In Berlin gibt es jetzt eine Akademie für Influencer

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Donnerstagnachmittag, ich betrete ein unscheinbares Bürogebäude in Charlottenburg. Der Grund dafür, dass ich heute hier bin, nennt sich tatsächlich "Influencer Marketing Academy". Was hat man sich darunter vorzustellen? Ich bin neugierig. Lernt man hier, wie man das perfekte Selfie schießt? Welcher Filter die Haut am besten aussehen lässt oder wie man in seiner Insta-Story sympathisch rüberkommt?

Wer jetzt davon träumt, mit ein paar einfachen Tricks die nächste Dagi Bee oder der neue Riccardo Simonetti zu werden, den muss ich an dieser Stelle leider schon enttäuschen. Neue Social Media Stars heranzuzüchten sei nicht das eigentliche Ziel der Influencer Academy, erklärt mir Gründer Sascha. Die Workshops, Seminare und Einzelcoachings richten sich an Leute, die schon eine gewisse Followerzahl auf ihrem Channel erreicht haben und sich als Influencer professionalisieren wollen. Authentizität, Kreativität und gleichzeitig erfolgreiche Selbstvermarktung – darum geht es. So können Teilnehmer hier zum Beispiel lernen, wie sie ihr Social Media Profil potenziellen Werbepartnern präsentieren können und worauf sie bei Kooperationen mit Firmen achten müssen. "So banal es klingt, es überrascht zum Beispiel wahnsinnig viele Leute, dass sie das Geld, das sie mit Werbekooperationen verdienen, auch versteuern müssen", erzählt mir Sascha.

 

"Es gibt Menschen, die können nun mal einfach nicht fotografieren."

Auf der anderen Seite bietet die Akademie auch Seminare für Unternehmen an, die auf Influencer-Marketing setzen wollen. Dabei sollen Firmen vor allem lernen, wie sie relevante Influencer für ihr Produkt finden und diese in ihre Kampagnen einbinden können. Für Marken aus dem Fashion- und Lifestyle-Bereich sei das extrem einfach, betont Sascha. Aber wie lässt sich Empathie für ein abstraktes Produkt wie eine Versicherung bildlich erzeugen? Eine Herausforderung.

Okay, hier wird also keiner von heute auf morgen in einen erfolgreichen Influencer verwandelt. Trotzdem kommen mehrmals in der Woche Leute mit dem „Berufswunsch Influencer“ in die Akademie: Sie möchten gerne zu Stars gemacht werden, denken, mit hübschen Bildern und ein paar Tausend Follower ließe sich problemlos der Lebensunterhalt verdienen. So einfach ist das Ganze leider nicht. Zwar könne sich jeder in den Einzelcoachings der Akademie Tipps zum Aufbau seines Channels geben lassen, aber Sascha gibt zu: "Es gibt Menschen, die können nun mal einfach nicht fotografieren." Schade!

Die Akademie macht dich also nicht mit ein paar absolvierten Trainingseinheiten in Hundefilter-Lächeln und Follow-Me-Around-Video-drehen zum Influencer, auch wenn der Name es vielleicht erstmal vermuten lässt. Ein klein wenig enttäuscht bin ich schon. Aber was lernen wir daraus? Es sieht wohl so aus, als könnten auch weniger Internet-affine Branchen Influencer nicht mehr ignorieren. Sie sind aus der Werbewelt endgültig nicht mehr wegzudenken und werden euch in Zukunft vielleicht nicht nur Inspiration für Sneakers, Armbanduhren und Fitness-Tees, sondern auch für eure neue Versicherung liefern.

Wenn euch das Thema interessiert, könnt ihr auf der Website der Akademie mehr erfahren.

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