. Rechtsextreme Chats, Polizeigewalt, Verbindungen in die Reichsbürger*innenszene oder Social Profiling – von all diesen Vorwürfen haben wir in den vergangenen Jahren, Monaten und Wochen immer wieder lesen müssen. Wer jetzt noch sagt, die Probleme mit der Polizei, die gäbe es nur in Amerika, nicht aber bei uns, verschließt sich vor der Realität, die es auch hier gibt. Man könnte auch sagen: Diejenigen wollen nicht hinschauen, nicht erkennen, nichts besser machen.

Das alles sind längst keine "bedauerlichen Einzelfälle" mehr, wie die Vorkommnisse mancherorts noch immer vehement verteidigt werden. Es gibt Strukturen. Man fragt sich, was denn eigentlich noch passieren muss, bis den Tatsachen ins Auge geblickt wird. Die Tatsache jedenfalls, dass sich sogar unser Innenminister noch im vergangenen Jahr gegen eine von vielen (zu Recht!) geforderte und von einer unabhängigen Stelle durchgeführten Studie über Rassismus bei der Polizei wehrte, weil es laut ihm ja gar kein "Racial Profiling" in der Polizei gäbe, da das ja verboten sei, macht viele fassungslos und sauer.

Rechtsextreme Strukturen aufarbeiten und aufbrechen

Fassungslos ob der Kritikunfähigkeit vieler "Polizeivertreter:innen, Gewerkschafter:innen oder sonstigen Lobbyist:innen" ist auch Oliver von Dobrowolski, ein Berliner Polizist und ehemaliger Vorstand der Berufsvereinigung PolizeiGrün. Hier spricht jemand, der den täglichen Polizeidienst und die inneren Strukturen der Institution sehr genau kennt. Er ist inzwischen von seinem Amt zurückgetreten und hat sich jetzt dazu entschieden, eine gesamtgesellschaftliche und überparteiliche Initiative mit dem Ziel "einer reformierten, besseren Polizei, die sich an ihren ureigensten Auftrag – den Schutz aller Individuen und Rechtsgüter einer Gesellschaft – erinnert (...)" zu gründen.

Ergo, er möchte die Polizei besser machen.Um das zu schaffen, hat Dobrowolski die Plattform BetterPolice ins Leben gerufen. Die Initiative versteht sich als Anlaufstelle und Netzwerk für alle, die gemeinsam ein Ziel verfolgen: die Polizei zu reformieren. Jede*r, der oder die daran interessiert ist, unsere Sicherheitsbehörden zu einem bürger*innenfreundlichen, diskriminierungsfreien, weltoffenen, diversen und kritikfähigen Ort zu machen, kann sich bei BetterPolice einbringen.

Neben einer breiten gesellschaftlichen Unterstützung für eine verbesserte Polizei müssen gerade auch Polizeibeschäftigte adressiert und einbezogen werden.
Oliver von Dobrowolski, Gründer von BetterPolice

Betroffene und vor allem auch Polizeibeamt*innen selbst, Journalist*innen oder Künstler*innen – Menschen aus allen Bereichen sind dazu eingeladen, ihre Perspektiven, Fragen und Lösungsvorschläge kundzutun und zu teilen.

Ihr fragt euch, wie das Ganze funktionieren soll? Auf der Internetpräsenz ist zu lesen, dass es vielfältige Mittel und Möglichkeiten geben wird, um alternative Sichtweisen und moderne Ansätze zur Polizeiarbeit einzubringen. Das kann in Form von Kolumnen, Podcasts oder Videobeiträgen geschehen. Die Voraussetzung ist immer, dass alle Beiträge sachlich-kritisch verfasst werden. Dobrowolski Hoffnung: Ein Kollektiv aufzubauen, in dem viele Menschen getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" zusammen an einer besseren Zukunft arbeiten.

Für eine diskriminierungsfreie, weltoffene und diverse Polizei

Das, was Dobrowolski hier versucht, ist genau das, wozu unsere Sicherheitsbehörden und die Politik nicht oder nur viel zu langsam in der Lage sind. Nämlich: Sich weiterzubilden, sich zu hinterfragen und zu modernisieren. Aber nur so werden wir rassistische Strukturen durchbrechen und es in Zukunft besser machen können. Daran sollte uns allen gelegen sein. Und so ist dieser offene und parteiunabhängige Pool, der von jedem*r mitbefüllt und konsumiert werden kann, ein erster Schritt, in den Austausch und zum Umdenken zu kommen. Ein Schule quasi, in der wir alle lernen können.

Bei Twitter werdet ihr über spannende Insights der Polizeiarbeit, Gastbeiträge und Möglichkeiten der Beteiligung auf dem Laufenden gehalten. Schaut euch das auf jeden Fall mal an.

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