Stadt fragt Stadt #7: Köln, bricht für euch eine Welt zusammen, wenn Karneval abgesagt wird?

Mit Vergnügen gibt es in vier schönen Städten Deutschlands: Berlin, Hamburg, München und Köln. Wir Redakteur*innen sprechen via unserer digitalen Endgeräte beinahe jeden Tag und trotzdem bemerken wir immer wieder, dass wir die Eigenarten der einzelnen Städte gar nicht so gut kennen! Was bedeutet in Köln eigentlich Fründe? Was macht man, wenn man in Hamburg keine Fischbrötchen mag? Wieso ist Bier in Bayern ein Grundnahrungsmittel und wer hat eigentlich den Pfeffi erfunden, liebe Berliner*innen? Jede Woche könnt ihr jetzt unsere Antworten dazu lesen bei "Stadt fragt Stadt".

© Christin Otto

Ob für uns eine Welt zusammenbricht, wenn Karneval wegen Corona abgesagt wird? Wenn der Straßenkarneval, die vielen Kneipenfeiereien, der Rosenmontagszug und die Karnevalssitzungen nicht so wie jedes Jahr stattfinden könnten?

Klare Antwort: Jein!

Weil wir euch aber nicht mit so einer unbefriedigenden Antwort abspeisen wollen, sehen wir uns die Sache doch mal genauer an. Und widmen uns zuerst dem Ja: Natürlich bricht eine Welt zusammen. Karneval ist für die meisten von uns die schönste Zeit im Jahr – auch wenn das große Teile Deutschlands einfach nicht nachvollziehen können. Karneval ist Freiheit, Karneval ist Zusammenhalt, Karneval ist pure Freude am Leben und an unserer schönen Stadt.

Das alles genommen zu bekommen? Natürlich bricht da eine Welt zusammen. Zu dieser Zeit im Jahr würden wir normalerweise schon langsam auf den 11.11. hinfiebern – uns Kostüme überlegen, Pläne schmieden, die Karnevalsplaylist vielleicht einmal öfter zum Frühstück anmachen und wochenlange Vorfreude empfinden. 

Kölner*innen lieben ihren Karneval nicht nur, sie sind quasi eins mit ihm.

Während der Rest des Landes das Jahr in Frühling, Sommer, Herbst und Winter einteilt, warten wir kontinuierlich auf die fünfte Jahreszeit – und die schönste. Vielleicht können auch Nicht-Karnevalist*innen nachvollziehen, wie wir uns fühlen, wenn sie sich vor Augen führen, was ihnen dieses Jahr durch die Lappen gegangen ist. Das lang ersehnte Festival? Ein ganz besonderer Urlaub? Oder einfach nur ein ausgelassener Party-Sommer in der Stadt? Tja, so fühlen wir uns mit Karneval – nur ungefähr zehnmal so schlimm. Denn Kölner*innen lieben ihren Karneval nicht nur, sie sind quasi eins mit ihm. 

So richtig abgesagt ist der Karneval ja aber noch gar nicht – zumindest nicht komplett. Erste Karnevalszüge werden abgesagt, erste Vereine kündigen an, dass sie nicht an den Festivitäten teilnehmen werden – gleichzeitig werden jede Menge Ideen gesammelt, wie man Karneval vielleicht im Kleinen, mit Corona-konformen Konzepten, zumindest ein bisschen feiern kann. Straßenkarneval, Kneipenkarneval, ausgelassen und eng an eng die kölschen Lieder singen – sehen wir den Tatsachen ins Auge: Das wird es in den nächsten Monaten wohl nicht geben. 

Und wie erst kürzlich eine Studie ergab, finden das 86 Prozent der Deutschen auch gut so. Auch wenn wir Kölner*innen uns sicher sind, dass die verbleibenden 14 Prozent alle im Rheinland wohnen, sind wir ja auch nicht so karnevalsfanatisch, dass wir nicht realistisch bleiben können. Und zugegeben, unter diesen Umständen ganz normal Karneval zu feiern, wäre völlig verantwortungslos. 

Corona kann uns Kölner*innen vom Karneval abhalten, aber den Karneval nicht von uns.

Aber jetzt mal ehrlich: Bricht jetzt eine Welt für uns zusammen? Die andere Hälfte der kölschen Seele sagt: Nein! Denn wir wissen: Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot jejange. Und das Gefühl, das wir bekommen, wenn wir jedes Jahr am Ende der Karnevalssession mit unseren Freund*innen schunkeln, mit Fremden und Nachbarn „En unserem Veedel“ singen und das kölsche Herz so zu glühen beginnt, wie das Feuer, in dem am Veilchendienstag der Nubbel verbrannt wird – dieses Gefühl stirbt nicht so schnell, auch nicht bei einer pandemiebedingten Karnevalspause. Und so richtig absagen kann man den Karneval sowieso nicht.

Vielleicht fließt das Kölsch dieses Jahr zu Hause, die schönen Kostüme werden nur den Nachbarn präsentiert und die kölschen Bands treten nicht überall in der Stadt auf, sondern ertönen nur laut aus den geöffneten Fenstern im viel zu kalten Februar. Corona kann uns Kölner*innen vom Karneval abhalten, aber den Karneval nicht von uns. Und deshalb wird aus dem Jein am Ende dann doch ein ganz hoffnungsvolles Nein.

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