Nach den Wiedereröffnungen – Wie Restaurants & Cafés mit den neuen Lockerungen umgehen

© Milena Zwerenz

Als digitales Stadtmagazin und Foodblog interessieren wir uns dafür, wie es den gastronomischen Betrieben der Stadt in diesen schwierigen Zeiten geht. Wir fragen uns: Wie gehen sie mit den neuen Lockerungen um? Wie wird das Ganze bei den Gästen angenommen? Und können ihre Läden unter den aktuellen Gegebenheiten überleben? Wir haben für euch wieder ein paar Statements von Berliner Gastro-Akteur*innen gesammelt.

Bevor die Berliner Gastronomie am 15. Mai nach zwei Monaten wieder für den Publikumsbetrieb öffnen durfte, haben wir mit einigen Gastronom*innen der Stadt über die Probleme der vergangenen Wochen gesprochen. Im ersten Teil unserer Serie haben sie davon erzählt, wie sie die letzten Wochen erlebt und welche Unterstützungen sie erfahren haben. Außerdem haben sie uns verraten, was ihnen gerade am meisten fehlt.

Wie geht es jetzt weiter?

Nachdem sich für die Gastro mit der Wiedereröffnung einiges geändert hat, wollten wir sie nochmal zu Wort kommen lassen. Leoni Lencinas vom A Never Ever Ending Love Story in Charlottenburg, Rebecca Bassoff vom Estelle Dining in Prenzlauer Berg und Billy Wagner vom Nobelhart & Schmutzig in Kreuzberg haben uns einen Einblick in ihren derzeitigen (Arbeits)Alltag gegeben. Sie haben uns verraten, welche Veränderungen sie vornehmen mussten, wie es seitdem läuft und was ihnen jetzt Hoffnung gibt.

A Never Ever Ending Love Story in Charlottenburg

Leoni Lencinas (rechts im Bild) vom A Never Ever Ending Love Story hat uns ein paar Fragen zu der aktuellen Situation beantwortet und verraten, was ihr gerade Hoffnung gibt. Das Love Story unweit vom Savignyplatz ist ein beliebtes Frühstückscafé und zieht viele Tourist*innen an – diese fehlen aktuell in Berlin. Vor Corona musste man am Wochenende Schlange stehen (es gibt dafür eine extra Warteraum), um einen Tisch zu bekommen, heute sieht es anders aus.

Wie geht es euch gerade?
Ich will nicht lügen – es geht so. Man merkt einfach, dass Corona wirklich ernst ist. Nichts ist so wie vorher.

Sind die Maßnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um wieder öffnen zu können?
Also dank der Unterstreifen-Genehmigung geht das alles echt klar. Natürlich fehlen uns ein paar Plätze und die Tische im Café neu hinzustellen war recht kompliziert. Aber jetzt sind wir zufrieden und es sieht sogar ganz cool aus! Klar geht schon etwas an Atmosphäre verloren, aber das versteht aktuell ja jede*r. Mit Mundschutz zu arbeiten ist dagegen wirklich die Hölle und extrem unangenehm. Hut ab an alle Menschen, die die Schutzmasken berufsbedingt immer tragen müssen.

Wie läuft es seitdem?
Im Love Story läuft es wirklich gut, dafür, dass wir gerade erst wieder aufgemacht haben, Ramadan ist und wir keine Tourist*innen haben. Es ist dennoch viel ruhiger als sonst, das ist ein sehr komisches Gefühl. 

Wie werden die neuen Maßnahmen von den Gästen angenommen? Halten sie sich daran?
Total! Also jeder Gast hat Verständnis. Die Gäste fragen uns, ob sie auch Masken tragen müssen und verstehen auch, dass jetzt alles anders ist. Unsere Gäste nehmen es eher mit Humor, wenn wir das Kartengerät vor der nächsten Nutzung nochmal extra desinfizieren. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass Gäste einfach in unsere (sterile) Kellnerstation gefasst haben. Dann mussten wir erstmal alles in die Spüle geben und desinfizieren, aber das ist natürlich nicht schlimm. Die Situation ist ja für jede*n total ungewohnt.

Kann dein Laden unter den aktuellen Gegebenheiten überleben?
Solange kein zweiter Lockdown kommt, sollten wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Was gibt dir gerade Hoffnung?
Dass es jeden Tag besser wird und die Atmosphäre so gesehen total schön ist. Jede*r freut sich wieder raus zu können. Klar fühlen sich manche noch unwohl, aber das vergeht sehr schnell. Es ist schön, die Leute für einen kurzen Moment von der ganzen Corona-Krise abzulenken und ihnen ein Stück Normalität bieten zu können. Es geht wieder bergauf, das gibt mir auch Hoffnung.

Solange kein zweiter Lockdown kommt, sollten wir mit einem blauen Auge davonkommen.
Leoni vom A Never Ever Ending Love Story

Nobelhart & Schmutzig in Kreuzberg

Billy Wagner, Inhaber vom Nobelhart & Schmutzig, hat sich noch mal die Zeit genommen und uns ein paar Fragen zu der aktuellen Situation nach der Wiedereröffnung der Berliner Gastronomie beantwortet. Normalerweise muss man Wochen im Voraus reservieren, um einen Platz in seinem Restaurant zu bekommen. Aktuell sind die meisten Berliner Sternerestaurants nicht ausgebucht und und man bekommt sehr viel schneller einen Tisch.

Wie geht es euch gerade?
Wir müssen alle ganz neu lernen, wieviel Nähe und Abstand richtig ist. Wieviel Abstand stellt den anderen bloß und wieviel Nähe ist total übergriffig?

Sind die Maßnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um wieder öffnen zu können?
Ja, nicht viel, nur das wir jetzt weniger Gäste am Abend haben. Und das man allerspätestens um 19.30 Uhr kommen muss. Sonst schaffen wir unser Programm nicht mehr.

Wie läuft es seitdem?
Wir sind ausgebucht und die nächsten Wochen füllen sich gerade. Es ist gerade eine Zeit, in der man überall einen Tisch/Platz bekommt. Das war nicht immer so.

Wie werden die neuen Maßnahmen von den Gästen angenommen? Halten sie sich daran?
Ja, die meisten sind sehr umsichtig und halten sich dran. Aber manche versuchen die Regeln mit der zeitlichen Beschränkung auszureizen.

Es ist gerade eine Zeit, in der man überall einen Tisch bekommt. Das war nicht immer so.
Billy Wagner vom Nobelhart & Schmutzig

Kann dein Laden unter den aktuellen Gegebenheiten überleben?
Wir erstellen gerade einen Shop. In diesem werden die Gäste die Möglichkeit haben, Öle, Soßen, Eis, Sorbet, kleine Gerichte und eine ganze Mahlzeit nach Hause zu bestellen.

Was gibt dir gerade Hoffnung?
Die Gespräche mit meiner Frau. Sie ist ein toller Partner, um über Gutes und Schlechtes zu reden.

Estelle Dining

Wie geht es euch gerade?
Uns geht es gut. Wir freuen uns darauf, bald unsere Gäste und auch unser Team wieder komplett bei uns zu haben. Wir sind uns bewusst, dass es ein zweiter, etwas schwieriger Neuanfang wird, aber wir sind bereit dafür.

Sind die Maßnahmen für euch umsetzbar? Was musstet ihr verändern, um wieder öffnen zu können?
Im Innenbereich ist es nur schwer bis gar nicht umsetzbar, aber da wir den Sommer vor der Tür haben, können wir unsere Terrasse auf den Abstand ausrichten. Wir machen uns allerdings jetzt schon Gedanken, wie es danach im Innenraum weitergehen könnte.

Wie werden die neuen Maßnahmen von den Gästen angenommen?
Halten sie sich daran?

Das wissen wir noch nicht, da wir erst diesen Donnerstag eröffnen. Ich habe jedoch in den letzten Tagen durch Unterhaltung mitbekommen, dass viele Gäste gar nicht wissen, was die Regeln sind oder gar nicht wissen, dass Restaurants wieder geöffnet sind.

Kann dein Laden unter den aktuellen Gegebenheiten überleben?
Das ist schwierig zu sagen, für längere Zeit sicher nicht. Wenn er überlebt, dann nur durch Gäste, die uns unterstützen und eventuelle Wartezeiten und Fehler nicht so übelnehmen. Und mit sehr viel Eigeninvestition. Momentan decken die Einnahmen kaum die Kosten – und da sind unsere privaten Lebenskosten noch nicht mit eingerechnet. Eine weitere Belastung zu der finanziellen ist auch die Zeit, die wir momentan in das Restaurant investieren. Wir haben zwei Kinder, die nicht in die Kita gehen. Sechs Tage die Woche ein Restaurant zu leiten und nebenbei eine Familie, das geht auf Dauer nicht.

Was gibt dir gerade Hoffnung?
Unsere Gäste, unser Team und meine Familie.

Momentan decken die Einnahmen kaum die Kosten – und da sind unsere privaten Lebenskosten noch nicht mit eingerechnet.
Rebecca Bassoff

In den kommenden Tagen und Wochen folgen weitere Beiträge mit Stimmen aus der Gastro. Schon nächste Woche erzählen hier Sophie und Xenia von Rocket & Basil und Gastronom The Duc Ngo vom 893 Ryotei, Kuchi und Cocolo Ramen, was sich für ihre Läden nach den Lockerungen und der Wiedereröffnung verändert hat.

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