Mich widert es an, dass Eltern ihre Kinder auf Instagram zur Schau stellen

© Jessica To'oto'o | Unsplash

Ich gebe gleich vorneweg zu: Ich habe keine Kinder. Ich plane auch nicht, in nächster Zeit welche zu bekommen. Vielleicht kann ich mich deshalb nicht in die Situation frisch gebackener Eltern versetzen, die nichts Besseres zu tun haben, als fünf Sekunden nach der Geburt das Kind, am besten noch klebrig von Gebärmutterschleim, in die Kamera zu halten. Ich glaube aber, dass ich im Gegensatz zu den frisch gebackenen Eltern noch einen ganz guten Verstand habe. Und der sagt mir, dass es falsch ist, seine Kinder zur Schau zu stellen.

Das ist es erstens deshalb, weil die Kinder sich nicht wehren können gegen die öffentliche Zurschaustellung durch ihre Eltern. Dabei haben auch sie laut UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Privatsphäre und sind besonders schützenswürdig, weil sie sich eben nicht selbst schützen können. Zwar müssten Eltern ihre Kinder rechtlich erst ab dem 14. Lebensjahr ausdrücklich nach Veröffentlichung ihrer Fotos fragen (laut Kinderhilfswerk sind in Deutschland derzeit vier Millionen Kinder und Jugendliche von der ungefragten Veröffentlichung betroffen), aber wenn man bedenkt, was so mit Fotos im Internet passiert, dann sollte doch eigentlich niemand wollen, dass Fotos von den eigenen Kindern dort kursieren.

Nicht nur Promis sind von gehackten Accounts betroffen, es kann im Prinzip jeden treffen. Ich habe selbst viele Freunde, deren Instagram-Accounts gehackt wurden. Denkt doch mal daran, wie ihr euch fühlen würdet, wenn ihr keinen Zugriff mehr auf euren Instagram-Account habt, wenn ihr nicht wisst, was mit euren Fotos gemacht wird und wo diese landen. Wo diese landen, kann ich euch verraten: auf Werbe- und Pornoseiten, mit denen ihr nichts zu tun haben wollt. Die SZ schreibt, dass das Bundeskriminalamt 2017 allein 35.000 Hinweise auf deutsche Verdächtige in Zusammenhang mit Kinderpornografie bekommen hat.

Ihr findet das übertrieben? Vergegenwärtigt euch, dass, vor allem wenn euer Instagram- oder Facebook-Profil öffentlich ist, wirklich jeder euer Profil anschauen kann. Und es bedarf ganz und gar keiner  Programmierkenntnisse, um sich das Bild easy zu speichern, ein Screenshot reicht ja schon.

Aber nicht nur, dass das Bild eures Kindes im Zweifelsfall im Internet kursiert. Das Bild hat sogar einen Namen und eine komplette Biografie. Eltern verraten ja oftmals nicht nur den Namen des Kindes, sondern missbrauchen Social Media als persönliches Tagebuch. Da werden nicht nur die ersten Gehversuche und verbalen Blubbergeräusche gezeigt. Ich habe eine Bekannte, die wöchentlich komplette Konversationen zwischen ihr und ihrem Kind auf Facebook postet. Ich weiß nicht, was sie damit zeigen will: Wie toll ihr Kind oder wie toll sie als Mutter ist? Viel wichtiger ist doch: Ich weiß seit dem ersten Lebensjahr, was das Kind macht und könnte darüber ein Buch schreiben. Will man das als Elternteil wirklich? Dass jemand anderes als man selbst so viel über das eigene Kind weiß? Und wenn ja, aus welchem Grund? Ist das eigene Leben selbst so unspannend, dass man das des Kindes in den Fokus der Öffentlichkeit stellen muss?

Ich finde, dass das Zurschaustellen des Leben seines Kindes eine grobe Verletzung des eigenen Sorgerechtes ist. Niemand kann mir erzählen, dass es zur Erziehung dazu gehört, dass Kind der Öffentlichkeit dermaßen auszusetzen. Und ich glaube auch nicht, dass je ein Elternteil jemals sein Kind gefragt hat, ob es das okay fände – sie wissen ja gar nicht, was das bedeutet. Klar ist so ein Foto vom Töpfchen irgendwie süß, blendet man mal aus, dass ihr ein menschliches Wesen beim Scheißen und Sabbern zeigt. Wessen Aufmerksamkeitsgier befriedigt ihr hier eigentlich? Doch nicht die eures Kindes.

Liebe Eltern, ihr wisst natürlich am besten, was gut für euer Kind ist; wer bin ich, euch das vorzuschreiben. Ich glaube aber, dass euch das Wohlergehen eures Kindes am Herzen liegt – also lasst es doch einfach mit den Fotos und Videos sein. Ihr könnt sie ja trotzdem speichern und euren Kindern dann zum 14. Lebensjahr schenken. Dann können sie selbst entscheiden, ob das Material nicht vielleicht doch zu peinlich für die Öffentlichkeit ist.

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