Berliner Parks: Schön ist das nicht

© Marit Blossey

Wenn Landeier wie ich ihre Ruhe haben wollen, ziehen sie sich entweder in den privaten Wohnraum zurück, suchen die Weite der Natur oder backen ein Brot. Wenn Berliner*innen sommertags die Ruhe suchen, fahren sie in den hoch gelobten, heiß geliebten Garten, respektive raus — "da haste was Eigenes". Und wenn Landeier im Berliner Sommer ihre Ruhe haben wollen, gehen sie in den Park.

Fataler Fehler. Allein das Wort löst bei mir Beklemmungen aus. Angst davor, versehentlich in Spritzen, Scherben oder Scheiße zu treten oder unfreiwillig mit einer ganz, ganz lieben Dobermann-Hündin zu knutschen. Angst vor viel zu schnellen, dennoch zulässigen Vehikeln, die mich und diverse Kleinkinder über den Haufen fahren. Nein, ich möchte das nicht. Ich hasse Parks.

Ich hasse Parks. Allein das Wort löst bei mir Beklemmungen aus.

Ihren Höhepunkt findet meine Aversion, wenn Freund*innen die Abendplanung oder ganze Geburtstagspartys in den städtischen Grünanlagen verwirklichen wollen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Auf Decken sitzen (hoffentlich sitzt ihr auf Decken!) macht Rückenschmerzen. Man kann nicht gut Pipi machen gehen. Wenn man Pipi machen gehen muss, ist es weit weg, kostet Geld oder man kann die Hände nicht waschen. Wenn du wiederkommst, ist dein Getränk warm wie Pipi. Eventuell riecht es auch nach Pipi. Ihr versteht. Irgendwann rast dir ein sehr energischer Terrier über die eingeschlafenen Beine und du wirst melancholisch, weil die beiden Jungs eine Decke weiter was zu kiffen haben. Denn bekifft wäre es vielleicht etwas netter, auf verkokelten Rasen und kränkliche Kastanienbäume und zu starren.

Britzer Garten! Ein Rentner- und Familienparadies. So gepflegt, so groß, Kioske an jeder Ecke, Toiletten. Ein Kneipp-Becken für die erschöpften Arme freier Autorinnen.

Nächster Punkt: Nahrungsaufnahme, ähnlich ätzend wie der Trinken-Pipi-Kreislauf. Mehr als ein Balisto geht nicht, für mich ist es vergleichbar mit Autofahren. Um eine Pommes zu essen, fahren wir bitte raus, ich kann das so nicht, danke.

Natürlich grillt alle Welt überall, und es ist mir total egal, was sie grillen, es nervt mich, weil sie es gern tun und nicht erkennen, wie umständlich und unattraktiv das ist. Gekrönt werden derartige "Grillen in Parks" nur von der mobilen Musikbox, die gefühlte 20 Hektar mit "Is’ mir scheißegal, ich find die Mukke geil"-geiler Mukke bepumpt. Da will ich hingehen und dagegen treten. Dann den Grill umtreten und auspinkeln. Den ganzen verfluchten Park abfackeln. Aber das wär' ja auch traurig, denn das Grün ist schließlich sehr nett, so an sich. Wenn nur die Menschen nicht wären. (Denkt das Grün sich wahrscheinlich auch manchmal.)

Außerdem bin ich ja eh nicht im Park, sondern zu Hause und backe Brot. Und wenn ich doch unbedingt vor die Tür muss, dann geh ich eben auf den Friedhof. Ruhe, Frieden, mit liebevoller Hand bepflanzte Beete. Kaum Menschen, keine domestizierten Tiere. Mal ein Specht, ein Eichhörnchen, die letzten Bienen. Grüne Seligkeit. Ein echter Life-Hack, wo man ihn am wenigsten erwartet. Triffste wen, guckste betreten und schlenderst mit den Händen auf dem Rücken langsam weiter.

Ruhe, Frieden, mit liebevoller Hand bepflanzte Beete. Kaum Menschen, keine domestizierten Tiere.

Und wenn ich mal richtig was erleben will: Britzer Garten! Ein Rentner- und Familienparadies. So gepflegt, so groß, Kioske an jeder Ecke, Toiletten. Ein Kneipp-Becken für die erschöpften Arme freier Autorinnen. Kletterrose "Dortmund" zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen und im Hexengarten lerne ich, dass Oregano die Libido anregt. Oregano, das heißt von Pizza wird man scharf, denke ich, und Schafe schmatzen mich an. Ich will es. Ich will dich, Bundesgartenschau von 1985. Und all deine Schwestern im ganzen Land. Denn Berliner Parks find' ich einfach nicht schön.

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