Die Headliner des Lollapalooza 2019 sind da – und schon wieder sind alle männlich

© Patrick Roddelkopf

Soeben wurden die ersten Acts für das diesjährige Lollapalooza Festival bekanntgegeben. Nachdem die Berliner Ausgabe des amerikanischen Mutterfestivals anfangs vom Flughafen Tempelhof in den Treptower Park und dann auf die Rennbahn in Hoppegarten umzog, soll sie 2019 zum zweiten Mal in Folge im Berliner Olympiastadion und dem angrenzenden Olympiapark stattfinden.

Schon im letzten Jahr sorgte das Line-up bei vielen Besucher*innen eher für Irritationen als für Begeisterungsstürme – mit DJs wie David Guetta oder Kygo kann man die meisten Berliner*innen anscheinend nicht so richtig vom Hocker hauen. Und auch dieses Jahr fällt beim Anblick der angekündigten Bands vor allem eines auf: Frauen sind kaum vertreten, die Headliner sind mit den Kings of Leon, Swedish House Mafia, Twenty One Pilots, Martin Garrix und Kraftklub bisher sogar ausschließlich männlich. Ein weiterer Headliner wird noch hinzugefügt – sollte das dann ganz vielleicht, eventuell, sogar ein weiblicher Act sein? Quasi als große Überraschung?

Hatten wir diese Diskussion nicht gerade erst? Es ist doch noch gar nicht so lange her, dass die Veranstalter des Hurricane-Festivals viel Kritik dafür ernteten, dass in ihrer ersten Line-up-Ankündigung für 2019 unter 25 Acts keine einzige weibliche Künstlerin zu finden war. Es wäre nicht so abwegig zu denken, dass die Debatte die Veranstalter anderer Festivals dazu angeregt haben könnte, bei der Zusammenstellung ihrer Line-ups ein wenig mehr Wert auf Diversität zu legen. Denn so männlich wie die Headliner sind, geht erstmal auch der Großteil des restlichen Line-ups weiter. Zwar sind unter den kleineren Bands auch einige weibliche Künstlerinnen vertreten – unter den ersten 20 Acts, die auf der Website aufgelistet werden, finden sich mit Billie Eilish, Princess Nokia und Courtney Barnett jedoch zunächst nur drei Frauen. Gibt es keine anderen? Und überhaupt, waren die Kings of Leon nicht sogar schon beim Lollapalooza 2016 als Headliner dabei?

Dass die Musikindustrie extrem von männlichen Acts dominiert wird, ist nichts Neues. Schon im letzten Jahr betitelte der rbb Berlins größtes Festival als “Schniedelpalooza” (ja, wirklich): 2018 lag der Anteil rein männlicher Acts im Line-up bei 80 Prozent, 2016 waren es sogar ganze 91 Prozent. Veranstalter beklagen oft, es gebe einfach zu wenige erfolgreiche weibliche Acts. Da stellt sich aber doch trotzdem die Frage: Warum ist das so? Es gibt mittlerweile diverse Studien, die zeigen, wie schwer es Frauen in der Musikbranche haben. Wenn es für Veranstalter so schwer ist, weibliche Künstlerinnen zu buchen, muss sich von Grund auf etwas ändern. Und vielleicht wäre es ja schonmal ein Anfang, die Headliner eines großen Festivals wie dem Lollapalooza nicht mit 80 oder 90 Prozent Männern zu besetzen.

Empfohlener redaktioneller inhalt

An dieser Stelle findest du einen externen Inhalt, mit dem wir den Artikel bereichern.
Du kannst ihn dir mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden.
Beim Laden des Inhalts akzeptierst du die Datenschutzerklärung.

Sags deinen Freunden: