Diese interaktive Karte von Mietenwatch zeigt dir, wo du dir Berlin noch leisten kannst

© Felix Kayser

"Du bist so kostbar wie zwei Zimmer Altbau für unter 1.000 Euro warm." Diese Liebeserklärung haben wir vergangenes Jahr für alle Berliner*innen geschrieben. Und sie könnte auch heute kaum aktueller sein, denn die Wahrscheinlichkeit eine (Altbau-)wohnung innerhalb des Rings zu diesem Preis zu finden, ist inzwischen so gering, dass sie unter Berliner*innen schon fast die berühmte und abgedroschene Nadel im Heuhaufen ersetzen könnte. Wie prekär die Berliner Mietlage tatsächlich ist, beweisen die neuen Ergebnisse von Mietenwatch, einem vom Ministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt, das über 18 Monate hinweg 80.000 Online-Wohnungsinserate untersucht hat.

Vor allem Single-Haushalte haben es schwer, denn mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von rund 1.375 Euro sind es lediglich 4,4 Prozent der Wohnungsangebote innerhalb des S-Bahnrings, die noch leistbar sind. Leistbar definiert Mietenwatch so, dass nicht mehr als 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Wohnungsmiete inklusive aller Betriebs- und Nebenkosten ausgegeben werden. Noch schwieriger ist die Wohnsituation nur noch für Haushalte mit fünf oder mehr Bewohner*innen, denn in den untersuchten 18 Monaten wurde für solche Haushalte mit einem durchschnittlichen Netto-Haushaltseinkommen von 3.000 Euro keine einzige passende Wohnung inseriert.

Single-Haushalte mit einem Nettoeinkommen von rund 1.400 Euro können sich nicht einmal fünf Prozent der Wohnungsangebote innerhalb des S-Bahnrings leisten.

Berlin für alle? Wo könntest du wohnen?

Aber wo kann man sich Berlin denn noch leisten? Eine interaktive Karte von Mietenwatch zeigt es dir. Du kannst hier das Netto-Haushaltseinkommen sowie die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen eingeben und dann wird dir angezeigt, wie viele der rund 80.000 untersuchten Inserate du dir in den jeweiligen Stadtteilen hättest leisten können – die Wahrscheinlichkeit, dass du sie am Ende auch bekommst, wird hier natürlich nicht berücksichtigt. Die Untersuchungen sind nicht nur alarmierend, sondern auch niederschmetternd. Berlin für alle? Inzwischen wohl eher: Berlin für alle, die mehr als 4.000 netto verdienen.

Und natürlich ist das jetzt keine wahnsinnige Neuigkeit. Die Besonderheit von Mietenwatch ist aber, dass sie nicht nur den prekären Ist-Zustand berücksichtigen, sondern sich auch mit möglichen politischen Maßnahmen wie dem hoffentlich im Januar 2020 in Kraft tretenden Mietendeckel auseinandergesetzt haben: Diese interaktive Karte zeigt, welche Auswirkungen der Mietendeckel auf die 80.000 untersuchten Inserate hätte, Spoiler: ziemlich große. Wir werden den Berliner Wohnungsmarkt beobachten, können durch die detaillierte Analyse der Mietenwatch allerdings noch einmal mehr verstehen, weswegen ein alter Mietvertrag in Berlin immer noch Gold wert ist.

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