Veganen Käse neu entdecken im Kuddelmuddel in Friedrichshain

© Milena Zwerenz

Wenn es um die Frage geht, wo man in Friedrichshain essen gehen kann, existiert die Gegend etwas abseits des immer gut belebten Boxhagener Platzes auf der kulinarischen Landkarte vieler Berliner nicht. Dabei verstecken sich auch in den Nebenstraßen kleine, gemütliche Cafés, meist deutlich ruhiger und nachbarschaftlicher – so auch das Kuddelmuddel in der Scharnweberstraße. Ein bisschen verhält es sich mit dem Lokal wie mit dem Gleis 9 ¾ bei Harry Potter. Selbst, wenn man es einmal entdeckt hat – die tropische Tapete in der Eingangstür zieht einen unweigerlich an –, müsste man es beim nächsten Mal wieder suchen. Dabei lohnt es sich, den genauen Standort zu kennen.

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Schon morgens herrscht hier reger Betrieb. Die Besitzer und einzigen Mitarbeiter des Cafés, die beiden Brüder Fabio und Antonio aus Palermo, wirken zwar noch etwas verschlafen, legen aber auch zu früher Stunde schon italienische Lässigkeit an den Tag. Da trinkt noch ein Bekannter seinen Espresso an der Theke, jeder Gast wird herzlich begrüßt. “Fabio kann sich die ganzen Gesichter der Leute, die herkommen, merken, das ist verrückt”, erklärt Antonio, der sich selbst lieber in die Küche zurückzieht.

Ende Dezember 2017 haben die beiden Sizilianer hier eine Mischung aus Frühstücks- und Lunchspot hingezaubert. Das Ganze entsprang mehr spontanem Aktionismus', als dass die beiden schon immer vom eigenen Restaurant geträumt hätten. Zwar kochte Antonio schon immer gern, aber die Idee für eine eigene Gastronomie reifte langsam. “Ursprünglich wollte ich dann mit einem befreundeten Koch ein Lokal in Paris aufmachen, aber dann bin ich beim Reisen vor zwei Jahren nach Berlin gekommen – und irgendwie immer länger geblieben.”

So servieren sie nun diverse Kaffeekreationen, Drinks und Sandwiches, die Räume sind rustikal-modern eingerichtet. “Wir wollten eine Karte mit einfach Gerichten, die man in unserer kleinen Küche schnell zubereiten kann”, erklärt Antonio. Unter anderem Granola, Pancakes mit Schokosirup, Blue-Cheese-Toast mit Feigen, Rucola und Balsamico oder Omlette mit Spinat und Pilzen stehen zur Auswahl. Ab mittags gibt es außerdem eine kleine Auswahl an warmen Speisen, wie selbstgemachte Ravioli mit Pilzsauce.

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Was auf den ersten Blick nicht unbedingt auffällt: Die angebotenen Mahlzeiten sind alle vegan. Denn – obwohl man es bei Italienern vielleicht nicht erwarten würde – die Brüder stammen quasi aus einer veganen Familie. Die Mutter ernährt sich seit fast 25 Jahren ohne tierische Produkte, Antonio seit 10. “Wir verlieren durch das vegane Angebot vielleicht ein paar Kunden, aber gewinnen auch andere”, meint Fabio.

Vor allem der vegane “Käse” beeindruckt. Nicht nur optisch erinnert er stark an Gorgonzola, auch geschmacklich kommt er diesem erschreckend nah. Der “Bluebert” auf Cashewbasis stammt aus der Kojiterie in Schöneberg und ist in Handarbeit hergestellt worden, fermentiert und gereift. Wem die damit belegten Brote schmecken: Die Produkte, unter anderem auch den “Camembert”, kann man direkt im Kuddelmuddel kaufen.

Ach ja, was hat es eigentlich mit dem Namen auf sich? Wie erklärt Fabio seinen italienischen Freunden, nach was sie ihr Café benannt haben? “Ich frage sie einfach: 'Wie ist mein Leben?'”, erzählt er lachend und flitzt auf die Straße, um die nächsten Gäste zu bedienen.

© Milena Zwerenz
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Unbedingt probieren: Das Blue-Cheese-Toast – danach wollt ihr vielleicht keinen anderen Käse mehr.

Veggie: Alle Drinks und Gerichte sind vegan.

Besonderheit des Ladens: Italienische Gastfreundschaft und der vegane Käse

Mit wem gehst du hin: Mit deinen (Veganer-)Freunden, allein auf einen Kaffee oder für eine Auszeit vom Boxi-Trubel.

Lärmfaktor: Ruhig gelegen; drinnen läuft gute, atmosphärische Musik (Props an Antonio)

Preise: Cappuccino 2,80 Euro, Smoothies ca. 4,50 Euro, Sandwiches ca. 7 Euro

Kuddelmuddel | Scharnweberstraße 46, 10247, Berlin | Dienstag und Samstag: 11–20 Uhr, Sonntag: 11–18.30 Uhr

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