Unsere 11 Kunsttipps für den September 2019

Bitte den Gurt anlegen: das Tempo zieht wieder an, die Sommerferien sind endgültig vorbei. Die Messe Art Berlin holt im September wieder die internationalen Größen der Kunstwelt – und jene die es werden wollen – in die Stadt. Der Berlin Art Prize rückt zum sechsten Mal in Folge junge Talente ins Licht. Unbekannte und halb verfallene Orte werden entdeckt und wiederbelebt. Also: Badelatschen aus, bequeme Laufschuhe an (alternativ die extravaganten Stilettos), Haare hochstecken und los geht's. Viel Vergnügen da draußen!

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Bild: ALLESANDERSPLATZ, Haus der Statistik, Berlin 2019, Foto: Victoria Tomaschko STATISTA Projektwoche

Allesandersplatz. Eben dieser Schriftzug prangt aktuell über dem Haus der Statistik. In die Baracke am Alexanderplatz, die wir quasi über viele Jahre hinweg beim Verfall beobachten konnten, scheint wieder Leben einzukehren. Dafür sorgt eine Gruppe Kulturschaffender mit einer klaren Vision: Bereits 2015 verkündete die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser die Errichtung eines Zentrums für soziokulturelle Zwecke.Von Mai bis Dezember diesen Jahres untersucht das Projekt STATISTA wie gemeinwohlorientierte Kooperation hier gelingen kann. Zu den hochkarätigen Beteiligten zählen unter anderem das ZK/U, KW Kunstwerke, raumlabor, Labrk3000 und Bernadette La Hengst.

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© Art Berlin Fair Art Berlin 2019

Wie alles andere ist auch die Kunstwelt unaufhaltsam in Bewegung. Neben immer neuen Künstlern bringt sie fortlaufend neue Arten der Präsentation hervor. Die Messe "Art Berlin"  überlässt diesen Entwicklungen freien Raum: Die klassischen Galerieauftritte ergänzend, geben Formate wie Special Projects und Salon besonderen Einzelpositionen und Orten eine Bühne. Und so kommen wir in den Genuss auch mal Illustratives des Berliner Stefan Marx bei Karin Guenther und Ute Parduhn zu entdecken, sowie Projekte wie Spike, bekannt für das regelmäßig erscheinende  Printmagazin und die Performance Agency mit einer Luftburg, die die performative Bespielung sorgen. Ein bunter Rundumschlag dessen, was aktuell in der Kunst so los ist.

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David O’Reilley: Eye of the Dream © Michael Nast Immersion am Mariannenplatz

Der Dome – nicht zu verwechseln mit The Dome – kehrt zurück auf den Mariannenplatz. Die Struktur entführte euch schon im letzten Jahr in die visuelle Unendlichkeit. Das Konzept wurde mit und für das Planetarium Hamburg entwickelt, entsprechend immersiv wird es. Künstlerin Agnieszka Polska bedient sich Albert Einstein’s Theorie des „happiest thought“ um ein umfassendes Artensterben vor Millionen vor Jahren zu re-inszenieren. Das Kollektiv Metahaven reflektiert über den Lauf des Lebens. Außerdem kollaborieren der Sound Artist Robert Lippok und Lucas Gutierrez, um sämtliche Grenzen vor unseren Augen und in unseren Ohren verschwimmen zu lassen.

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The Very Hungry, 2019. Courtesy of the artist Berlin Art Prize 2019

Nach fünf Gruppenausstellungen gönnt sich die Berlin Art Prize in ihrer sechsten Ausgabe was Neues. Anstelle einer zentralen Ausstellung werden die neun Nominierten an neun unterschiedlichen Orten ausgestellt. Zusätzlich lohnt sich ein Blick ins Begleitprogramm. Am 14.September wird beispielsweise, den 30.Jahrestag des Mauerfalls zum Anlass nehmend, mit Blick auf die Mediaspree gefragt, wie Gemeinschaften und Räume für die Kunst erhalten bleiben können. Ein Anliegen, das dem Berlin Art Prize ja neben einigen anderen ein sehr wichtiges ist.

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Annika Rixen - We Are Compost, 2019 © Kinderhook & Caracas The Garden Bridge im Brücke-Museum

Noch einmal Kinderhook & Caracas. Der von Sol Calero und Christopher Kline geleitete Projektraum ist nicht nur ein Ausstellungsort des Berlin Art Prize: das Duo kuratiert auch die Outdoor-Ausstellung The Garden Bridge im Garten des Brücke-Museum. Inspiriert von der namensgebenden Künstlergruppe Brücke aus dem Jahr 1905 werden Skulpturen und Performances zeitgenössischer Künstler*innen gezeigt, die die Idee der Kunstbewegung fortschreiben und in deren Tradition mit der Natur interagieren.

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© Ai Weiwei, courtesy the artist, Lisson Gallery and neugerriemschneider, Berlin, Foto Marjorie Brunet Plaza Ai Wei Wei bei Neugerriemschneider

Ai Wei Wei wurde nicht glücklich in Deutschland. Darum tauscht er, auf der Suche nach mehr Offenheit, bald Berlin gegen Cambridge. Vorweg zeigt Neugerriemschneider aber noch „Roots“, eine Serie von Skulpturen aus Eisen, die Ai Wei Wei von unterschiedlichen Baumwurzeln gefährdeter Arten in Brasilien gegossen hat. Vor dem Hintergrund der derzeitigen katastrophalen Brände dort, gewinnt das Werk zusätzlich an politischer Kraft.

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© bauhaus100 Bauhauswoche Berlin

Die bauhauswoche lässt mit einem Programm für Kopf und Körper die Tradition und Rituale der legendären Schule aufleben. Geboten wird morgendliches Yoga auf besonderer Architektur, wie es schon die Studentinnen der Schule taten. Screenings, Lesungen und Musikformate in der ganzen Stadt zelebrieren außerdem die Rolle von Musik für das Bauhaus, ihre Transdisziplinarität, ihren Einfluss auf das Stadtbild und ihre Legenden. 

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Materialien für die visual identity der 11. Berlin Biennale. 
Foto: Till Gathmann Housewarming Biennale

Nächstes Jahr kommt die Biennale wieder nach Berlin. Das Vorglühen kann also beginnen - Housewarming heißt das etwas formeller. Auf dem ExRotaprint Areal bezieht die Biennale schon jetzt mit der Ausstellung „exp. 1: Das Gerippe der Welt“ das Erdgeschoss. 

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© Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Kommunale Galerien Kunstwoche

Unter dem Mantel der Kommunalen Galerien verbinden sich 32 Galerien, darunter der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, der Bärenzwinger und das Schloss Biesdorf. Zur Kunstwoche werden diese mit Lesungen, Performances und Konzerten bespielt. Und um deren Besuch zu erleichtern organisiert der Verband am 1.September kostenlose Bustouren verschiedener Routen. Am 7.September endet die Kunstwoche dann mit dem Party-Format KGB Sounds, mit DJ Marlene Stark, „ Part art. Part cult. Part trash.“

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Pablo Picasso: Piano (I), 1920 / Thomas Scheibitz: Möbel im Tal, 2016 © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 / Jens Ziehe [Picasso] | © Thomas Scheibitz / VG Bild-Kunst, Bonn, 2019 / courtesy the artist [Scheibitz] Thomas Scheibitz im Museum Berggruen

Thomas Scheibitz schaut gern in die Vergangenheit. Die Arbeiten des deutschen Malers sind meist Referenzen der Kulturgeschichte –  vor allem der Kubismus hat es dem Maler angetan. Es sei die radikalste und prägendste Strömung der Kunstgeschichte. Das Museum Berggruen, dem großen Picasso und seiner Zeit gewidmet, stellt jetzt den noch jüngeren und den Altmeister gegenüber und untersucht deren Gemeinsamkeiten. Die finden sich vor allem in der visuellen Sprache: die Flächigkeit und Lebhaftigkeit lassen die Gemälde zu architektonischen Skulpturen werden.

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Laure Prouvost bei carlier | gebauer

Der französische Pavillon von Laure Prouvost auf der diesjährigen Biennale in Venedig zählte eindeutig zu den Besten. Die Dramaturgie des Raumes, vom Moment des Betretens bis zum Verlassen und darüber hinaus, war überwältigend. Man fand sich in einer absurden Parallelwelt wieder, in der man allerdings mit sehr realen Problemen konfrontiert wurde: der Klimawandel. Bei carlier | gebauer erschafft Prouvost nun mit Elementen des Pavillons eine Oase zum ruhen, entspannen, reflektieren und erinnern.

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