Frischer Fisch und knackige Salate kommen ab sofort von der Lichtenberger Stadtfarm

© Max Müller

Clara heißt der neue Star aus Lichtenberg, der in ziemlich großen Tanks mitten im Landschaftspark Herzberge lebt und von dort eine Revolution der urbanen Ernährung lostreten soll. Clara heißt eigentlich nicht Clara, sondern ist die Verniedlichung eines ziemlich schwierigen lateinischen Namens: Clarias gariepinus, zu Deutsch Afrikanischer Raubwels. Doch der Einfachkeitshalber nennen auch die Mitarbeiter der Stadtfarm, die den Fisch nun im zweiten Jahr züchten, ihre Wunderwaffe nur in der Kurzform.

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Clara lebt in einem Gewächshaus im Herzen des idyllischen Parks. Hier ist der Fisch Teil eines geschlossenen Kreislaufes, dem von außen nur Wasser und Fischfutter zugeführt wird. AquaTerraPonik heißt das lizensierte System der Topfarmers GmbH, die sich nicht weniger vorgenommen hat, als das Urban Gardening neu zu erfinden und perspektivisch alle Bewohner Berlins mit frischem Gemüse und Fisch zu versorgen.

Regenwürmer erzeugen ein natürliches Antibiotikum

Den Ausgangspunkt hierfür bilden die schnell wachsenden Fische, die ideale Futterverwerter sind (ein Kilogramm Futter wandelt sich in ein Kilogramm Körpergewicht um). Die Ausscheidungen der Fische werden durch mechanische Filter und Bakterien aufgearbeitet und aufgewertet und in eine regenwurmreiche Erde geleitet. Die Ausscheidungen der Regenwürmer wiederum wirken wie ein natürliches Antibiotikum für Fische und Pflanzen, die aus dem angereicherten Wasser ihre Nährstoffe ziehen, ehe das gefilterte Wasser erneut den Fischen zugeführt wird.

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Von den Fischen ist nicht viel zu sehen, sie schwimmen in abgedunkelten Tanks. Normalerweise würden sie einander als Feinde ansehen, doch Mutter Natur hat den Welsen einen natürlichen Instinkt eingepflanzt: In der Trockenzeit schrumpft der Viktoriasee, die Heimat des Welses, extrem aus, in dieser Phase werden die Tiere friedlebend, der Tank imitiert diesen Zustand.

Deutlich sichtbar hingegen sind die diversen Salatarten, die nur wenige Meter weiter in einem zweiten Gewächshaus das ganze Jahr über gedeihen. Und nicht nur Salate werden von der Stadtfarm angebaut, auch Kräuter- und Kressearten wachsen in Lichtenberg – sowie tropische Früchte. Besucher können sich selbst ein Bild von all dem machen: Die Stadtfarm versteht sich als gläsernes Unternehmen, das in Kontakt mit Besuchern aus dem Kiez und der ganzen Stadt treten will.

Kooperationen mit lokalen Bauern und Erzeugern

Das Angebot wird rege genutzt. Tagsüber kommen vor allem die alteingesessenen Kiezbewohner. Die Events und Märkte ziehen eher ein jüngeres Publikum sowie Familien an. So findet jeden Donnerstag ein Afterwork Meet-and-Greet statt, freitags wird zwischen 9 und 16 Uhr frischer Fisch verkauft und jeweils an einem Samstag im Monat kommen Erzeuger und Bauern aus der Region, die ihrerseits eine Vielzahl an Waren für den gemeinsamen Markt mitbringen.

Zudem können sich Anwohner im Umkreis von fünf Kilometern täglich frische Salate liefern lassen. Wer von weiter weg kommt, kann sich den Salat vorbestellen, abholen und dann vor Ort, im Park oder daheim genießen. Auch wir haben zum Abschluss unseres Besuches einen Salat mit geräuchertem Fisch probiert und sind absolute Fans. Der Salat ist wunderbar knackig, super frisch (was sonst!) und geschmacklich dank der Vielzahl an Kräutern perfekt abgerundet. Wenn das die Zukunft der Ernährung ist, können wir nicht anders, als uns tierisch auf diese zu freuen. Wir sind gespannt, wie sich die Stadtfarm weiterentwickelt und melden uns, sobald es Neues zu berichten gibt – was sicher nicht allzu lange dauern wird!

© Max Müller
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Stadtfarm | Allee der Kosmonauten 16, 10315 Berlin | Montag–Freitag: 9–16 Uhr | Mehr Info

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