Japan trifft Libanon trifft Schweden: Fusion-Küche im O-Slow im Wedding

© Nora Tabel

Mein Herz hängt an gutem Essen, tollen Menschen und dem Wedding. Kommen alle drei zusammen, ist klar, dass man mich dort findet. Es ist kalt, dunkel und wir haben großen Hunger. Die perfekte Zeit also nach einem Bier-Tasting in Reinickendorf was Neues in der Schwedenstraße auszuprobieren. Der kleine, feine Laden von Mami, Wahid und Wissam scheint von außen unscheinbar, birgt aber eine liebevolle Oase aus Holz und traditionellen bunten Highlights. Gleich beim Betreten des Ladens wird man von einem leckeren Geruch und wildem Treiben an der offenen Küche begrüßt.

Die Plätze vorne sind was für Neugierige und Extrovertierte, weiter hinten gibt’s etwas mehr Rückzugsmöglichkeiten und Platz für intimere Gespräche. Wir suchen uns den schönsten Tisch aus, blockieren ihn mit Jacken und Taschen, bestellen das einzige Gericht, das es gibt einmal in "normal" und einmal in vegan und machen dann die Beine lang.

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Wir sind so hungrig, dass uns die fehlende Auswahl gerade recht kommt. Sich jetzt durch zehn Seiten Karte zu wälzen und vor Zerrissenheit ins Menü zu heulen, hätte meiner Begleitung und mir auf keinen Fall gut getan. Also warten wir jetzt gespannt und mit einem Weck-Glas Weißwein in der Hand auf unsere Gerichte.

Wahid erzählt uns derweil, wie die drei Freunde sich und zu ihrer Fusion-Küche gefunden haben. Das war nämlich 2015 auf dem Camp Cosmic Festival in Gotland, Schweden, wo sie das allererste mal zusammen ein libanesisch-japanisches Gericht an hungrige Festival-Mäuler verkauften. Das lief zwischenmenschlich, beruflich aber auch kulinarisch so gut, dass Mami, Wahid und Wissam zwei Jahre lang intensiv davon träumten, irgendwann damit sesshaft zu werden. Da das Universum eine große Portion Humor in petto hat, fanden die drei schließlich genau in der Schwedenstraße im Wedding ihren Standort, von dem sie jetzt ihre ungewöhnlichen Kombinationen unter die essverwöhnten (Wahl-)Berliner bringen.

© Nora Tabel
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Die gute Mami und ruhige Seele des O-Slow hat ihren Abschluss als Köchin an der Seishoku Kyokai Cooking School in Japan gemacht, die beiden Jungs sind leidenschaftliche Hobby-Köche, die wissen, wie anständiges Essen schmecken muss.

Jetzt kommt der Teller und wir freuen uns über die Bodenständigkeit der einzelnen Bestandteile. Wir haben alles schon mal gesehen, gegessen und heiß geliebt. Keine Überraschungen heute, nur von allem etwas, was wir mögen: Onigiri, Tabbouleh, Käse-Rolle und Nikujyaga aus Kartoffeln und Karotten. Das Ganze hat irgendwie Buffet-Charakter. Alles auf dem Teller funktioniert auch super einzeln und für sich gewürzt. Ich genieße jede geschmackliche Station und freue mich über die Zusammenstellung. Und ich bin in jedem Falle neugierig, wie die nächsten Gerichte sein werden, denn jeden Tag gibt’s hier im O-Slow was anderes auf den Teller. Langweile also ausgeschlossen!

© Nora Tabel
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Unbedingt probieren: Da es jeden Tag ein neues Gericht gibt, sollte man eigentlich grundsätzlich öfter mal sein abendliches Dinner im O-Slow zelebrieren.

Veggie: Alles ist mindestens vegetarisch, oft auch komplett vegan. Die lieben Leute richten aber auf Wunsch auch alles in vegan für dich her.

Besonderheit des Ladens: das DJ-Pult und das Waschbecken im Speiseraum. Für neurotische Händewascher*innen der place to be!

Mit wem gehst du hin: deiner Wahlfamilie und deinen Seelenverwandten.

Für Fans von: Fusion Kitchen mit einer großen Portion Charme und Gemütlichkeit.

Preise: ein Gericht kostet um die 7,50 Euro. Getränke gibt’s ab 1,50 bis 4 Euro.

O-Slow | Schwedenstraße 3 b, 13357 Berlin | Mittwoch – Samstag: 18–23 Uhr | Mehr Info

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