Aufregerthema 2.0: Sind E-Scooter die neuen Endgegner für Berliner?

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Vor dem inneren Auge sieht die Entwicklung fast so schön wie die Evolution der Menschen aus: Erst war da ein kleines, mickriges Skateboard, dann wurde eine Stange mit Griff vorne dran geklatscht – et voilà der City-Roller war erfunden. Und jetzt kommt der elektrisch angetriebene Scooter. Was hier kulturgeschichtlich höchst fragwürdig aufgezählt ist, könnte sich aber genau so im Berliner Straßenverkehr manifestieren. Lange Zeit lag die Vermutung nahe, die Segways wären der heilige Gral der nachhaltigeren wie zackigeren Fortbewegung. Doch irgendwie wurden diese von Touristengruppen okkupiert und nun wird die Hoffnung aller Pendler, Studierenden, Workaholics und Hipster in die E-Scooter gesteckt. Doch aktuell kann man nur von einem Roller-Alltag in doppelter Geschwindigkeit tagträumen.

Denn erst am 17. Mai 2019 will der Bundesrat darüber entscheiden, ob die E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde auf Gehwegen erlaubt sein werden oder nicht. Generell hat die Bundesregierung zwar den Weg für die neue Technik freigemacht, aber nun werden sich die Köpfe darüber heißgeredet, wo sie nun am besten aufgehoben wären. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der CSU sieht da auf den Gehwegen überhaupt keine Probleme, aber nicht jeder wirkt bei dem Thema so entspannt wie er. Längst ist rund um die Tretroller mit Elektroantrieb eine emotionale Debatte entfacht. Deutschlandweit fanden bereits Demos statt, um das zu stoppen, was in der Politik als „Mobilität der Zukunft“ bezeichnet wird.

Die Zukunft, die nicht jeder will

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Aber wie schlimm ist die rollende Zukunft denn nun wirklich? Fußgänger beschweren sich, dass schon für sie der Platz auf dem Gehweg zu eng sei. Dabei sollte eine Person locker neben den insgesamt ja sehr schmalen Roller passen. Eine ganze Familie müsste da schon eher bei einem vorbei düsenden Scooter ausweichen. In Schweden gehören die modernen Gefährten bereits zum Stadtbild und verdeutlichen, wie ernst es dem Land mit der sogenannten Mobilitätswende ist und dass es tatsächlich Möglichkeiten der Co-Existenz aller rollenden Arten gibt. Um die laufende Masse zu entlasten, können die Gefährten dort mit 20 km/h auch den Radweg entlang cruisen.

Ein Problem, das bleibt und vor dem nicht mal die Schweden geschützt sind: Die Dinger werden kreuz und quer abgestellt. Es sind eben keine Autos und auch keine Fahrräder, also nimmt man das Parken weniger ernst. Mal hier hingeworfen, mal da gegen einen Baum gestellt. Ein echter Plan muss her. Genauso wie mehr Infos zum Fahren mit den Scootern. Bisher gibt es vor allem die Aussage, für die Nutzung bräuchte jeder eine gültige ABE-Betriebserlaubnis. Die würde nur ausgehändigt werden, wenn die Geschwindigkeit dem Gesetz entsprechen würde und ein vernünftiges Lichtsystem verbaut sei. Aber wie steht es um weitere Regeln, Rechte und Pflichten für die so futuristisch herumkurvenden Verkehrsteilnehmer? Heißt easy von A nach B kommen im Fall des E-Scooters auch einfach immer den kürzesten Weg nehmen – egal, ob da eine Grünfläche dazwischen ist? So revolutionär diese Technologie ist, so viel Chaos könnte sie bedeuten.

In Schweden gehören die modernen Gefährten bereits zum Stadtbild und verdeutlichen, wie ernst es dem Land mit der sogenannten Mobilitätswende ist und dass es tatsächlich Möglichkeiten der Co-Existenz aller rollenden Arten gibt.

Selbst wenn es gerade noch keinen Beschluss für Deutschland gibt, kann vereinzelt schon die Tech-Neuheit in der Öffentlichkeit entdeckt werden. Tippt man bei Amazon mal das Zauberwort ein, werden einem mühelos zig Ergebnisse auf einer Preisspanne von 250 bis 600 Euro ausgespuckt. Und wer mal das Thema googelt, erfährt auch, dass es schon zu Zusammenstößen von Autos mit E-Scootern gekommen ist. Was direkt zu den nächsten Fragen überleitet: Wie sollte sich beim Fahren richtig gekleidet werden? Ist ein Helm von Nöten? Knie- und Ellenbogenschützer? Vorgeschrieben ist aktuell nichts von dem. Wichtig ist, dass eine ausreichende Haftpflichtversicherung vorliegt und dazu ein gültiges Versicherungskennzeichen vorhanden ist. An der Informationsfront ist echt noch Luft nach oben.

Viele Vorteile, aber auch viel Klärungsbedarf

Es fällt gar nicht schwer, sich ein Berlin voller E-Scooter vorzustellen. Das Fahrrad hat einen Platten und die Luftpumpe ist abhanden gekommen? Kein Problem. Die BVG streikt? Auch kein Ding, nimmt man halt den Roller. Die sind ja auch so schön faltbar und im Bestfall kann man sie hinter sich herrollen, ganz wie einen Koffer. Nur ist hier eben alles etwas leichter und das Gewissen obendrauf auch noch, da die E-Scooter ein umweltfreundliches, abgasfreies Fortbewegungsmittel sind. Und wenn beispielsweise das Mieten genauso problemlos funktioniert wie das Leihen von Rädern in der Hauptstadt, wäre das von Vorteil.

Dennoch sollte unter Hochdruck daran gearbeitet werden, dass Lösungen für u.a. die Platzproblematik in der Stadt gefunden wird. Die Vorsitzende der Länder-Verkehrsminister, Anke Rehlinger (SPD), lenkte bereits ein, dass zukünftig auch mal auf so manche Autospur verzichtet werden müsse, wenn bald mehr elektronisch betriebene Gefährten über Geh- und Fahrradwege rattern würden. Der Ansatz ist zumindest schon mal da. In Sachen Sicherheit muss aber noch eine Menge passieren. Denn nur weil die Straßen zur "safen Zone" werden, sollten nicht die anderen Wege unsicherer werden. Einen Führerschein benötigt nämlich niemand, der sich so ein neues Teil shoppt.

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