11 seltsame Dinge, die Touristen über Berlin denken

© Lili Ingmann

Über 12 Millionen Touristen kommen jedes Jahr nach Berlin. Sie drängeln sich bei Madame Tussauds, bestaunen das Brandenburger Tor und machen Selfies beim Holocaust-Mahnmal. Aber mit welchen Vorstellungen kommen sie eigentlich hierher und welchen Eindruck nehmen sie mit von der Stadt? Ich habe einen Touristenführer gefragt, was für absurde Bemerkungen ihm schon begegnet sind. William, der als Deutsch-Australier mit „When in Berlin Tours“ mehr als 2.500 Touristen pro Jahr durch die Irrwege der Berliner Geschichte und zu hippen Cafés führt, hat mir ein paar der absurdesten Dinge erzählt, die Touristen über Berlin denken.

1. Die Mauer steht noch.

Nicht wenige Berlin-Besucher stehen nach vollendeter Tour verwirrt an der East Side Gallery und suchen den Rest der Berliner Mauer. Manche fragen gar ungeniert: „Is this all? Where is the real one?“. Das sind vermutlich auch dieselben Menschen, die zwei Meter weiter ein Stück von eben dieser Mauer im Souvenirladen kaufen. Oder wie Berliner es nennen: ein angemaltes Stück Mörtel mit Preisschild.

2. Ganz Berlin ist eine einzige große Party.

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Geschichten von der Berliner Clubszene haben sich in der ganzen Welt verbreitet und nicht wenige der jungen Berlin-Reisenden kommen dann auch als von der Stadtbevölkerung geächtete Partytouristen. Dabei wollen sie doch nur ein bisschen Spaß und einen Ort, an dem man endlich mal ungestört Bierflaschen werfen, in Hauseingängen vögeln und an Hauswände pinkeln kann. Denn Berlin ist doch die 24/7-Partystadt oder etwa nicht?

3. Alle Berliner tragen Trachten.

Wenn man sich auf einer Karte anschaut, welchen Teil Deutschlands Amerika nach dem zweiten Weltkrieg besetzt hat, ist es gar nicht verwunderlich, dass das Bild der Deutschen besonders in amerikanische Zeichentrickserien und Komödien von bayerischen Stereotypen geprägt ist. Mit weitreichenden Folgen. Generationen von Filmfans haben so eine ziemlich genaue Vorstellung von den Deutschen. Und die ist eben: Lederhosen, Trachtenhut und Dirndl. Dass sie danach selbst in Berliner Biergärten vergeblich suchen, ist für viele eine echte Enttäuschung.

4. Die Stadt ist überflutet mit Geflüchteten.

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Merkels Flüchtlingspolitik hat Eindruck hinterlassen. Je nach Herkunftsland glauben einige Touristen entweder, dass in Berlin ganze Ansammlungen an Flüchtlingscamps die inneren Stadtbereiche bevölkern (und natürlich vollends unsicher machen, siehe Punkt 10) oder sie loben: „You germans are so much nicer than we thought! With all you’ve done for the refugees and such.“ Angesichts der teils noch immer prekären Situation vieler Geflüchteter in Berlin eine eher blauäugige Auffassung.

5. Ganz Kreuzberg ist eine Sperrzone.

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Der Fairness halber sei gesagt, dass auch viele Touristenführer diese Vorstellung schüren, insbesondere die etwas älteren Kaliber. William ärgert das, er führt seine ängstlichen Schäfchen gerne mal mitten durch den Sündenpfuhl Kottbusser Tor und auf die Oranienstraße. Das ist ein bisschen hart, wie ich finde. Da sollte man als Tourist wirklich nicht hingehen. Dann können Berliner da nämlich besser durchlaufen.

6. Berliner haben Hardcore-Sex.

Angestachelt von der Flut an deutschen Amateur-Pornos auf entsprechenden Plattformen und Geschichten rund um Darkrooms, denken selbst europäische Touristen gerne mal, dass hier alle ständig harten Sex haben. Am besten direkt auf der Straße. Zumindest nackt laufen sie ja durchaus mal rum, die Berliner, z.B. mitten in der Stadt im FKK-Bereich im Tiergarten oder an den diversen Seen im Umland. Da kann man als eher prüder Amerikaner schonmal auf dumme Gedanken kommen… Aus der selben Richtung kommt übrigens auch die Annahme, dass deutsche Mädchen leicht zu haben sind. Noch eine Vorstellung, die Berlin-Touris nicht selten mit enttäuschten Erwartungen zurücklässt.

7. Berliner essen nur Schweinshaxe.

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Ja wirklich, das denken sie, die Touristen. Dabei hat die traditionelle Berliner Küche doch soviel mehr zu bieten. Currywurst zum Beispiel.

8. Alle Berliner sind Punks.

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„So authentic!“ Sagte einmal ein guter Freund aus Südafrika, der zu Besuch war und zeigte mit strahlenden Augen auf einen Punker in der S-Bahn. Betretenes Schweigen punkerseits. Ein paar erklärende Worte aus meiner Richtung später waren seine leuchtenden Augen nur noch größer. „Wow, this is so cool. Just like in the movies.“ Ja, in Berlin werden auch heute noch alle Träume der Achtziger wahr.

9. Alle Berliner sind Nazis.

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Mal ehrlich, die aktuelle deutsche Politik ist doch eher langweilig angesichts der dramatischen Zerwürfnisse und großen Emotionen der vergangenen 100 Jahre. Kein Wunder also, dass Action-Filme aller Länder für eine Story gerne mal auf den griffigen Nazi-Deutschen in Uniform und Hitlerbart zurückgreifen. „Dabei wissen die wenigsten, dass die Berliner schon 1932 mit einer deutlichen Mehrheit gegen die Wahl Hitlers zum Kanzler gestimmt haben, im Gegensatz zum Rest Deutschlands“, sagt William.

10. Berlin ist eine Verbrecherhochburg.

Vom Terror ganz zu schweigen! Vor allem im asiatischen Raum ist Berlin als Terrorziel Nummer Eins verschrien. Da wird schnell jedes Graffiti und jeder weggeworfene Zigarettenstummel zum untrüglichen Zeichen für die kurz bevorstehende Anschlags-Apokalypse. Jeder Kinderwagen ein potentielles Bombenpaket. Der Ur- oder Wahlberliner lächelt unterdessen müde und beißt entspannt vom Falafel-Sandwich ab.

11. Sie denken ernsthaft, deutsches Bier sei gut.

Das deutsche Reinheitsgebot ist für ausländische Touristen so etwas wie das Delphin-Siegel auf Thunfischdosen für deutsche Supermarktkäufer. Wenn das draufsteht, muss gut sein, was drin ist. Dass in Berlin mittlerweile eher Craft Beer angesagt ist, erntet bei ihnen nur Kopfschütteln. William sagt zu deutschem Standard-Bier nur trocken: „It sucks.“

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