Unsere 11 Kunsttipps für den August 2019

Die Schulferien neigen sich dem Ende zu, die Galerist*innen wischen sich langsam den Sand vom Körper. Jetzt ist eure Chance, noch mal jene Ausstellungen zu sehen, die zum Kunstherbst im September ausgetauscht werden. Ich führe euch von Gentrifizierung, über Umwelthemen bis hin zur Quantenphysik. Und sogar beim Zirkus stoppen wir. Viel Vergnügen dabei!

1

Kathryn Andrews, Circus Empire, 2019, Ausstellungsansicht. Photo: Roman März, Courtesy the artist, KÖNIG GALERIE Kathryn Andrews in der König Galerie

Treten Sie ein! Der Zirkus ist da! Kathryn Andrews hat eine Arena geschaffen, in der die Unterhaltungskultur und Kunstwelt auf die Schippe genommen werden; denn diese, und das will Andrews uns bewusst machen, dominieren unser Leben – mal mehr, mal weniger subtil. Richard Nixon begrüßt die Besucher. Diese können anschließend am "Picasso Trace Buzzer" per heißem Draht die Stierzeichnung des Meisters nachmalen, und stoßen in unmittelbarer Umgebung auf eine Art Glücksrad, das die großen und kleinen Fragen des Lebens stellt und uns dabei zum Nachdenken bringt. Wie frei sind wir wirklich? 

2

Frances Stark, Reading Edward Said’s Representations of the Intellectual from 1994, 2019 © Galerie Buchholz Frances Stark bei Galerie Buchholz

“Great usage of bad filmmaking”, sagte Schauspieler und Filmemacher Will Ferrel über seinen Film Case de mi Padre und dessen Aneignung durch die Künstlerin Frances Stark. Stark bedient sich gern der Stimmen anderer, referenziert dabei oftmals Kunstgeschichte aber auch Kultur im weiteren Verständnis. Sie äußert Kritik, indem sie lenkt, wie wir die Produkte der kommerziellen Kulturindustrie sehen. Oftmals liegt ihr Fokus dabei auf der Black Culture und deren Aneignung. Dafür spickt sie ihre Collagen, Malereien, Videoarbeiten und Performances auch mal mit Zitaten der Meister des HipHop Tupac, Dr.Dre oder Ice Cube.

3

Luca Pozzi, Ausstellungsansicht bei Fuksas’s Nuvola. Photo Credit: Ted X Roma / Francesca D’angelo Materialize im STATE Studio

STATE Studio und Fraunhofer Headquarter Communication laden ein zur künstlerischen Reise durch die Quantenphysik, eine für den gemeinen Menschen vollkommen unlogische Lehre. Die Künstler*innen, Forscher*innen und Techniker*innen Andreas Jungk, Luca Pozzi, Olaf Schirm und Marta Gilabert Basset versuchen euch diese mit ihren Ansätzen zu Zeitreise, Teleportation und Robotik näher zu bringen. Im Groben befasst sich die Quantenphysik mit den kleinsten Teilchen um uns herum. Eine Annahme ist beispielsweise, dass diese keinen Weg gehen müssen wenn sie von A nach B gelangen wollen. Keine Grenzen für die Materie? Mehr wissen und begreifen wir vielleicht nach dieser Ausstellung. 

4

© David von Becker Preis der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof

Ein regelmäßiges Highlight im Berliner Kunstkalender: die Nominierten-Ausstellung des Preis der Nationalgalerie. Anne Imhoff, Agnieszka Polska und Cyprien Gaillard trugen in den Vorjahren die Trophäe mit nach Hause. Dieses Mal sind drei Frauen und ein Mann nominiert, alle unter 40 und in Deutschland wohnhaft: Pauline Curnier Jardin überzeugte die Jury mit ihrer humorvollen Auseinandersetzung mit den Themen Gender, Identität und Queerness. Simon Fujiwara befasst sich mit dem Menschsein im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund des Hyperrealismus. Flaka Halitis Skulpturen greifen die Themen Migration und Mobilität, mit Fokus auf die europäischen Grenzen auf. Und Post Internet Art Künstlerin Katja Novitskova beobachtet die Verwandlung organischer Körper in digitale Daten.

5

© Studiolo What goes around comes around im Studiolo

Die Karma-Show: What Goes Around Comes Around tut Gutes. Werke von Berliner Designer*innen, Künstler*innen und Fotografen*innen werden für einen Abend ausgestellt und für 100 Euro pro Stück verkauft. Die Einnahmen gehen zu 100% an die Organisation One Happy Family, die Geflüchtete unterstützt und ein gleichnamiges Gemeinschaftszentrum auf der griechischen Insel Lesvos betreibt. Packt ein paar Scheine mehr ein, denn die Teilnehmer*innenliste kann sich echt sehen lassen: Bettina Krieg, Michael Sailstorfer, Julius von Bismarck, Christian Hoosen, Monja Gentschow, SuperBlast, Somethingfantastic, und und und.

6

Hito Steyerl, Leonardo’s Submarine, 2019 © Esther Schipper Christoph Keller, Hito Steyerl, Tao Hui bei Esther Schipper

Esther Schipper vereint in dieser Gruppenausstellung drei Künstler*innen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Identität und Migration befassen: Keller erforscht die Spuren von Geschichte und Politik in unserem Stadtbild. Hito Steyerl deckt die Wiedersprüche und politischen Scheinheiligkeiten der Derzeit auf; charakteristisch ist ihr Einsatz neuer Technologien und die resultierende digitale Ästhetik. Tao Hui dehnt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion mit immersiven Installationen. Ein Trio infernale.

7

© Pablo E.Piovano Greenpeace Photo Award bei fhochdrei

Der Greenpeace Photo Award wird seit 2014 verliehen, um fotografische Dokumentationen aktueller Umweltprobleme zu unterstützen. In diesem Jahr wurden der Argentinier Pablo E.Piovano und der Kanadier Ian Willms ausgezeichnet. Pablo Piovano ging für uns nach Patagonien, wo, was wenig bekannt ist, derzeit um Land, Ressourcen und Rechte der Indigenen gekämpft wird. Willms führt uns mit eindringlichen und berührenden Bildern die Folgen der Ölausbeutung in Alberta, Kanada vor Augen.

8

Anna Daucikova, On Allomorphing ODEION © Mathias Voelzke Anna Daučíková im KW

Jährlich vergibt die Schering Stiftung in Zusammenarbeit mit dem KW einen Preis an eine*n Künstler*in, dessen*deren Arbeit von hohem Wert für den wissenschaftlichen Diskurs ist. 2018 ging der Preis an die tschechisch-slovakische Künstlerin Anna Daučíková, die sich seit Jahrzehnten mit ihrem persönlichen queeren Selbstverständnis, aber auch der Außenwahrnehmung sowie externe Kräfte, die auf dieses Dazwischensein wirken, befasst. Für eine Auftragsarbeit, die im KW neben umfangreichem dokumentarischem Material gezeigt wird, entschloss sich Daučíková für die Arbeit mit Glas. In diesem Material erkennt sie eine Parallele zu ihrem Dasein. Ambivalent bewegt es sich zwischen Materialität und Immaterialität, Handwerk und Konzept.

9

Max Liebermann, Badende Knaben, 1900 © Stiftung Stadtmuseum Berlin. Foto: Hans-Joachim Bartsch Skandal! Mythos! Moderne! Die Vereinigung der XI in Berlin

1892 schlossen sich elf Berliner Maler, darunter Max Liebermann und Ludwig von Hofmann, zusammen, um Freiheit zu haben, mit dem, was sie produzieren und zeigen. Denn: Impressionismus und Symbolismus waren in der Kaiserzeit äußerst ungern gesehen. So entstand die „Vereinigung der XI“. Die Reaktionen darauf waren sehr gespalten – der Titel dieser Ausstellung fasst sie zusammen – trotzdem legte die Gruppe den Grundstein für die Berliner Moderne, die ab 1899 in der Berliner Secession an Einfluss gewann.

  • Bröhan-Museum
  • Schlossstraße 1a, 14059 Berlin
  • Bis 15.September 
| Dienstag–Sonntag: 10–18 Uhr
  • Eintritt 8 Euro, ermäßigt 5 | Kostenlose öffentliche Führungen (zzgl. Museumseintritt) an jedem Sonntag: 15 Uhr
  • Mehr Info
10

©Hansjörg Schneider Eigenbedarf in den Uferhallen

Der Hai geht um. 2017 wurden die Uferhallen im Wedding für rund 25 Millionen von der ArgoPrato GmbH gekauft; Geschäftsführer ist Alexander Samwer, einer der durch Rocket Internet bekannten und gefürchteten Samwer Brüder. Auf dem Spiel steht eine fantastische Location für Ausstellungen und Performances, sowie die angeschlossenen Ateliers. 65 Künstler*innen protestieren jetzt mit einer Gruppenausstellung gegen die immer prekärere Wohn-und Arbeitssituation in Berlin und machen auf den Suizid, den Berlin seit einiger Zeit betreibt, aufmerksam. Kreativität, ein Label mit dem sich unsere Stadt immer so stolz schmückt, wird nämlich erstickt, indem Rahmenbedingungen dafür verschlechtert werden. Das Wort erheben unter anderem Asta Gröting, Fabian Knecht, Monica Bonvicini, Katharina Grosse und John Bock.

  • Uferhallen
  • Uferstraße 8, 13357 Berlin
  • Eröffnung: 24. August: 16–24 Uhr. Offene Ateliers und Werkstätten bis ca. 22 Uhr | Bis 1.September | 
Dienstag – Sonntag: 16–20 Uhr
  • Eintritt frei
  • Mehr Info
11

Beasts of the Time – Lynn Chadwick, Katja Strunz, Hans Uhlmann. Ausstellungsansicht, 2019, Haus am Waldsee. Foto: Roman März Lynn Chadwick, Katja Strunz und Hans Uhlmann im Haus am Waldsee 


Das Georg Kolbe Museum Berlin und das Haus am Waldsee holen gemeinsam den britischen Skulpturkünstler Lynn Chadwick für seine erste museale Ausstellung nach Deutschland. In der Nachkriegszeit definierte Chadwick die Rolle und Form skulpturaler Kunst essenziell mit. Dementsprechend wird im Kolbe Museum eine umfangreiche Werksauswahl mit Skizzen, Skulpturen und Grafiken präsentiert. Im Haus am Waldsee hingegen treten seine Skulpturen in Dialog mit figurativen Werken seiner deutschen Kolleg*innen Katja Strunz und Hans Uhlmann.

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