Die Berliner Mauer soll temporär wieder aufgebaut werden

© Stefan Turtzer 

Dieses Kunstprojekt ist derzeit in aller Munde und zugleich heftig umstritten, wobei noch nicht einmal klar ist, ob es überhaupt realisiert werden kann. Fakt ist: Wenn es nach den Berliner Festspielen geht, die derzeit in Verhandlungen mit der Phenomen Filmproduktions-GmbH und den verschiedenen Berliner Behörden sind, düfte in diesem Herbst "eine Stadt in der Stadt" rund um das Kronprinzenpalais am Boulevard Unter den Linden entstehen. Für das Mammut-Projekt DAU soll die Berliner Mauer zwischen dem 13. Oktober und dem 9. November temporär wieder aufgebaut werden, hinter der Besucher Performances und Konzerte erwartet sowie als Kernstück die Uraufführung von sage und schreibe 13 Kinofilmen und unterschiedlichen Serien des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky.

Das Projekt trägt den Titel "Freiheit"

Viel ist über das Projekt DAU des russischen Regisseurs Ilya Khrzhanovsky nicht bekannt. Zwischen 2008 und 2011 lebten über 400 (Laien-)Darsteller in einer Art gigantischen Simulation in der Ukraine, deren Herzstück die Rekonstruktion eines wissenschaftlichen Labors bildete, in dem die Jahre der stalinistischen Herrschaft in der Sowjetunion zwischen 1938 und 1968 nachgestellt wurden – durch die Omnipräsenz von Kameras sind dabei Realität und künstlerische Fiktion miteinander verschmolzen. Herausgekommen sind über 700 Stunden Filmwerk, die unter dem Titel "Freiheit" nun in Berlin erstmals öffentlich gezeigt werden sollen. Das Projekt ist Teil einer Trilogie, die in Paris unter dem Titel „Brüderlichkeit“ und London unter dem Titel „Gleichheit“ fortgeführt werden soll.

Deutliche Kritik und eine erste Absage

Die Ankündigung des möglichen Wiederaufbaus der Berliner Mauer als Teilaspekt des Gesamtprojekts zog sogleich Kritik nach sich. Gegenüber dem rbb sagte Axel Klausmeier, Leiter der Gedenkstätte Berliner Mauer, dass er dem Projekt skeptisch gegenüberstehe, "weil das Leid und der Schmerz der Menschen, die unter diesem System gelitten haben, den Menschen gehört, die darunter gelitten haben". Auch das Erzbistum Berlin, dessen Hedwiskathedrale ummauert werden soll, distanziert sich nach anfänglicher Zustimmung vom Projekt, da zur gleichen Zeit eine Raum-Installation von Rebecca Horn in der Kirche gezeigt werden soll, die nach einer Prüfung durch die Kuratoren nicht mit dem Projekt DAU kompatibel ist. Zugleich wird in den einschlägigen Medien vielfach ein Artikel der britischen Zeitung  The Telegraph zitiert, wonach es in der Simulation zu sexuellen Belästigungen gekommen sein soll. Rückendeckung bekommt das Projekt aus der Landes- und vor allem der Bundespolitik.

Bereits im Jahr 2017 sollte der Maueraufbau rund um die Volksbühne realisiert werden, doch die Verhandlungen platzten. Nun unternehmen die Berliner Festspiele einen neuen Anlauf. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob dieser gelingt.

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